Ein Erfahrungsbericht einer FSJlerin
Es ist ein warmer, fast heißer Tag Ende Juni 2025. Ich sitze in der Sporthalle meiner Schule und bin ohne Grund etwas nervös. Schließlich habe ich alle Prüfungen schon hinter mich gebracht. Die Luft steht und allen ist offensichtlich etwas zu warm. Als endlich alle Reden gehalten, alle wichtigen Menschen geehrt und alle Danksagungen gesprochen sind, werden wir auf die Bühne gerufen. Dort erhalte ich mein Abiturzeugnis, welches das offizielle Ende meiner Schulzeit datiert. Gleichzeitig steht dieser Moment für den Beginn eines neuen Lebensabschnittes - aber für welchen genau? Wahrscheinlich fragen sich einige meiner Mitschüler*innen das Gleiche, aber dennoch fühle ich mich ganz allein mit der Frage, was nun als nächstes passieren soll.
Nach einigen Wochen, in denen ich mich ganz bewusst nicht um die Beantwortung dieser Frage gekümmert habe, ist der zeitliche Entscheidungsdruck hoch genug. Wenn ich nicht ohne irgendetwas dastehen möchte nächstes Jahr, dann muss ich jetzt eine Entscheidung treffen. Durch meinen Minijob im Kletterzentrum Darmstadt erfahre ich, dass ein FSJ-Platz wieder frei geworden ist und nun neue Bewerber*innen eingeladen werden. Aufgrund meiner bisherigen Ratlosigkeit, aber vor allem wegen meines Interesses an der Jugendarbeit und dem Klettersport selbst, entscheide ich mich dazu, mich auf eben jenen Platz zu bewerben. Ich schicke meine Bewerbungsunterlagen, komme zum Vorstellungsgespräch und dann heißt es erstmal ein paar Tage warten. Dann endlich: Mein Handy klingelt und ich bekomme eine Zusage für den Platz!
Am 01. September 2025 startete meine Reise, die ein Jahr dauern soll. Anfangs ist alles sehr viel. Neue Eindrücke, neue Menschen und Einarbeitungen in verschiedenste Bereiche des Kletterbetriebs. Nach und nach pendelt sich alles etwas ein und ich fühle mich, als wäre ich angekommen. Sowohl die Seminare von der Sportjugend Hessen als auch meine Grundausbildung zur jdav Jugendleiterin helfen mir, dass ich mich immer sicherer fühle mit den Kids und die Arbeit macht mir Spaß.
Wertvolle Erfahrung gemacht
Die Sportjugend unterstützt viel und gibt gewisse Rahmenbedingungen vor, die während des Freiwilligendienstes erfüllt werden müssen. Darunter fällt auch ein Projekt, welches eine Aktion darstellen soll, die über die üblichen Tätigkeiten hinausgeht. Ich habe kurz nach Beginn meines FSJs unsere Beauftragte für Inklusion kennengelernt und auch einige Kids mit Einschränkung sind mir schnell ans Herz gewachsen. Wir standen viel in Austausch darüber, was beim DAV Darmstadt-Starkenburg alles schon ganz gut läuft und was vielleicht auch noch nicht. Darüber erfahre ich, dass es nun schon länger keine Neuanmeldungen von Kindern für unsere Inklusionsklettergruppen gibt. Also beschließe ich gemeinsam mit ein paar anderen engagierten Personen ein Nikolausklettern für Menschen mit Beeinträchtigung zu organisieren. Ziel ist es, Kindern und Erwachsenen mit Einschränkung kostenlos einen Einblick in den Klettersport zu geben und eventuell dafür zu begeistern. Schnell bemerke ich, dass die Idee gut ankommt, aber auch mit einem enormen Organisationsaufwand verbunden ist. Ich erstelle Flyer, mache Werbung auf der Website, suche ehrenamtliche Helfer*innen für den Tag selbst, stelle meine Idee unserem Vorstand vor (dieser muss genehmigen, dass alle Teilnehmenden kostenlos klettern dürfen), schreibe Zeitpläne, antworte auf alle Fragen der Eltern und versuche diverse Kommunikationsprobleme so erwachsen wie möglich zu regeln. Als all das hinter mir liegt und nun endlich die Aktion starten kann, bin ich nervös. Wird alles so funktionieren, wie geplant? Haben die Teilnehmenden Spaß? Die Antwort auf beide Fragen lautet: Ja! Der Tag ist ein voller Erfolg. Ich bekomme eine positive Rückmeldung nach der anderen von Teilnehmenden, Eltern und auch von den Helfer*innen. Das Gefühl, etwas geschafft zu haben, wovon sie vorher nie gedacht hätten, dazu in der Lage zu sein ist das, was bleibt. Und das macht mich stolz und glücklich.
Ich könnte noch so viel mehr über meinen Freiwilligendienst berichten, denn das war nur ein Bruchteil dessen, was ich dabei erleben durfte und als wertvolle Erinnerung mitnehme. Ich bin ein anderer Mensch als davor und habe so unglaublich viel dazu gelernt. Nun, wo sich das Ganze langsam, aber sicher, dem Ende zuneigt, kann ich mit Sicherheit sagen: Es war die beste Entscheidung ein FSJ zu machen, die ich hätte treffen können!
Du willst auch ein Freiwilligendienst machen? Die Bewerbungsphase für den nächsten Jahrgang startet
www.freiwilligendienste-in-hessen.de