“Wir werden in den nächsten drei Jahren 4000 Kitas und 2000 Kindertagespflegen erreichen”
Mit dem Bewegungspass Hessen soll Bewegung nachhaltig und alltagsnah in Kitas und Kindertagespflege verankert werden. Bei der landesweiten Auftaktveranstaltung am 14. September in Frankfurt wurde deutlich: Damit Kinder frühzeitig Freude an Bewegung entwickeln, braucht es vor allem eines – Bewegungsräume und Bewegungsanlässe, die selbstverständlich zum Einrichtungsalltag gehören.
Kinder wollen sich bewegen. Sie entdecken ihre Umwelt über Bewegung, sammeln dabei wichtige Erfahrungen und entwickeln motorische, soziale und kognitive Fähigkeiten. Gleichzeitig bewegen sich viele Kinder bereits im frühen Kindesalter zu wenig. Der Bewegungspass Hessen setzt genau hier an: Er soll pädagogische Fachkräfte und Kindertagespflegepersonen dabei unterstützen, Bewegung spielerisch und alltagsintegriert in den Betreuungsalltag zu integrieren.
Bewegung von Anfang an
„Bewegung von Anfang an: Chancen frühkindlicher Bewegungsförderung für Entwicklung und Bildung“ lautete der fachliche Impuls von Prof. Dr. Renate Zimmer. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche Bedeutung Bewegung für die Entwicklung von Kindern hat – und wie Bewegungsförderung so gestaltet werden kann, dass sie Kinder in ihrer jeweiligen Lebenssituation erreicht.
Der Bewegungspass setzt bewusst auf einen spielerischen Zugang. Im Mittelpunkt stehen acht Tiere, die die Kinder durch insgesamt 32 grundlegende Bewegungsfertigkeiten begleiten. Balancieren, Springen, Werfen oder Klettern werden dabei in vier aufeinander aufbauenden Schwierigkeitsstufen vermittelt. Für absolvierte Übungen sammeln die Kinder Löwenaufkleber in ihrem persönlichen Bewegungspass. Dabei soll der Bewegungspass kein zusätzlicher Programmpunkt sein, der neben dem Einrichtungs-Alltag steht. Vielmehr geht es darum, Bewegung selbstverständlich in den Alltag zu integrieren. Angelique Lobanov, Pädagogin und Kita-Leitung, betonte in ihrem Praxisbeitrag, dass Kitas und Tagespflegepersonen dabei ihren eigenen Weg finden sollten: Nicht der schnelle Blick auf ein vorgegebenes Ziel stehe im Vordergrund, sondern die gemeinsame Entwicklung mit den Kindern, Eltern und dem gesamten Team. „Macht euch bitte keinen Druck“ – vielmehr gehe es darum, Bewegung Schritt für Schritt in den Alltag einzubauen.
Das gesamte Team muss mitgenommen werden
Eine zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Umsetzung ist die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte. Der Bewegungspass Hessen ist deshalb als landesweites, kostenfreies Qualifizierungsprogramm angelegt. Die Fortbildungen vermitteln praktische Bewegungsideen, Methoden und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für Kinder im Alter von zwei bis sieben Jahren. Ergänzend erhalten teilnehmende Kitas und Kindertagespflegestellen ein umfangreiches Materialpaket.
Dabei soll das Wissen nicht bei einer einzelnen geschulten Person bleiben. Ziel ist es, möglichst zwei Kolleg*innen einer Kita oder die entsprechende Tagespflegeperson zu qualifizieren. In Kitas können die Inhalte anschließend in das gesamte Team übertragen werden. Denn nachhaltige Bewegungsförderung braucht Austausch, Zeit für Reflexion und die gemeinsame Entwicklung von Ideen für den pädagogischen Alltag.
Auch auf Träger- und kommunaler Ebene braucht es entsprechende Rahmenbedingungen. Eine nachhaltige Qualitätssicherung, ausreichende Zeitressourcen und die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Bewegung dauerhaft im Alltag verankert werden kann.
Bewegung als gemeinsame Aufgabe
Die Auftaktveranstaltung machte zugleich deutlich, dass Bewegungsförderung eine gemeinsame Aufgabe verschiedener Bildungs- und Lebensorte ist. Claudia Günther, (BEP-Multiplikatorin) nahm dabei insbesondere die Anschlussfähigkeit zwischen Kita und Schule in den Blick.
Auch die Brücke zwischen Politik und Sport spielte eine wichtige Rolle. Dr. Ann Kathrin Linsenhoff unterstrich die Bedeutung eines gemeinsamen hessenweiten Ansatzes. Bewegung müsse dort ansetzen, wo Kinder ihren Alltag verbringen – und dabei sollten auch Eltern und Familien einbezogen werden. Kooperationen zwischen Kitas und Sportvereinen können dabei zusätzliche niedrigschwellige Bewegungsangebote schaffen.
Der Bewegungspass Hessen ist entsprechend in die Gesamtstrategie SPORTLAND HESSEN bewegt eingebettet und orientiert sich am Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren (BEP) in Hessen. Ziel ist es, allen Kindern unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen einen Zugang zu Bewegung zu ermöglichen und damit auch einen Beitrag zu mehr gesundheitlicher Chancengleichheit zu leisten.
Schritt für Schritt in ganz Hessen
Die Einführung des Bewegungspasses erfolgt schrittweise und soll bis Ende 2028 landesweit umgesetzt werden. Die Sportjugend Hessen verantwortet dabei insbesondere die Qualifizierung der Kursleitungen und die Fortbildungsstruktur. Die HAGE übernimmt unter anderem die Gesamtkoordination, Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit und Qualitätssicherung.
Aktuell wird ein landesweites Qualifizierungsangebot aufgebaut. Die Fortbildungen finden zunächst regional statt. Ab 2027 sind zusätzlich drei jährliche Bewegungspass-Regionalforen für Nord-, Mittel- und Südhessen vorgesehen. Sie sollen Raum für Austausch, Vernetzung, Praxisworkshops und die Weiterentwicklung des Projekts bieten.
Für Interessierte gibt es im Oktober und Dezember weitere kostenlose Online-Informationsveranstaltungen. Die nächste findet am 27. Oktober 2026 von 13 bis 14 Uhr statt. Eine weitere Veranstaltung ist für den 8. Dezember 2026 von 17 bis 18 Uhr geplant.
Organisiert wurde der Auftakt von der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAGE) in Kooperation mit der Sportjugend Hessen.