Am 1. Juli 2011 wurde der Bundesfreiwilligendienst (BFD) eingeführt. Anlass war die Aussetzung der Wehrpflicht, mit der zugleich auch der Zivildienst endete. Der BFD sollte die entstandene Lücke schließen und insbesondere soziale Einrichtungen beim Wegfall der Zivildienstleistenden unterstützen. Die Sportjugend Hessen gehörte zu den ersten Trägern, die den BFD im Sport etablierten. Seitdem bietet er jungen Menschen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, sich persönlich weiterzuentwickeln und das Vereinsleben in Hessen aktiv mitzugestalten.
Junge Menschen fördern
Im Gegensatz zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) steht der Bundesfreiwilligendienst grundsätzlich Menschen jeden Alters offen. Die Sportjugend Hessen hat sich jedoch bewusst dafür entschieden, den BFD – ebenso wie das FSJ – ausschließlich für junge Erwachsene bis 27 Jahre anzubieten. Im Mittelpunkt steht dabei die Förderung junger Menschen in ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung.
Aufbau neuer Strukturen
Die Einführung des BFD brachte zunächst große Herausforderungen mit sich. Anders als erwartet konnten die über Jahre gewachsenen Strukturen des FSJ nicht einfach übernommen werden. Für den Bundesfreiwilligendienst mussten eigene Verwaltungs- und Abrechnungsprozesse aufgebaut werden. Auch die Bildungsarbeit unterschied sich deutlich: Während die Sportjugend Hessen im FSJ alle 25 Bildungstage selbst gestaltet, absolvieren BFD-Freiwillige zusätzlich eine fünftägige politische Bildungswoche in den Bildungszentren des Bundes – den ehemaligen Zivildienstschulen. Trotz des höheren organisatorischen Aufwands entwickelte sich der Bundesfreiwilligendienst schnell zu einer wertvollen Ergänzung des Freiwilligendienstes im Sport.
Neue Einsatzstellen
In Hessen kamen viele neue Einsatzstellen durch die Einführung des BFD hinzu. Vielen Verbände haben sich als BFD-Stellen anerkennen lassen, da sie vorher nicht als FSJ-Stellen fungieren konnten, da hierbei mind. 75 Stunden pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erforderlich ist.
Heute engagieren sich in Hessen rund 200 Freiwillige im Sport - etwa 170 im Freiwilligen Sozialen Jahr und 30 im Bundesfreiwilligendienst. Sie unterstützen somit Kinder- und Jugendarbeit im Sport, begleiten Trainings- und Bewegungsangebote, wirken bei Bildungs- und Integrationsprojekten mit und stärken damit Sportvereine und -verbände in ganz Hessen.
Ein Win-Win-Win-Situation
Der Bundesfreiwilligendienst schafft einen Mehrwert auf mehreren Ebenen. Im Mittelpunkt stehen die Freiwilligen selbst. Das Bildungs- und Orientierungsjahr bietet ihnen die Chance, den organisierten Sport kennenzulernen, erste Berufserfahrungen zu sammeln, Verantwortung zu übernehmen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig profitieren Kinder und Jugendliche in den Vereinen. Sie erleben zusätzliche Bewegungsangebote, erhalten individuelle Unterstützung im Training und begegnen jungen Menschen, die häufig als Vorbilder wirken. Auch für Vereine und Verbände ist der Freiwilligendienst ein großer Gewinn. Die Freiwilligen entlasten das Ehrenamt, ermöglichen zusätzliche Projekte und Veranstaltungen und bringen neue Ideen sowie frische Perspektiven in die Vereinsarbeit ein.
Freiwilligendienst zukunftssicher gestalten
15 Jahre nach der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes steht das System erneut vor Veränderungen. Im Sportkontext wird derzeit auch von einer “Rolle rückwärts” gesprochen. Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen wurde ein neues Wehrdienstmodell eingeführt, dass rund 700.000 Männer verpflichtend erfasst, um diese zu einem freiwilligen Wehrdienst zu rekrutieren.
Mit Blick auf die Wiedereinführung eines Wehrdienstes stellt sich zugleich die Frage, wie ein zeitgemäßer Ersatzdienst ausgestaltet werden soll. Umfragen zeigen, dass viele junge Männer einen Dienst an der Waffe ablehnen. Derzeit wird daher ein Gesetz vorbereitet, das den Bundesfreiwilligendienst (BFD) und einen neuen Zivildienst eng miteinander verzahnen soll.
Die Sportjugend Hessen bewertet diesen Ansatz grundsätzlich positiv. Entscheidend ist jedoch, dass auf den bestehenden und bewährten Strukturen des Bundesfreiwilligendienstes aufgebaut wird. Die Erfahrungen der vergangenen 15 Jahre sollten dabei konsequent berücksichtigt werden, damit frühere Herausforderungen nicht erneut entstehen. Deshalb sind der Sportjugend Hessen und der Deutschen Sportjugend (dsj) im weiteren Gesetzgebungsprozess einige Punkte besonders wichtig:
- Bestehende Einsatzstellen im BFD sollen erhalten bleiben
- Freiwilliges Engagement im Sport darf nicht durch verpflichtende Dienstmodelle verdrängt werden.
- Die Qualität der Bildung und Lernerfahrung soll bestehen bleiben und somit keine Kürzung bei den 25 Bildungstagen entstehen
- Alle Freiwilligendienste wie BFD, FSJ und FÖJ müssen gleichberechtigt behandelt werden
Der Bundesfreiwilligendienst hat sich in den vergangenen 15 Jahren als wichtiger Baustein für die Förderung des Ehrenamts im Sport etabliert. Er stärkt junge Menschen, unterstützt Vereine und Verbände und schafft wertvolle Angebote für Kinder und Jugendliche. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Freiwilligendienste in den kommenden Jahren weiterentwickeln – und welche Chancen sie auch künftig für den organisierten Sport eröffnen.
Es gibt noch einige freie Stellen im Freiwilligendienst im Sport in Hessen:
Mehr Infos auf der Freiwilligendienst-Plattform: www.freiwilligendienste-in-hessen.de