Fachforum "Vielfalt integriert Hessen"

am 20. Mai 2022 in Frankfurt

Vielfalt bewegt Hessen! Aber was genau heißt das eigentlich? Wo fängt Vielfalt an? Hat sie auch Grenzen? Was bedeutet Vielfalt im Alltag und wie kann sie in unseren Sportvereinen gelebt werden? Diesen und weiteren Fragen sind wir mit Ihnen bei unserem Fachforum auf den Grund gegangen.

 

Hochkarätiges Fachforum „Vielfalt bewegt Hessen“ mit intersektionalem Ansatz

Hessisches Ministerium des Innern und für Sport übergibt Fördersumme von 120.000 Euro

Die Sportjugend Hessen, insbesondere ihr Referat „Vielfalt im Sport“, fühlt sich in ihrem „hessischen Weg“ bestätigt. Der neue Aufgabenbereich sieht vor, dass Integration und Inklusion zukünftig zusammengedacht und bearbeitet werden. Dazu zählen z. B. das Bundesprogramm Integration durch Sport, das Landesprogramm Sport integriert Hessen, das Projekt Mit Dir inklusiv im Sport oder auch Sport für alle Kinder. Anlass genug, um dies in einem hochkarätig besetzten Fachforum „Vielfalt bewegt Hessen“ in der Sportschule des Landessportbundes Hessen (lsb h) in Frankfurt nach außen zu kommunizieren.

Die Teilnahme von Stefan Sauer, Staatssekretär des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport (HMdIS), bestätigt die Sportjugend Hessen auf ihrem Weg. Dies verdeutlichte er nicht nur in seinem Grußwort, er überbrachte zudem eine Fördersumme von 120.000 Euro für die Fortsetzung des Rahmenplans Integration. Sauer betonte: „Mit `Sport integriert Hessen` haben wir zusammen mit der Sportjugend einen Weg eingeschlagen, der sich durch die einmalige Struktur der speziell geschulten Sport-Coaches auszeichnet. Land und Sportjugend gehen bereits ins siebte gemeinsame Jahr des Landesprogramms. In dieser Zeit wurden viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und das Programm Jahr für Jahr angepasst. Der großen Flexibilität der Sportjugend ist es zu verdanken, dass die zu uns kommenden Kriegsflüchtlinge nun auch von unserem Programm profitieren können. Hierfür sind wir sehr dankbar und freuen uns auf viele weitere Projekte und Impulse mit und durch die Sportjugend Hessen.“

Das Interesse an Vorträgen und Workshops rund um alle Formen der Diskriminierung war groß. Eine wichtige Rolle spielten Themenfelder wie sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität, aber auch Ansätze im Sport, um Kinder aus sozial schwachen Familien zu stärken oder Geflüchtete von Anfang an zu integrieren. Gemeinsam warfen zehn Experten*innen und mehr als 80Teilnehmende bei dem Fachforum einen Blick auf die aktuelle Situation sowie die Herausforderungen für die Zukunft und stießen neue Impulse zu nachhaltigen Prozessen des Zusammenhalts und der Teilhabe am Sport für alle an. Diese intersektionale Perspektive ist für die neue Vorsitzende der Sportjugend Hessen, Malin Hoster, ein zentraler Ansatz für die Zukunft, vor allem im Breitensport. „Damit kommt zusammen, was unserer Meinung nach zusammengehört. Wir arbeiten sozialraumorientiert und bündeln die für die Sportjugend wichtigen Querschnittsthemen. Ich wünsche mir, dass dieses Vorgehen in anderen Bereichen des Sports und der Politik Nachahmer findet“, führt Hoster weiter aus.

Samira Nakhaeizadeh (Plus Diversity Neu-Ulm) eröffnete die Veranstaltung mit einem interessanten Vortrag unter dem Titel „Entstehung, Wirkung und Möglichkeiten zur Vermeidung von Vorurteilen und Ausgrenzungsphänomenen“. Dabei stellte sie heraus: „Vorurteile können wir nicht abstellen, der Mensch denkt in Schubladen. Aber und das ist das Wichtige: Wir können lernen, besser damit umzugehen. Ruhe bewahren, Strukturen schaffen und Kontakt zu den Gruppen aufnehmen, die uns anders erscheinen, das sind entscheidende Aspekte, die uns dabei helfen.“

In prominent besetzter Runde wurden bei der Podiumsdiskussion die Perspektiven der Vielfalt im Sport diskutiert. Gitta Axmann (Sporthochschule Köln) brachte gleich konkrete Lösungsansätze mit: „Der Verein ist ein Ort der Tradition. Veränderungen tragen zu Unsicherheit bei und so ist Kreativität gefragt. Warum nicht mal Ämter teilen, um Personen zu entlasten, Positionen nach Vielfaltskriterien besetzen oder Aufgaben für kürzere Perioden besetzen?“
Ralf-Rainer Klatt (Präsidium Sportentwicklung, lsb h) erkannte an: „Die Integration von Vielfalt im gesamten Sportsystem fehlt noch. Doch der Prozess braucht Zeit. Eines unserer Ziele muss es sein, als Sportorganisation mit unseren Strukturen nach außen in andere Strukturen zu wirken“.  
Katja Lüke (Referentin für Inklusion im und durch Sport, DOSB) ergänzte die Äußerungen und stellte fest: „Wenn man einmal eine Hürde überwunden hat, dann sind andere Aspekte viel unkomplizierter. Letztendlich geht es darum einen wertschätzendenden Umgang miteinander zu pflegen. Egal mit wem.“
Dieser Aussage stimmte auch Younis Kamil (Türkische Gemeinde Deutschland, Universität Brüssel) zu und forderte mehr sichtbare Vorbilder: „Mehr Menschen mit Migrationsgeschichte müssen sich im organisierten Sport wie auch in der kommunalen Politik engagieren.“

Der Sport steht vor der Herausforderung, sich der Diversität der Gesellschaft noch stärker zu öffnen – so das Fazit der Teilnehmenden des Fachforums. Der große Mehrwert für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens liegt darin, Vielfalt in ihren Strukturen anzuerkennen und zu leben.