Aktuelles

30 Tage – 30 Jahre Integration durch Sport

Instagram-Challenge #idsinhessen

#idsinhessen

Das Programm Integration durch Sport feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Vom einstigen Projekt „Sport für alle“ hat es sich im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil im Sport entwickelt. Die Sportjugend Hessen war von Beginn an eine der Organisationen, die sich dem Thema angenommen hat. Nun soll im Rahmen einer Instagram-Challenge, die vom 17.08. bis zum 15.09.2019 stattfinden wird, auf die Bedeutung von Integration in und durch Sport aufmerksam gemacht werden.

Alle Sportvereine sind aufgerufen, sich an der Challenge „30 Tage – 30 Jahre Integration durch Sport“ zu beteiligen und eigene Beiträge in ihren Social Media Kanälen von Facebook und Instagram veröffentlichen. Dabei soll das Motto: Wir leben Integration durch Sport, weil …. auf den Fotos zum Ausdruck gebracht werden. Alle Posts sind mit dem Hashtag #idsinhessen zu versehen, damit die Vielfalt in der hessischen Sportlandschaft gebündelt gefunden werden kann.

Die Sportjugend Hessen selbst wird 30 Tage lang auf ihrem Instagram Channel #sportjugendhessen Beiträge einstellen. Sie zeigen, wie bunt die Sportjugend ist, wer sich an Integration durch Sport beteiligt und was das Programm für sie bedeutet.
Gleich mit dem Starttermin setzt die Sportjugend ein Zeichen. An diesem Tag findet in Lorsch (Bergstraße) das 10. Hessische Integrationsfestival, das Festival des Sports, statt.


Podcast Halbe Katoffl im Sport

Der Podcast „Halbe Katoffl“ und „Integration durch Sport“ kooperieren anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Bundesprogramms, das vom BMI und BAMF gefördert wird. Die „Halbe-Katoffl-Sport“-Ausgabe erscheint alle vier Wochen, immer Mitte des Monats. Die Serie dreht sich um Menschen mit nichtdeutschen Wurzeln, die vom Sport geprägt wurden und in einigen Fällen auch selbst den Sport prägen. Und natürlich geht es um Integration und Identität – ernste Themen, aber humorvoll, locker und sympathisch vermittelt.

Ivana Jagla ist in Sarajevo geboren, im heutigen Bosnien-Herzegowina. Ihr Vater ist Serbe, ihre Mutter Kroatin. 1987 kam die damals Dreijährige nach Deutschland – kurz bevor in Jugoslawien der Krieg begann. In der dritten Folge der Serie erzählt Ivana Jagla, Basektballerin und Personaltrainerin von ihrem spannenden Leben.

Zum Podcast


30 Jahre "Integration durch Sport"

Das Sondermagazin zum 30-jährigen Bestehen des Bundesprogramms "Integration durch Sport" ist jetzt erschienen: https://bit.ly/2XnwRBr


Gesichter und Geschichten

Muhammad Ali, Ahmed Shatawani und der Boxclub Hochheim

Ahmed Shatawani und der Größte (Foto: Johannes König)

Vor welches Poster stellt sich ein lebenslanger Box-Fan, Amateur-Boxer und Trainer, wenn er fotografiert wird? Ganz klar, vor das Bild von Muhammad Ali. „Dem Größten“, sagt Ahmed Shatanawi vom Boxclub Hochheim. Um ihn herum sind zwei Dutzend Aktive eifrig dabei, auf die von der Decke baumelnden Maisbirnen einzudreschen. Als Trainer steht er mitten drin im geschäftigen Gewusel, hält auch mit 74 Jahren noch die Pratzen hin, gibt Anweisungen, hat alles im Blick. Für ihn ist der in einem ehemaligen Firmengebäude in Hochheim untergebrachte Boxclub bereits das dritte Kapitel einer lebenslangen Leidenschaft. Eine Leidenschaft, die über den Boxsport hinaus ausstrahlt. So hängt in einem Nachbarzimmer eine Urkunde an der Wand, die den Club als Stützpunkt des Programms „Integration durch Sport“ ausweist.

Trotz aller Sportbegeisterung hält Ahmed Shatanawi an dem Grundsatz fest: Schule geht vor. Ein Motto, das auch von seinen Kindern vorgelebt wird. Tochter Sarah gab Vereinsmitgliedern schon Nachhilfe. Und wenn Sohn Karim wegen des Studiums kürzer treten musste, wurde das von den jungen Männern durchaus registriert und respektiert.

Boxfieber in Hochheim
Los ging es mit dem Boxen 1963, als Shatanawi von Jordanien nach Deutschland kam. Für junge arabische Männer war Muhammad Ali das Idol. Auf der Arbeit lernte er einen Kollegen kennen, der ihn für den Boxsport begeisterte. Es dauerte nicht lange und er trainierte in einem Boxclub in Mainz-Kostheim. Dort nannte man ihn schlicht den „Araber“. Ausländer waren im Verein die Ausnahme. „Ich boxte im Weltergewicht und war kein schlechter Boxer“, erinnert er sich. Mit der Heirat 1971 hängte er die Boxhandschuhe an den Nagel. Aber das Boxfieber ließ ihn nie ganz los. „Geh doch mal wieder Boxen“, dachte er sich Anfang der 1980er Jahre und trainierte bei seinem alten Club. 1985/86 machte er die Trainerlizenz. „Wir waren sehr erfolgreich. Wir hatten fünf bis sechs deutsche Meister.“ Eine heutzutage unvorstellbare Leistungsdichte. Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand endete 1992 die Trainerkarriere abrupt.

Nach einer langen Pause, war es ein ehemaliger Schüler Shatanawis, der anregte, einen eigenen Boxclub zu gründen. Der Bedarf war da und nachdem sich die Nachricht von einer möglichen Clubgründung verbreitet hatte, hörte sein Telefon nicht mehr auf zu klingeln.
Im Laufe der Jahre trainierte der Club in einer Reihe verschiedener Räumlichkeiten. Eine feste Heimat fand der Verein schließlich 2015 in einem ehemaligen Firmenkomplex, der von Flüchtlingen bewohnt wird.
Von Beginn an war es ein Ziel des Clubs, junge Menschen von der Straße zu holen. Ihnen einen Ort zu geben, an dem sie sich austoben und Kräfte messen konnten. Dies ist ausgezeichnet gelungen. Gleichzeitig herrscht ein buntes Bild im Ring. Die Kämpfer, die sich hier die Boxhandschuhe überstreifen stammen aus den verschiedensten Nationen. Und doch sprechen sie miteinander Deutsch. Jetzt wäre es noch schön, wenn sich weitere Flüchtlinge für den Sport begeistern würden. Trotz der räumlichen Nähe zum Verein fehlt der entsprechende Zuspruch.

Respekt und Rücksichtnahme
Auf Respekt und Rücksichtnahme wird im Hochheimer Boxclub viel Wert gelegt. Am Ende eines jeden Kampfes ist es eine klare Regel, sich einander die Hand zu geben.
Mittlerweile machen sich die Mitglieder Gedanken über eine Nachfolge von Ahmed Shatanawi und sehen einen geeigneten Kandidaten in seinem Sohn Karim. Dieser scheint nicht abgeneigt, immerhin hat er ein Jobangebot weit entfernt von Hochheim bereits abgelehnt, da er seine Jungs vermisst hat.



Gesichter und Geschichten

Neue Heimat Jahnhalle: von Damaskus nach Bad Hersfeld

Programm Integration durch Sport
Programm Integration durch Sport
Inzwischen trainiert Mohammes Khier Ashour eigenverantwortlich die Jungs des TV Hersfeld 1848 e. V. (fotos: Johannes Koenig)

„Gymnastics“ heißt nicht „Gymnastik“: Manchmal ist es nur ein einziges falsch verstandenes Wort, das für viel Frustration sorgen kann. Diese Erfahrung machte Geräteturner Mohamad Khier Ashour (32) aus dem syrischen Damaskus, bevor er 2015 den Weg zum TV Hersfeld 1848 fand. Dort in der Vereinshalle steht er nun als Trainer, während die Jungs schon einmal die Geräte und Matten in Position bringen. „Die Jahnhalle ist meine neue Heimat“, bringt der ehemalige Turner der syrischen Nationalmannschaft die Erlebnisse der letzten vier Jahre auf den Punkt. Nach Deutschland gekommen war er Ende 2014. Über die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen ging es erst einmal nach Bebra und dann Ende 2015 nach Bad Hersfeld.

Integration in und durch den Sport
„Ich habe immer gefragt, wie komme ich hier zum Sport.“ Denn ohne Deutschkenntnisse, in einem fremden Land zum Nichtstun verurteilt, war es auch die andere Kultur und Mentalität, die dem jungen Syrer zu schaffen machte. Schnell erkannte er, dass er Anschluss am besten über die Vereine finden würde. Aber, das war gar nicht so einfach - jedenfalls, so lange seine Gesprächspartner fälschlicherweise annahmen, dass er ein Fitnessstudio und nicht einen Turnverein suchte. Es war dann eine Lehrerin in einem Deutschkurs, die das Missverständnis ausräumte. „Sie verstand nicht nur, was ich wollte, sondern ihre Tochter turnt auch hier im Verein“, erzählt Ashour. So ergab sich der Kontakt zu dem Trainerteam um Katja Kraushaar, Sabrina Laudt, Christine Nuhn und Uwe Pfisterer.
„Unser Verein liegt nicht nur geografisch zwischen den Leistungszentren in Fulda und Kassel“, erzählt Katja Kraushaar. „Das heißt wir machen schon Breitensport, aber mit einem Leistungsgedanken“ - der Anspruch geht also ganz klar nach Oben. Und dabei stößt das weiblich dominierte Trainerteam manchmal an seine körperlichen Grenzen. „Unsere Turnerinnen sind zum Teil 1,75 Meter groß, die dann mit meinen 1,69 m hoch zudrücken, ist nicht immer ganz einfach.“ Der Bedarf an zusätzlicher männlicher Unterstützung war also durchaus gegeben. Aber Turnen ist ganz stark auch Vertrauenssache: „Es gibt viel körperlichen Kontakt, man fasst die Turner oft an“, betont Kraushaar. So verging auch eine gewisse Zeit zwischen dem ersten Hereinkommen und dem sympathisch finden bis zur Leitung der eigenen Trainingsgruppe.

Die fachlichen Voraussetzungen brachte Mohamad Ashour von Anfang an mit: Mit fünf Jahren hat er in Damaskus mit dem Geräteturnen angefangen. Angeleitet von russischen und aus weiteren osteuropäischen Ländern stammenden Trainern wurde er Mitglied der syrischen Nationalmannschaft. „Er hat ein großes Fachwissen“, bestätigt Kraushaar. Am Anfang war es allerdings nicht immer einfach, gleich die passende Übersetzung für die Fachbegriffe parat zu haben. „Wie heißt das auf Deutsch?“ lautete daher eine häufig gestellte Frage. Eine Herausforderung, mit der der TV Hersfeld aber Erfahrung hat. „Mit Integration kennen wir uns aus. Hier werden mindestens drei verschiedene Sprachen gesprochen“, lautet die selbstbewusste Auskunft. So lernte eine aus Spanien stammende Turnerin, die vorher kein Wort Deutsch sprach, die Sprache innerhalb eines Jahres.

Ein Gewinn für den Verein
Das in einem im Breitensport verankerten Verein, die Uhren dann doch ein bisschen anders ticken als in der syrischen Nationalmannschaft, daran gewöhnte sich Ashour schnell: „Teamfähigkeit, Sicherheit und Spaß sind hier ganz wichtig“, weiß er. Waren die osteuropäischen Trainer zum Teil wenig zimperlich und sorgten mit kräftigem Drücken auch mal dafür, dass die Kinder stark dehnten, geht es beim TV Hersfeld wesentlich behutsamer zu. „Starkes Dehnen machen wir nicht“, betont Trainerin Sabrina Laudt. Was auch daran liegt, dass man mögliche Beschwerden von Eltern vermeiden möchte. Und natürlich geht in Deutschland nichts ohne Lizenz. Die konnte der junge Syrer aber aufgrund bestehender nachweisbarer Qualifikationen relativ einfach im Rahmen einer Online-Prüfung nachholen. Inzwischen ist auch eine Kampfrichterausbildung dazugekommen, was für den Verein eine nicht geringe Entlastung darstellt. Neben dem großen Fachwissen schätzt Sabrina Laudt an Mohamad seine Kochkünste. Vor allem die von ihm gebackenen Süßigkeiten erfreuen sich großer Beliebtheit: „Die hast Du aber schon lange nicht mehr gemacht“, lautet die scherzhafte Ermahnung.

Eine große Rolle bei der Integration spielt daher auch der private Kontakt jenseits der Jahnhalle. Denn inzwischen lebt auch Mohamads Familie in Bad Hersfeld. Dazu zählen neben den Eltern vier Schwestern und ein Bruder. Und die hatten, wie viele andere auch, mit der Sprachbarriere sowie der Anerkennung von Schul- und Studiumsabschlüssen zu kämpfen. Eine große Hilfe war da Karin Simon. Die ehemalige Aktive des TV lebt jetzt zwar größtenteils in Frankreich, ist aber immer wieder auf Heimaturlaub in der Gegend. „Sie kennt unheimlich viele Leute“, weiß Katja Kraushaar. Karin Simon war es auch, die Mohamad ermahnte, noch mehr Deutsch zu lernen. „Das ist alles schön und gut. Aber das muss noch besser werden“, lautete der Tenor. Ein Ratschlag, den er bereitwillig akzeptierte. Entsprechend gut ist inzwischen sein Deutsch.

Mit offenen Armen
Manche kurzfristige Ratlosigkeit ergibt sich daher weniger aus mangelnden Sprachkenntnissen: „Wir sind hier vor allem Frauen und reden manchmal viel. Er steht dann still daneben“, erzählt Katja Kraushaar mit einem Lachen. In jedem Fall ist inzwischen aber das Vertrauen da: „Gerade die älteren Turnerinnen waren anfangs eher distanziert, während die Kleinen ihn sofort mit offenen Armen begrüßt haben“, lautete die Beobachtung. „Das hat sich inzwischen aber geändert.“
Und wie soll es in Zukunft weitergehen? Neben einem bereits zugesagten betriebswissenschaftlichen Studium an der Uni in Kassel gibt es auch ein sportliches Ziel: „Wir wollen in die Bundesliga!“


Gesichter und Geschichten

Das Programm „Integration durch Sport“ bewegt Menschen

Programm Integration durch Sport
Wael Shueb - beliebter Lehrer, toller Trainer
Besuch aus Japan
(Fotos: Johannes Koenig)

Wael Shueb (30) hat ein Ziel, ein Ziel, das ihm nun auch den Besuch eines japanischen Fernsehteams beschert hat: In zwei Jahren möchte der aus Syrien stammende Karatekämpfer an den Olympischen Sommerspielen in Tokio teilnehmen. Dort wird der einst zum Kader des syrischen Nationalteams gehörende Athlet für das Olympia-Flüchtlingsteam antreten. Das Interview findet in der Halle des Sportzentrum Eppertshausen statt: Auf einer Trainingsmatte hockend beantwortet er konzentriert im fließenden Deutsch die Fragen der Dolmetscherin.

Sport ist ein Meister der Integration
Etwas abseits steht währenddessen Professor Dr. Ernes Erko Kalac. Der aus Montenegro stammende Sportwissenschaftler und Karateka war 1998 selbst als Kriegsflüchtling nach Deutschland gekommen. Zwischenzeitlich war er als Integrationsbotschafter des DOSB aktiv und ist zudem Gründer und Vorsitzender des Gesundheits- und Kampfsportvereins Lotus Eppertshausen. Der Verein – langjähriger Stützpunkt des Programms „Integration durch Sport“ - ist in den letzten drei Jahren auch zu Wael Shuebs sportlicher Heimat geworden. Die erste Begegnung zwischen den beiden fand beim 6. Hessischen Integrationsfestival Anfang September 2015 in Neu-Anspach statt.

Kommunikation mittels Karate
Im Ort war Wael Shueb in einem Flüchtlingshaus untergebracht: „Ich verstand damals überhaupt nichts“, erzählt er nach dem Fernsehinterview in bestem Deutsch. Hinzu kam, dass er ohne Deutschkenntnisse auch weitgehend zur Untätigkeit und zum Herumsitzen verurteilt war. Schnell wurde ihm klar, dass sich das ändern musste. Abhilfe gab es unter anderem von Monique, einer gebürtigen Französin, die in Neu-Anspach ehrenamtlich Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge gab. Zusammen mit seiner Betreuerin gab sie ihm den Tipp, zum Integrationsfestival zu gehen und sich dort Ernes Erko Kalac vorzustellen. Da er kein Deutsch konnte, bat ihn Kalac auf Japanisch zwei, drei Karate-Grundhaltungen einzunehmen. „Wir verstehen uns“, lautete wenige Minuten später das zufriedene Urteil. Es folgte eine Einladung nach Eppertshausen. Eine Woche lang schaute sich der junge Athlet die Gegebenheiten vor Ort an. Dann folgte die Zeit der Pendelei: Zweimal in der Woche ging es zum Training nach Eppertshausen.

„Denn Sport ist ein Integrationsmeister“, ist Kalac überzeugt. Für Wael Shueb bringt das einen durchgetakteten Alltag mit sich, in dem das eigene Training quasi nahtlos in die Ausbildung als angehender Sport- und Fitnesskaufmann übergeht, bevor er am Ende des Tages noch den Vereinsnachwuchs trainiert. „Die Kinder lieben ihn“, weiß Kalac. Zu den Schülern gehört auch Larissa (11). Sie ist Trägerin des braunen Gürtels und demonstriert zusammen mit Wael Shueb einige Übungen für die Kamera. „Er ist ein toller Lehrer“, ergänzt sie noch mit einem strahlenden Lächeln.

Hilfreich bei der Bewältigung des doch arbeitsintensiven Alltags sind die kurzen Distanzen: Von seiner neuen Wohnung in Eppertshausen aus erreicht er in wenigen Minuten sowohl seinen Arbeitsplatz als auch die Trainingsstätten. „Wir helfen ihm, wieder an sein altes sportliches Niveau anzuknüpfen“, erklärt Kalac. Bis zu den Olympischen Spielen erwartet den Athleten aber noch ein anspruchsvolles Programm. Bei der Arbeit im Fitnessstudio kümmert er sich um die Kundenbetreuung, erstellt Fitnesspläne und auch Verträge.

Langer Weg und traumatische Reise
Wie aber ist Wael Shueb eigentlich zum Karate gekommen? „Mit 12, 13 hatte ich meinen Vater gesagt, dass ich so wie Jackie Chan oder Bruce Lee kämpfen möchte“, erinnert sich der Athlet. Zuerst wiegelte sei Vater ab: „Karatekämpfer gehen in den Spagat und da tust Du Dir nur weh“, lautete seine Antwort. Also trainierte er so lange, bis er den Spagat beherrschte und ging dann noch einmal zu seinem Vater. Hatten die Übungen nicht wehgetan? „Wenn man jung ist, sind die Gelenke und Bänder noch flexibler“, lautet die Antwort. Es folgte eine Ausbildung in einem Dojo, die ihn dann schließlich bis in den Kader der syrischen Nationalmannschaft führte. Mit dem Bürgerkrieg folgte die Flucht in die Türkei. Dort wurden die Geflüchteten aber zum Teil erbarmungslos ausgenutzt. So kam es zur Flucht in einem Boot nach Griechenland und schließlich zum langen Weg über die Balkanroute nach Deutschland. Eine Reise, die sich als traumatisch herausstellte: So wurde er unterwegs zusammengeschlagen und brach sich das Jochbein. Der Sport half ihm zusammen mit der Lotus-Vereinsfamilie dabei, diese Traumata zu verarbeiten.

Auch ein weiteres Problem bekommt er zunehmend in den Griff: die am Anfang schlechten Noten. Obwohl er nach drei Jahren fließend Deutsch spricht, verkrampfte er im Unterricht. Hinzu kam der Zeitmangel, so dass es erst Sechsen hagelte, inzwischen sind die Wochenenden aber fürs Lernen reserviert und der Notendurchschnitt ist noch im ersten Lehrjahr auf Ausreichend und Befriedigend geklettert. Was eigentlich eine gute Leistung ist. Eine Feststellung, der er aber leicht wiederspricht: „Das sagen viele, hätte ich mich aber von Anfang an konzentriert, stünde ich jetzt noch besser da.“ Der Ehrgeiz ist deutlich spürbar und auch die Verantwortung: „Ich möchte zeigen, dass Flüchtlinge erfolgreich sein können und nicht nur auf Hilfe angewiesen sind.“


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