Starke Statements für demokratische Potenziale des Sports

Fachtagung des Projekts DemoS! bringt spannende Erkenntnisse

Projekt DemoS!
Frisch qualifizierte Prozessberater/innen für Leitbildentwicklung (Foto: Ankea Metzker)

Seit Anfang 2017 gibt es das Projekt „DemoS!- Sport stärkt Demokratie“ der Sportjugend Hessen. Ein partizipativer Leitbildprozess sorgt für eine erhöhte Beteiligung vor allem von jungen Leuten in den sieben DemoS!-Modellvereinen und stärkt sie dabei für die Zukunft. Um einen Blick auf das bisher Geschaffte und das noch Anstehende zu werfen, lud die Sportjugend Vertreter/innen der Modellvereine zu einer Fachtagung mit dem Titel „Wie wir die Demokratie im Sport in Hessen stärken“ ein.

Alltagsdemokratie
Aus jedem der Modellvereine kamen Menschen zusammen, die sich in mehreren Workshop-Phasen zu Fragestellungen rundum das Erlebte im eigenen Verein austauschen konnten. Die Diskussionen drehten sich aber auch um die Wirkung des Projekts über den Verein hinaus, beispielsweise wie man die DemoS!-Themen auch in den zugehörigen Gemeinden und Städten platzieren kann.
Deutlich wurde auch wie stark demokratische Prozesse den Alltag im Sport in Hessen schon bestimmen. Viele Beteiligungsangebote existieren bereits, viele Handlungen im alltäglichen Vereinsleben sind schon von einer positiven demokratischen Haltung geprägt, oft wird diese „Alltagsdemokratie“ aber nicht wahrgenommen. Ein Ziel des Projekts DemoS! ist es, solchen Prozessen Aufmerksamkeit zu schenken und deutlich zu machen wie wertvoll diese für ein vitales Vereinsleben und das Gefühl der Selbstwirksamkeit eines jeden Einzelnen sind.
Beispielsweise berichtete eine Teilnehmerin davon, wie sie gemeinsam mit einigen weiteren Mitgliedern den Jugendvorstand in ihrem Verein stärkte. Zunächst hatten sie die Vereinsmitglieder im relevanten Alter angesprochen und befragt, um das Angebot bekanntzumachen und die Wünsche und Erwartungen der jungen Vereinsmitglieder zu erfahren. Danach haben sie leicht zugängliche Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen und hierüber neue Aktive gewonnen. Dass dieser Prozess hochdemokratisch und beteiligungsorientiert war, „war mir vorher gar nicht so bewusst. Das habe ich erst durch das Projekt gelernt und jetzt habe ich, durch die Qualifizierung, auch noch mehr Wissen und Handwerkszeug, wie wir es noch besser machen können“, war ihre Schlussfolgerung.

Wissenschaftliche Begleitung
Beschlossen wurde der inhaltliche Teil der Fachtagung durch Statements von zwei Vertretern der Wissenschaft, die der Fachtagung den ganzen Tag aktiv beiwohnten. Dr. Reiner Becker, Leiter des Demokratiezentrums Hessen, und Prof. Dr. Sebastian Braun von der Humboldt-Universität zu Berlin, betrachteten in ihren Statements die Ergebnisse und Diskussionen der verschiedenen Workshop-Phasen. Beide lobten die praktischen Ansätze des Projekts und bestärkten die Vereinsakteur/innen in ihrem Engagement.
Dr. Reiner Becker ermunterte die Vereine vor allem, mutig für ihr Engagement einzustehen und auch kommunale Unterstützung einzufordern. Außerdem sprach er sich für „DemoS! für alle“ aus, denn die innere Klärung von Haltung und Identität von Vereinen kann ein wichtiger Motor für ein gesundes und lebendiges Gemeinwesen sein. Er plädierte aber auch dafür, demokratische Prozesse nicht nur anzustoßen, sondern sie konsequent weiter zu verfolgen. Becker: „Machen Sie es ganz oder gar nicht!“
Auch Prof. Dr. Sebastian Braun betonte die Bedeutung der Vereine und Verbände für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Der systematische und dennoch flexible Projektansatz erhielt dabei ein besonderes Lob des Sportsoziologen. Die schon vorhandenen demokratischen Ressourcen der Vereine werden durch das Projekt genutzt und ausgebaut.
Das Lob der wissenschaftlichen Sicht griff der Präsident des Landessportbundes Hessen, Dr. Rolf Müller, gerne auf und erinnerte mit seinen Worten an die wichtige Vorbildfunktion, die der Sport im Allgemeinen einnimmt. Zudem bezog er sich auf die auf dem Sportbundtag verabschiedete Resolution, die das demokratische Wertefundament des Landessportbundes Hessen nochmal stark gemacht habe.
Die Vorsitzende der Sportjugend Hessen, Juliane Kuhlmann, lobte ausdrücklich die Arbeit der sieben Modellvereine. Außerdem verwies sie wie Dr. Rolf Müller auf den gesellschaftlichen Auftrag des Sports. Um dieses Statement zu unterfüttern, berichtete sie von dem Schwerpunkt „Förderung von Demokratie und Beteiligung von jungen Menschen aus allen  sozialen Schichten im hessischen Sport“, den der neugewählte Vorstand der Sportjugend Hessen in den nächsten drei Jahren verfolgen wird. Mit diesen Worten beschloss Juliane Kuhlmann den inhaltlichen Teil der Tagung, um dann gemeinsam mit dem Projektteam die jungen Hauptakteure aus den Modellvereinen zu ehren.

Aktive Begleitung
Denn die erfolgreiche Arbeit in den Modellvereinen wäre ohne die großartigen vereinsinternen Projektleiter/innen nicht möglich. In jedem der Vereine wurden bis zu drei Personen gefunden, die den Prozess aktiv begleiten und mitgestalten. Diese jungen Menschen im Alter von 19 bis 37 Jahren haben mit der Fachtagung ihre mehr als einjährige modularen Qualifizierung abgeschlossen und zum Abschluss der Tagung unter dem Beifall der Anwesenden ihre Zertifikate als „Prozessberater/in für Leitbildentwicklung“ erhalten.

Die Veranstaltung zeigte nochmals, in welch einem relevanten Feld sich das Projekt DemoS! bewegt. Es wurde deutlich, wie wichtig die Fragestellung nach der Vereinsidentität, der Haltung und den Werten - gerade in Zeiten einer aufgeladenen und polarisierenden Debatte über das Miteinander in Deutschland - ist. Mit diesen Erkenntnissen und den inhaltlichen Ergebnissen der Fachtagung wird das Projektteam sehr gut weiterarbeiten können und die Modellvereine bis Ende 2019 begleiten.