Aktuelles aus der Sportjugend


Junge Generation weiter für das Ehrenamt begeistern

Vereinsdialog: Sportminister Peter Beuth und Sportjugend-Vorsitzende Juliane Kuhlmann diskutierten mit Vereinsvertretern über die Zukunft des Ehrenamts

Sportminister Peter Beuth und die Vorsitzende der Sportjugend Hessen, Juliane Kuhlmann, haben mit Vertreterinnen und Vertretern von acht hessischen Vereinen in Wetzlar über die Situation des Ehrenamts im Sport diskutiert und damit die Serie der Vereinsdialoge des Hessischen Sportministeriums fortgesetzt. Dabei stand diesmal insbesondere das Engagement junger Menschen im Fokus.
„Der Sport lebt vom ehrenamtlichen Engagement und unsere Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft des Vereinswesens in Hessen. Wenn sich die junge Generation für freiwillige Aufgaben in den Vereinen weiter begeistern lässt, ist auch langfristig die große Vielfalt des hessischen Vereinssports gesichert. Die Vereine bekommen dadurch auch neue Impulse und Ideen und bleiben mit ihren Sport- und Bewegungsangeboten attraktiv für alle Generationen und Zielgruppen“, so Sportminister Peter Beuth.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass es nach dem Ende der vielen Einschränkungen durch die Pandemie das Ziel sein muss, gerade Kinder und Jugendliche nicht nur in die Vereine zurückzuführen, sondern sie darüber hinaus für eine Mitarbeit und Mitgestaltung zu gewinnen. Vor der Pandemie engagierten sich in den hessischen Sportvereinen insgesamt 136.500 Mitglieder in ehrenamtlichen Positionen. Hierzu zählen die Vorstandsebene, Trainer/innen, Übungsleiter/innen sowie das Schieds- und Kampfrichterwesen. Im Durchschnitt war jeder Ehrenamtliche 13,2 Stunden pro Monat für seinen Sportverein tätig. Daraus ergab sich eine jährliche Wertschöpfung von etwa 320 Millionen Euro durch ehrenamtliches Engagement in den Vereinen. Hinzu kommen die Leistungen der vielen freiwilligen Helfer, die sich bei gesonderten Arbeitseinsätzen unentgeltlich beteiligten (z.B. bei Sportveranstaltungen, Vereinsfesten, Fahrdiensten, Renovierungen etc.). In Hessen waren bis zur Pandemie 21,5 Prozent der Vereinsmitglieder (rund 440.000 Personen) als Freiwillige im Einsatz.

„Daran wollen wir möglichst bald wieder anknüpfen. Gerade Kinder und Jugendliche müssen dabei mehr eingebunden werden, denn die Pandemie hat gezeigt, dass wir sie zu wenig gefragt haben, was sie wollen und brauchen. Wenn es uns gelingt, die jungen Menschen zurück oder neu zu gewinnen, sich in den Vereinen ehrenamtlich zu engagieren ist das ein Gewinn für alle. Sie erwerben dadurch schon in jungen Jahren wertvolle Kompetenzen und Fähigkeiten, die sie später zum Beispiel im Beruf nutzen können, die Vereine gewinnen ehrenamtlich engagierten Nachwuchs für ihre wichtige Arbeit. Von daher ist das ‚Junge Engagement‘ ganz klar eine Win-Win-Situation für die Jugendlichen und die Sportvereine“, erklärte die Vorsitzende der Sportjugend Hessen, Juliane Kuhlmann.
Das Land Hessen unterstützt das ehrenamtliche Engagement gerade junger Menschen im Sport auf vielfältige Weise. Neben den hohen Sportinvestitionen des Landes Hessen mit mehr als 60 Millionen Euro im Jahr wird beispielsweise jedes Jahr fünf jungen hessischen Bürgerinnen und Bürgern das Dr. Horst-Schmidt-Jugendsport-Stipendium verliehen, die zwei Jahre oder länger in einem Sportverein oder -verband ehrenamtlich und kontinuierlich, zum Beispiel als Übungsleiterin oder Übungsleiter, tätig sind. Außerdem können sich die jungen Menschen ihr ehrenamtliches Engagement und die dabei gewonnenen Kompetenzen über ein Zeugnisbeiblatt bzw. einen Kompetenznachweis bescheinigen lassen.

Die Sportjugend Hessen fördert mit zahlreichen Maßnahmen das „Junge Engagement“ vor Ort. Insbesondere als Träger der Freiwilligendienste und mit ihrem haupt- und nebenberuflichen Team „Junges Engagement und Kindeswohl“, werden die Vereine und die Ehrenamtlichen beraten, Veranstaltungen finanziell gefördert und mit Materialien und Spiel- und Sportmobilen konkret unterstützt. Auch konnten viele Aus- und Fortbildungen in der Pandemie in ein digitales Angebot umgewandelt werden. Gerade zu Beginn der Pandemie hat die Sportjugend Hessen dazu beigetragen, die digitalen Voraussetzungen für die Vereine zu schaffen, um die Vereinsarbeit und den Kontakt zu den Mitgliedern und ehrenamtlich Engagierten weiterhin zu ermöglichen.


Zwischenergebnisse zu bundesweit erster Breitensport-Studie zu sexualisierter Gewalt im Sport liegen vor

Fast 4.400 befragte Vereinsmitglieder aus elf Landessportbünden

Im August 2020 ist das bundesweit erste Breitensport-Forschungsprojekt „SicherImSport“, gefördert vom Landessportbund NRW und unter Beteiligung des Landessportbundes Hessen sowie neun weiterer Landessportbünden, gestartet. Nach Abschluss der umfangreichen Datenerhebung von fast 4.400 befragten Vereinsmitgliedern liegen nun konkrete Zwischenergebnisse vor: „Die Befunde unserer Online-Studie bestätigen, dass sexualisierte Grenzverletzungen, Belästigung und Gewalt auch im Vereinssport vorkommen. Deshalb sind der Ausbau von Maßnahmen zum Schutz vor Belästigung und Gewalt sowie Anlaufstellen und Unterstützungsangebote für Betroffene im Sport wichtig – dies hat ein großer Teil der Sportverbände erkannt und Maßnahmen zur Prävention eingeführt“, betonen Prof. Dr. Bettina Rulofs (Bergische Universität Wuppertal) sowie Dr. Marc Allroggen und Dr. Thea Rau (Universitätsklinikum Ulm) als wissenschaftliche Projektleitung.

Nach den aufsehenerregenden Ergebnissen der „Safe Sport“-Studie zum Leistungssport aus dem Jahr 2016 werten die Forscher/innen nun erstmals Daten ausschließlich zum Breitensport aus. Bis zur Jahresmitte 2022 soll die größte Untersuchung zu diesem sensiblen Thema in Deutschland abgeschlossen sein. „Für uns stand eine Beteiligung an dem Forschungsprojekt von Anfang an außer Frage. Denn wir sind überzeugt, dass wir möglichst viele und möglichst genaue Erkenntnisse brauchen, um den von uns längst eingeschlagenen Weg zu überprüfen und unsere Maßnahmen noch stärker daran auszurichten“, sagt Juliane Kuhlmann, Vizepräsidentin des Landessportbundes Hessen und Vorsitzende der Sportjugend Hessen.

Differenzierte Ergebnisse: Von Beleidigung bis hin zur Gewalt

Bei der Online-Befragung gab die Mehrheit der Teilnehmenden zwar an, mit dem Vereinssport insgesamt „allgemein gute bis sehr gute Erfahrungen“ gemacht zu haben, doch etwa ein Viertel der Befragten (rund 26 Prozent) erfuhr mindestens einmal sexualisierte Grenzverletzungen oder Belästigungen (ohne Körperkontakt) im Kontext des Vereinssports, beispielsweise in Form von anzüglichen Bemerkungen oder unerwünschten Text-/Bildnachrichten mit sexuellen Inhalten. Bei rund 19 Prozent kam mindestens einmal sexualisierte Belästigung oder Gewalt mit Körperkontakt vor, zum Beispiel sexuelle Berührungen oder sexuelle Handlungen gegen den Willen. Auch weitere Formen der Verletzung oder Gewalt wurden in der Studie erhoben. So antworteten immerhin 64 Prozent der Personen, mindestens einmal emotionale Verletzungen oder Gewalt im Vereinssport erlebt zu haben, also beschimpft, bedroht oder ausgeschlossen worden zu sein – und mehr als jeder Dritte (37 Prozent) nannte mindestens einmal körperliche Verletzungen oder Gewalt, in Form von geschüttelt oder geschlagen werden. Auch erwähnenswert: Je höher das sportliche Leistungsniveau, desto größer offenbar das Risiko, von Belästigung oder Gewalt betroffen zu sein. So berichten gleich 84 Prozent der Befragten, die auf internationaler Ebene im Leistungssport aktiv waren, von mindestens einer Erfahrung von Belästigung oder Gewalt – dies trifft im Vergleich „nur“ auf 53 Prozent derjenigen zu, die im Freizeit- oder Breitensport aktiv waren.

In einer weiteren Teilstudie äußerten sich über 300 Sportorganisationen (92 Stadt-/Kreissportbünde sowie 215 Fachverbände in fünf Bundesländern) zum Stand der Prävention und Intervention innerhalb der eigenen Strukturen. Dabei gaben 63 Prozent (SSB/KSB) und 56 Prozent (Fachverbände) an, über fundierte Kenntnisse zur Vorbeugung von sexualisierter Gewalt zu verfügen. Allgemeine Präventionsmaßnahmen wie z.B. die Benennung von Ansprechpersonen, Durchführung von Schulungsmaßnahmen oder Einsicht von Führungszeugnissen sind demnach weit verbreitet. Risikoanalysen oder Konzepte zur Aufarbeitung von Vorfällen sind allerdings lediglich in einem Zehntel der Verbände vorhanden, die bei der Beratung zum Umgang mit Verdachtsfällen oder Vorfällen größten Unterstützungsbedarf haben.

Prävention und Beratungsangebot in Hessen fest verankert

Der Landessportbund Hessen und die Sportjugend Hessen nehmen bei der Prävention und Beratung von Vereinen und Betroffenen eine Vorbildrolle ein: „Seit über zehn Jahren arbeiten wir engagiert daran, die Präventionsmaßnahmen in den hessischen Vereinen und Sportorganisationen kontinuierlich zu verbessern. Außerdem bietet unser Verband eine Beratung für Betroffene an und ist im Verdachtsfall Anlaufstelle für Vereine und Verbände“, sagt Juliane Kuhlmann. Sie betont außerdem: „Körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt haben im Sport nichts verloren. Gleichwohl ist uns bewusst, dass es auch im Breitensport zu Grenzüberschreitungen kommt. Das haben wir im Blick, dagegen kämpfen wir an.“

Insbesondere von den hessenspezifischen Studienergebnissen, die Mitte 2022 vorliegen sollen, verspricht sich Kuhlmann als Landessportbund-Beauftragte für Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt „Anhaltspunkte, in welcher Form Angebote und Konzepte zum Schutz von Sportler/innen – insbesondere der Jüngsten – weiterentwickelt werden müssen“. Schon jetzt mache die Auswertung deutlich, dass neben der sexualisierten Gewalt auch die körperliche und psychische Gewalt noch stärker in den Blick genommen werden muss. „Die Sensibilisierung aller Beteiligten – der Vereinsverantwortlichen und Übungsleitenden, der Eltern und der Sportler/innen selbst – ist dabei ein wichtiges Instrument. Dabei setzen wir auf ein breites Maßnahmenspektrum.“

Derzeit bieten Landessportbund und Sportjugend Hessen jährlich rund 90 Aus- und Fortbildungen für Trainer/innen und Übungsleiter/innen zum Thema Kindeswohl im Sport an. Darüber hinaus berät die Sportjugend Vereine, Sportkreise und Verbände zu Präventionsmaßnahmen und qualifiziert deren Ansprechpersonen. In zwei Projekten werden seit 2019 außerdem Verbände, Sportkreise und Vereine bei der Entwicklung von Kindeswohl-Konzepten unterstützt und dabei begleitet, Strukturen zu schaffen, in denen kein Platz für Gewalt, dafür viel Raum für positive Erfahrungen im Sport ist. „Jede/r Betroffene ist eine/r zu viel“, sagt Kuhlmann. Sie ist deshalb überzeugt, dass Dachorganisationen wie der Landessportbund und die Sportjugend neben ihren innerverbandlichen Maßnahmen – u.a. Schulung von Mitarbeitenden, Nutzung von Verhaltenskodizes, Anpassung von Interventionsleitfäden, Vorlage von Führungszeugnissen und der kontinuierlichen Aktualisierung von Konzepten – auch beratend tätig sein müssen.

Mit Angelika Ribler gibt es bei der Sportjugend Hessen eine Diplom-Psychologin, die im Verdachtsfall und bei konkreten Vorkommnissen kontaktiert werden kann. Sie berät Betroffene von (sexualisierter) Gewalt im Sport, die sich anonym an sie wenden können. „Wer Schlimmes erlebt hat, der muss auf offene Ohren stoßen“, ist Kuhlmann überzeugt. „Insbesondere Kinder und Jugendliche sollten sich trauen, darüber zu reden und ihre Ansprechpartner kennen.“ Die Beratungsstelle der Sportjugend arbeitet daher mit unabhängigen regionalen Fachberatungsstellen zusammen und kooperiert mit dem Kinderschutzbund Landesverband Hessen.

 

Betroffene können Angelika Ribler von der Sportjugend Hessen unter der Beratungs-Nummer 01590 1319098 oder per Mail an aribler@sportjugend-hessen.de kontaktieren. Ribler steht auch bei Medienfragen zur Studie und den Maßnahmen des Landessportbundes und der Sportjugend Hessen zur Verfügung. Mehr Informationen unter www.kindeswohl-im-sport.de.


„100 Hände…Wochenende“ am Edersee

Herbstevent der Sportjugend Hessen als nachhaltiges Highlight

Die Teilnehmenden erkunden das Camp und dessen Barrierefreiheit (Foto: Maria Henning-Schulz

Wenn sich im Oktober im Sport-, Natur- und Erlebniscamp langsam die Blätter verfärben, der Wasserstand des Sees niedriger wird und die Temperaturen sinken, ist es an der Zeit für ein Treffen der besonderen Art. Dann krempeln Sportler/innen und Engagierte aus vielen Sportbereichen, Rollstuhlfahrer/innen und geistig behinderte Menschen kräftig die Ärmel hoch und gehen Projekte an, die ihren Vereinen und der Allgemeinheit zu Gute kommen. Für dieses Jahr hatten sie sich das Camp am Edersee als Austragungsort ausgesucht.

Seit fünf Jahren lädt die Sportjugend Hessen junge Engagierte, Trainer/innen, Übungsleiter/innen und Jugendvorstände zum „100 Hände … Wochenende“ ein. Was als Experiment begann, ist mittlerweile ein fest gesetzter Termin, auf den sich alle freuen. Ronny Schulz von der Sportjugend Hessen erinnert sich noch genau an die Anfänge „Viele kamen öfter auf mich zu, sie wollten mal was Neues für den Verein machen, wussten aber nicht so genau was. Sie fragten nach Zeit und einem geschützten Raum, um mal in Ruhe gemeinsam etwas zu planen oder auch das ein oder andere umzusetzen. 100 Hände deshalb, weil eine Personenzahl von 50 sich als gute Größe herausstellte, auch wenn in diesem Jahr etwas weniger dabei sein konnten. Wichtig für alle Beteiligten ist, sie können hier ihr eigenes Ding machen, ohne Zwang von außen.“ Die Teilnehmenden zwischen 14 und 45 Jahren wurden in diesem Jahr vom inklusiven Juniorteam der Sportjugend Hessen ergänzt. Auf eigenen Wunsch standen für sie die Themen Nachhaltigkeit und Inklusion im Vordergrund.

Nachhaltigkeit, Inklusion und Barrierefreiheit
So kümmerte sich eine Gruppe in einer Ideenwerkstatt darum, wie das Camp zukünftig barrierefreier gestaltet werden könnte, unter ihnen Rollstuhlfahrer/innen. Die Gruppe erkundete gemeinsam die Häuser, das Camp und die Sportanlagen mit den Rollstühlen und erarbeitete Verbesserungsvorschläge. Campleiter Holger Gertel nahm die Vorschläge und Pläne entgegen und wird mit seinem Team versuchen, sie umzusetzen. Zeitlich parallel plante eine Gruppe junger Engagierter aus den nordhessischen Sportkreisjugenden ihre Ski- und Snowboardfreizeit, eine andere Gruppe wurde handwerklich tätig und baute mit Haustechniker Thomas Gerdau einen Naturschaukasten, dessen Inhalte später noch bestimmt werden. „Uns war es wichtig, als Gruppe etwas Nachhaltiges im Camp zu hinterlassen“, sagte Annamaria Peter, die bei der Sportjugend Hessen für das Juniorteam zuständig ist. Sie und Ronny Schulz bildeten gemeinsam mit Laura Heckmann von der Sportjugend Werra-Meißner das Leitungsteam für das „100 Hände…Wochenende“.

Auch die gemeinsame Bewegung war wie immer wichtig. Spaß gab es bei „Jugger“, einem Spiel mit gepolsterten Schlägern, das Mannschafts- und Individualelemente miteinander kombiniert. Dabei muss der „Jugg“, eine Art großes Ei, an der gegnerischen Mannschaft vorbei in ein sogenanntes Mal, einen dicken Ring, gelegt werden. Wer wollte, ging wandern oder war mit Mountainbikes im Nationalpark Kellerwald-Edersee unterwegs. Für Gemütlichkeit und Entspannung sorgte ein Lagerfeuer am Abend mit gemeinsamen Grillen.
„Auch in diesem Jahr ist die Gruppe super zusammengewachsen“, so Ronny Schulz. „Für uns ist das „100 Hände…Wochenende“ längst ein Highlight im Jahreskalender, und wenn fast alle ankündigen, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu wollen, werden wir gerne erneut die Ärmel hochkrempeln.“


Gewinner*innen des Integrationspreises 2021 der AOK Initiative „NäherDran“ stehen fest

Spaß beim Show- und Gardetanz während der preisgekrönten Ferienspiele von SKG Erfelden und TV Erfelden (Foto: Miriam Engel)

Insgesamt 25 Sportvereine hatten trotz oder gerade wegen Corona kreative und innovative Projektanträge eingereicht. Nach der Jurysitzung im Oktober stehen nun die drei ersten Preisträger fest, die zwischen 3.000,- und 2.000,- Euro erhalten. Darüber hinaus werden acht Sportvereine mit einer Grundförderung über je 1.000,- Euro zur Realisierung ihrer Projektideen bedacht. Mit Hilfe der Initiative „NäherDran“ unterstützen die AOK Hessen und die Sportjugend Hessen nach der coronabedingten Unterbrechung zum dritten Mal Sportvereine und Sportkreise bei ihrer Integrationsarbeit.

Bei der SKG Erfelden und dem TV Erfelden im Sportkreis Groß-Gerau konnten sich alle Mithelfer über den ersten Platz und 3.000,- Euro freuen. Belohnt wurden sie für ihre Sportferienspiele #StrongKidsChallenge Ende August. 47 Kinder im Alter zwischen sechs und 12 Jahren konnten, dank der gemeinsamen Planung und Durchführung der beiden ortsansässigen Vereinen SKG und TV, eine Woche lang in Erfelden eine spannende Ferienwoche erleben. „Der Aufwand hat sich mehr als gelohnt“, bringt es der 1. Vorsitzende der SKG, Dr. Eckardt Stein, auf den Punkt. „Nach den langen Corona-Einschränkungen war es für die Kinder ein Hochgenuss, ein so vielfältiges Programm zu erleben. Sie konnten eine Woche lang verschiedenste sportliche und soziale Aktivitäten drinnen und draußen austesten und endlich wieder abseits schulischer Einschränkungen mit Spaß und Freude eine abwechslungsreiche Zeit genießen.“ Es wurde getanzt, geturnt, gekegelt, aber auch Kinderkino, Schwimmtraining und gemeinsames Kochen gehörten zum bunten Programm. Es gab außerdem eine große Auswahl an inklusiven und integrative Spielangeboten. Das lag, so Monika Stolzmann vom TV Erfelden, auch daran, dass sich viele weitere Partner aus der Umgebung beteiligt haben.

Bewegung vereint, egal ob mit oder ohne Handicap
Der zweite Platz geht an den FC Kickers Obertshausen für sein Angebot „Schülerhilfe und Fußball beim FCK zur Corona Aufarbeitung“. Der Verein möchte einerseits coronabedingte Ausfälle des Schulunterrichts kompensieren und andererseits den Mangel an Bewegung ausgleichen. Dazu werden neben einem normalen Fußballtraining wöchentliche Schüler*innenhilfen von Vereinsmitgliedern durchgeführt. Kinder von Grundschulen und Förderstufen können daran wie auch an einem einwöchigen Fußball- und Naturcamp teilnehmen. Befragt man Markus Diller, Präsident von Kickers Obertshausen, hat das Projekt bereits erfolgreich begonnen. So konnten etliche Schul-AGs ins Leben gerufen werden, in denen neben sportlichen Angeboten auch Hausaufgabenbetreuung durch Vereinsmitglieder angeboten wird. Zusätzlich gibt es eine Kooperation mit einem Familienhaus, das auch bei der Betreuung unterstützt. Mit den Sportangeboten werden Kinder mit den unterschiedlichsten Vorerfahrungen angesprochen. So erzählt Markus Diller von einem behinderten Jungen, der mit seinem Rollator beim Fußballspielen ohne großes Aufsehen und mit vollem Einsatz mitmacht.

Zugänge für alle Kinder zum Sport erleichtern
Beim dritten Platz wird das Ferienangebot „Integratives Herbst-Fußballcamp 2021“ der DAFKS Kontakt Fulda im Sportkreis Fulda-Hünfeld mit 2.000,- Euro belohnt. Über den Fußball hinaus hatte der Verein in Verbindung mit Kooperationspartner*innen für alle Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 15 Jahren ein vielschichtiges Programm mit den Schwerpunkten Zusammenhalt, Fairness und Disziplin organisiert. Auch die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen wurde durch gruppendynamische Spiele und Teambuilding gefördert.
Winfried Jäger, Präsident der DAFKS Kontakt Fulda, erhielt die freudige Nachricht von der Auszeichnung zu Beginn des Ferienangebots. Da hatten die 33 Kinder das Programm noch vor sich.  

Susanne Sattler, die Projektkoordinatorin der Initiative „NäherDran“ bei der AOK Hessen, ist sehr zufrieden mit der regen Beteiligung und interessanten Projekten auch in diesem Jahr. „Das ist für die Vereine in Pandemiezeiten gar nicht so einfach gewesen. Umso mehr freue ich mich, dass viele der Projektanträge Kinder aus bildungsferneren Schichten und benachteiligten Vierteln im Fokus hatten und so die Benachteiligungen gerade nach den langen Corona-Einschränkungen auffangen wollen.“ Sie begrüßte ausdrücklich, dass mit vielen Projekten Kinder außerhalb des Vereinssports angesprochen werden.
Das spricht auch Malin Hoster, im Vorstand der Sportjugend Hessen zuständig für das Projekt, aus dem Herzen. „Wir tragen gemeinsam dazu bei, Zugänge zum Sport zu erleichtern und benachteiligte junge Menschen mitzunehmen, und zwar unabhängig davon, ob sie ein Handicap haben, oder nicht“, so Hoster. Gerade nach den Corona-Einschränkungen gälte es, wieder mehr Kinder und Jugendliche ins Vereinsleben zu integrieren, damit sie von regelmäßiger Bewegung und sozialem Miteinander profitierten.


Freude über ein persönliches Wiedersehen beim Jugendhauptausschuss

Sport nach der Pandemie wichtiger denn je

Juliane Kuhlmann fordert Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen

Beim Jugendhauptausschuss der Sportjugend Hessen in der Bildungsstätte Wetzlar stand die Freude über das persönliche Miteinander nach längerer Zwangspause wegen Corona im Vordergrund. Schon bei der Planung hatte die Sportjugend Hessen viel Wert darauf gelegt, bei diesem Wiedersehen alle Delegierten und Vorstandmitglieder zunächst miteinander ins Gespräch und in Bewegung zu bringen.

Dafür gab es am Vormittag zahlreiche Aktivangebote, die sich auf dem Außengelände und in der grünen Umgebung der Bildungsstätte bestens umsetzen ließen. Beim Bogenschießen galt es unter Anleitung konzentriert die Zielscheibe zu treffen, beim Geocaching waren Ideenreichtum und Findergeist gefragt. Beim Outdoor Escape Room mussten die Gruppen Rätsel lösen, im Team nicht selten um die Ecke denken, um schließlich im Wald am Ziel zu sein mit der richtigen Lösung. Wer es etwas ruhiger haben wollte, konnte auch eine Tour durch die Bildungsstätte machen und so auch die Seminarräume besichtigen, die während der Pandemie neu gestaltet und mit neuster digitaler Technik ausgestattet worden waren.

Für alle war etwas dabei und nach gemeinsamem Mittagessen zeigte sich die Vorsitzende Juliane Kuhlmann sichtlich erfreut über den persönlichen Kontakt. Sie eröffnete den Regularienteil und begrüßte offiziell die mehr als 130 Delegierten aus den Sportkreisen und Verbänden, unter denen zahlreiche neu Gewählte waren. Ein besonderer Gruß galt auch den anwesenden Helmut Meister, Vizepräsident Finanzmanagement im Landessportbund Hessen, und Monika Kaiser, langjähriger Gast und Sprecherin der Verbände mit besonderer Aufgabenstellung. Juliane Kuhlmann blickte dann gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern auf einige Höhepunkte des Sommers, die in Präsenz wieder möglich gemacht werden konnten.

Juliane Kuhlmann fordert Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen
Freuen konnten sich alle über gelungene Jugendreisen mit einem erfolgreich umgesetzten Hygienekonzept. „Es gab keine einzige Infektion unter all diesen glücklichen Gesichtern in den Freizeiten.“ Gewürdigt wurden die Bildungscamps für Kinder aus benachteiligten Familien, die MINT Girls Camps und die Abschlussseminare in Präsenz mit rund 200 Freiwilligendienstleistenden. „Die Pandemie hat uns gelehrt, wie wichtig der Sport für die körperliche und seelische Gesundheit ist. Denn auch unsere Teamer/innen haben uns zurückgemeldet, dass es den Kindern nicht gut geht und wie sehr sie unter der Isolation in der Coronazeit gelitten haben. Es darf also nicht noch einmal passieren, dass der Sport stillsteht.“ Juliane Kuhlmann formulierte eine klare Aufforderung an die hessische Landesregierung, eine Teilhabe für alle zu ermöglichen und hier finanziell zu unterstützen. An die Vereine gab sie den Wunsch weiter, Kinder und Jugendliche mit in die Beteiligungsprozesse einzubinden.

Helmut Meister bedankte sich für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Sportjugend und betonte, bei allen Problemen habe sich das Sportsystem als robust und kreativ erwiesen.
In den Berichten der Vorstandsmitglieder wurde unter anderem angekündigt, die erfolgreichen Quaralympics vom Sommer im Winter wieder aufleben zu lassen und es wurde an das Jubiläum „20 Jahre Freiwilligendienst im Sport in Hessen“ erinnert, das aktuell mit einer „wunderbaren“ Videoreihe auf YouTube und Statements in den Sozialen Medien begleitet wird.

Danke für die digitale Unterstützung
Die Mitgliedsorganisationen berichteten von einigen inspirierenden Inklusionsprojekten, etwa einem Soccercourt in Kassel, an dem auch Rollstuhlfahrer/innen teilnehmen konnten. Von mehreren Seiten gab es außerdem ein großes Dankeschön an die Sportjugend Hessen für die digitale Unterstützung, die habe die Beteiligung vieler ermöglicht und vereinfacht. Aus den kleinen Sportkreisen, wie z. B. Werra Meißner, gab es positive Erfahrungsberichte, wie es gelungen ist, junge Menschen zu motivieren, bei der Sportjugend Hessen mitzumachen. Hier haben alleine 15 ehemalige FSJler direkt nach ihrem Jahr neue Aufgaben übernommen, z. B. als Teamer. „Das ist genau der richtige Weg“, lobte Juliane Kuhlmann und bestärkte alle Anwesenden, durch persönliche Ansprache junge Menschen für ein Engagement zu gewinnen.

Apropos Engagement. Von vielen Seiten gab es beste Wünsche für die für ihr Engagement geschätzte Juliane Kuhlmann, die sich im kommenden Jahr als Präsidentin des Landessportbundes zur Wahl stellt. „Wir brauchen mehr Durchsetzungsvermögen, bleibe bitte an Bord, die Zukunft gehört Dir“, so ermunterte Peter Benesch von der Sportjugend Frankfurt die langjährige Vorsitzende.


Dr.-Horst-Schmidt-Stipendien über 10.000 Euro an fünf junge Sportler verliehen

Sportminister Peter Beuth: „Mit hohem Einsatz herausragend engagiert.“

Foto: Angelika Stehle / HMdIS

Der Hessische Innen- und Sportminister Peter Beuth hat in Wiesbaden das Dr. Horst Schmidt-Jugendsport-Stipendium an fünf Sportler verliehen. Die Stipendien sind mit je 2.000 Euro dotiert und gehen an junge Ehrenamtliche, die noch im Studium oder in der Ausbildung sind und sich über ihren Sportvereinen für das Allgemeinwohl einsetzen.

„Mit unserer Sportpolitik wollen wir auch das Ehrenamt im Sport stärken. Das Dr. Horst Schmidt-Stipendium ist deshalb ein Meilenstein in der Anerkennungskultur unseres Landes. Mit ihm fördern wir ehrenamtliches Engagement junger Frauen und Männer, die sich im Sportbereich mit tollen Ideen und großem Einsatz herausragend engagieren. Unsere Stipendiaten übernehmen als Übungsleiter*in und Trainer*in Verantwortung für den Nachwuchs und begleiten sie oft über viele Jahre in den Vereinen. Dabei vermitteln sie noch viel mehr als Fitness und sportliche Fertigkeiten: Sie tragen dafür Sorge, dass junge Menschen von Kindesbeinen an die Werte von Fairness, Teamgeist und sozialem Miteinander mit auf den Weg bekommen“, so Peter Beuth.

Juliane Kuhlmann, Vorsitzende der Sportjugend Hessen und Vizepräsidentin des Landessportbund Hessen bekräftigt die Worte des Ministers und stellt fest: "Diese jungen Menschen zeigen, dass man nicht erst 40 oder 50 Jahre Erfahrung im Ehrenamt mitbringen muss, um sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen und etwas zu bewegen. Sie stoßen in ihren Sportvereinen, Sportkreisen und Sportverbänden Neues an und sind für andere ein Vorbild."

Das Dr.-Horst-Schmidt-Stipendium erinnert an den ehemaligen Hessischen Sozialminister Dr. Horst Schmidt, der von 1969 bis zu seinem tragischen Unfalltod im Oktober 1976 dem hessischen Kabinett angehörte. Das Förderprogramm hat einen festen Platz in der Sportförderpolitik der Hessischen Landesregierung und ist Teil einer Anerkennungskultur für ehrenamtlich aktive junge Frauen und Männer.

Die Stipendiaten 2021

Lara Apel (Turn- und Sportgemeinde 1882 Wixhausen e.V., Darmstadt)

Lara Apel ist eine Allrounderin im Turn- und Sportgemeinde 1882 Wixhausen e.V. Sie geht den Disziplinen Frauenfußball, Lacrosse, Volleyball, Trampolinturnen, Geräteturnen, Zumba und Orientierungslauf bis hin zu Reiten, Wellenreiten, Bouldern, Bergsteigen, Ski- und Snowboardfahren und Langlaufen in ihrem Heimatverein nach. Darüber hinaus nimmt sie eine Reihe von ehrenamtlichen Aufgaben im Verein wahr. Sie leitet zwei Kinderturngruppen, ist Jugendleiterin Teil des Abteilungsvorstands „Turnen und Leichtathletik“ und stellvertretende Jugendleiterin der gesamten TSG-Wixhausen. Sie hat ein abgeschlossenes Bachelorstudium an der Technischen Universität Darmstadt und absolviert derzeit ihr Masterstudium.

Amadeus Itzenhäuser (Ruderverein Wilhelmgymnasium, Kassel)

Amadeus Itzenhäuser ist beim Ruderverein des Wilhelmgymnasiums Kassel aktiv. Bereits im Alter von 14 Jahren begleitete er die Ausbildung von neuen Mitgliedern aktiv mit. Er baute die Leistungssportabteilung seines Vereins aus, organisierte Regatta und Jugendfahrten und begleitete die Jugendlichen im Verein als Trainer mit. Er gewann mit seinem Team sechs Hessenmeistertitel. Trotz seines studienbedingten Umzugs nach Leipzig, wo er das Bio-Chemie Bachelorstudium mit einem herausragenden Durchschnitt abschloss, bekleidete er weiterhin die Funktion des Kassenprüfers des Vereins. Im Jahr 2020 übernahm er darüber hinaus den stellvertretenden Vorsitz des Jugendrings im Landkreis Kassel und studiert aktuell Bio-Chemie im Master.

Jonas Kix (Sportjugend Schwalm-Eder-Kreis)

Jonas Kix spielte zehn Jahre lang als Fußballer in verschiedenen Vereinen des Schwalm-Eder-Kreises, in denen er teilweise auch Kapitän war. Neben dem Fußballsport war er auch erfolgreich im Tischtennis. Er besitzt die Übungsleiter C Lizenz „Breitensport Profil Kinder/ Jugendliche“ und hat am „Teamer Qualification Seminar 2019“ der deutsch–afrikanischen Jugendbegegnung teilgenommen. Er studiert derzeit Grundschullehramt mit dem Fach Sport. Darin vereint sich sein Engagement für Kinder und Jugendliche im Sport mit der beruflichen Perspektive.

Julia Viktoria Puchinin (Hessischer Tanzsportverband / Deutscher Tanzsportverband)

Julia Viktoria Puchinin ist seit dem Jahr 2013 als Jugendsprecherin im Hessischen Tanzsportverband und seit 2020 auch als Bundesjugendsprecherin im Deutschen Tanzsportverband tätig. Zuvor war sie selbst lange Jahre aktive Tänzerin und hat sieben Mal die Hessenmeisterschaften gewonnen. Sie studiert derzeit Humanmedizin an der Frankfurter Goethe-Universität.

Jessica Spelten (Judo-Verein Langen)

Jessica Spelten ist in der Kinder- und Jugendarbeit im Langener Judoverein aktiv. Sie organisiert Judo-Zeltlager, Judo-Safaris oder vereinsinterne Nikolausturniere. Zusätzlich bringt sie sich jährlich in die Ausrichtung des internationalen Heiner Cups in Darmstadt mit ein. Jessica Spelten hat die Sportassistentinnen-Ausbildung absolviert, die sie dazu berechtigt das Fortgeschrittenentraining zu leiten. Darüber hinaus hat sie sich die Qualifikationen angeeignet, mit denen Sie berechtigt war, ihren Verein bereits mit der Abnahme von Kyu-Prüfungen unterstützen konnte.


Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Neue erlebnisorientierte Programme in der Bildungsstätte Wetzlar

Seit diesem Sommer können Gruppen und Schulklassen noch mehr Spaß und Spannung buchen. Zum aktualisierten Programm gehören neue erlebnispädagogische Bausteine und kreative Angebote wie Minigolf mit der Gestaltung von eigenen Spielbahnen im Innenhof des Hauses. Außerdem gibt es einen neu entwickelten Outdoor Escape Room, der die Gemeinschaft stärkt und bei dem Köpfchen gefragt ist. Hierbei können bis zu 24 Personen drei Räume parallel bespielen, um letztendlich gemeinsam ein Rätsel zu lösen. Jedes Team muss dafür alle Register ziehen. Hierbei sind detektivischer Spürsinn genauso gefordert wie sportlicher Einsatz.

Angebot für alle Altersgruppen
Für alle Altersgruppen wird etwas geboten. Es gibt Programme für halbe oder ganze Tage und alle Angebote werden betreut von einem geschulten Team der Bildungsstätte. Für eine mehrtägige Klassenfahrt oder für Gruppen, die länger mal ihren (Arbeits-)Alltag über Bord schmeißen möchten, können verschiedene Programm–Pakete für zwei bis fünf Tage geschnürt werden. Das vielfältige Programm reicht von Teamchallenges, über Klettern, Bogenschießen, diverse Naturerlebnisse bis hin zu Kanutouren auf der Lahn oder Floßbauaktionen am See. Da sich mit vollem Magen Abenteuer besser bestehen lassen, gibt es bei Tagesausflügen Lunchpakete und abendliche Grillabende. Wie immer wartet viel Bewegung auf alle, und das in grüner Umgebung, denn die Bildungsstätte bietet mit dem angrenzenden Europapark genug Raum und Rückzugsmöglichkeiten.


Mit dir inklusiv im Sport

Hessens erste Inklusionslots*innen bringen mehr Bewegung für alle

Endlich! Was Corona länger unmöglich machte, konnte dann im August in der Bildungsstätte Wetzlar der Sportjugend Hessen nachgeholt werden. Hier trafen sich die Sportinklusionslots*innen zum ersten Teamtag des Projekts „Mit dir inklusiv im Sport“, das 2020 vom Landesverband für Körper und Mehrfachbehinderte (LVKM) und der Sportjugend Hessen ins Leben gerufen worden war.

In fünf Modellsportkreisen (Bergstraße, Fulda-Hünfeld, Hochtaunus, Fulda Hünfeld und Werra-Meißner) sind Sportinklusionslots*innen eingesetzt, um Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen auf der Suche nach einem passenden Angebot im Sportverein zu unterstützen. Alle Lots*innen, die in einem Bewerbungsverfahren ausgewählt wurden, haben Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen und im Sport. Sie stehen nicht nur den Kindern mit Rat und Tat zur Seite, sondern helfen auch den Sportvereinen bei der Umsetzung von inklusiven Sportangeboten.

„Vereine, die das Thema Inklusion gerne im Verein umsetzen möchten, denen rate ich, sich einfach mal auszuprobieren. Denn die Angst davor, etwas falsch machen oder den damit verbundenen Herausforderungen möglicherweise nicht gewachsen zu sein, ist meistens unbegründet. Außerdem ist jeder kleine Schritt besser als Stillstand“, ermuntert Lea Hüther. Die angehende Sozialwissenschaftlerin ist Sportinklusionslotsin im Sportkreis Werra-Meißner. „Ich bin stolz darauf, dass wir es bereits jetzt geschafft haben, vielen jungen Menschen mit Beeinträchtigung erste Zugangswege in den organisierten Sport geebnet haben.“ Auch die 27-jährige Franziska Werner, Inklusionslotsin aus Fulda, findet, dass sich der Einsatz lohnt: „Für mich ist es das Schönste, wenn ich für junge Menschen mit Beeinträchtigung ein Sportangebot finde, an dem sie Spaß haben.“

Jeder kleine Schritt ist besser als Stillstand
Nils Ichter, Lotse aus Kassel findet: „Gerade die Qualifizierung der Übungsleiter*innen und Vereinsvertreter ist wichtig, um Unsicherheiten abzubauen.“ Hier bietet die Sportjugend Hessen bereits vieles an, wie die Profilerweiterung Inklusion und verschiedene Fortbildungen. Für die Lots*innen ist eine Fragestellung zunächst wichtig. Wie bekommt man Inklusion noch besser in die Köpfe der Menschen und in die Öffentlichkeit. So ging es auch beim Teamtag darum, wie Medien zielgruppengerecht genutzt werden können, um Partner, Kinder und Engagierte im Sport zu erreichen und zu vernetzen.
Für den LVKM ist es eine außerdem eine gute Gelegenheit, sein Beratungsangebot für Menschen mit Beeinträchtigung sichtbarer zu machen. „Ratsuchende aus ganz Hessen können sich bei uns melden, um Fragen zu sozialrechtlichen Themen, Erwerbsminderung oder Nachteilsausgleich zu klären. Wir möchten unsere Kompetenzen bündeln, um die Inklusion von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung im Sport voranzubringen“, so Steffi Kremer Projektleiterin beim LVKM.

Mehr inklusive Sportangebote für Hessen
Das Projekt läuft noch bis 2024. Bis dahin wünschen sich die Inklusionslots*innen, ein Netzwerk an Vereinen aufzubauen, auf das die Sportkreise zurückgreifen können.

Kontakt: www.mitdirinklusivimsport.de


Kinder brauchen Bewegung, Spiel und Sport

Sportjugend Hessen engagiert sich mit Workshop auf dem Kinderrechte-Kongress

Beim bundesweiten Online-Kinderrechte Kongress im Vorfeld zum Weltkindertag im September haben rund 350 Teilnehmer/innen an zwei Tagen die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt gestellt. Auch die Sportjugend Hessen mit ihren Referentinnen Angelika Ribler und Ann-Kristin Pieper haben sich mit einem Workshop und mit der Fragestellung „Welche Rolle spielen Kinderrechte im Sport?“ eingebracht. Ziel war es, die Teilnehmenden aus den Bereichen Kita, Schule, und Verwaltung zu ermuntern, noch mehr Bewegungsangebote in ihre tägliche Arbeit aufzunehmen, die die Kinderrechte berücksichtigen.

Teilhabe ist unverzichtbar
„Bewegung und Sport sind Motor für die Persönlichkeitsbildung, Sport trägt zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden bei und lässt Kinder soziale Gerechtigkeit erleben.“ Aus ihrer täglichen Arbeit wissen die beiden Referentinnen nur zu gut, dass in der Pandemie besonders Kinder und Jugendliche gelitten haben und wie sehr ihnen auch das Zusammensein im Sportverein gefehlt hat. Ribler, seit Jahren in der Sport- und Jugendpolitik engagiert, mahnt die Runde, immer wieder den Perspektivwechsel zu machen und noch mehr ein Kinderbewusstsein zu entwickeln, dass die Welt nicht aus Erwachsenensicht betrachtet. „Die Pandemie hat gezeigt, dass man an vielen Stellen vergessen hat, Kinder zu fragen, was sie wollen und brauchen. Das wissen wir aus eigenen Befragungen. Teilhabe ist immer wieder das Zauberwort.“ Das weiß auch Ann-Kristin Pieper, die für das Thema Kindeswohl im Sport zuständig ist, von zahlreichen Vereinen. „Auch im Sport ist es wichtig, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern, auch sich zu beschweren, damit sie sich sicher fühlen.“

Eine Erkenntnis aus dem Workshop war: Sport und Bewegung wird in der Kinder- und Jugendhilfe oder Schule häufig nicht als Kinderrecht thematisiert. Das wollen alle Teilnehmenden jetzt mehr im Blick haben und in ihren Arbeitsalltag einbauen.  

Der Veranstalter des Kinderkongresses war Outlaw, die Stiftung, die sich seit über 30 Jahren um die Förderung und Unterstützung junger Menschen und Familien und ihre Rechten auf Entwicklung, Bildung und Teilhabe einsetzt. Seit 2014 hat Outlaw bereits vier Kinderrechtekongresse organisiert und der diesjährige fünfte Kongress war der erste Aufschlag als reine Online-Veranstaltung.


Neue Sport- und Erlebnismöglichkeiten im Camp Edersee

Auszubildende und dual Studierende der Firma Viessmann erschaffen neuen Bewegungsparcours und attraktive Spielgeräte

Mitte September wurde im Sport-, Natur- und Erlebniscamp der Sportjugend Hessen gemeißelt, gehämmert, gebohrt und Massen an Erde bewegt. 70 neu gestartete Auszubildende und duale Student*innen der Firma Viessmann GmbH aus Allendorf/Eder sanierten und renovierten vorhandene Erlebnisstationen im Außengeländes des Camp Edersee. Darüber hinaus schufen sie zwei neue Bewegungsparcours, eine Station zum Balancieren und einen Abenteuer- und Erlebnisparcours. Dieser sogenannte „Ninja-Parcours“ liegt im zentralen Bereich des Camps am Hang und kann jetzt auch als sportliche und spielerische Abkürzung von den Gästen zum Haupthaus genutzt werden.

„Ninja-Parcours“ am Hang mit Suchtgefahr
Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Projektwoche entstand bereits 2018, weil einige Spielgeräte im Camp als Ergebnis von Verwitterung aus Sicherheitsgründen nicht mehr genutzt werden konnten. Deshalb hatten die Verantwortlichen bei Viessmann mit dem Beratungs- und Trainingsunternehmen ALEA GmbH aus Marburg und der Campleitung bereits innovative Ansätze für eine nachhaltige Gestaltung verschiedener Areale im Außengelände des Camps entwickelt. Aufgrund der dringend notwendigen Sanierungen im Camp 2019 und der Pandemielage 2020 lag das Bauprojekt dann zunächst auf Eis. „Zum Glück“, findet Campleiter Holger Gertel, „denn die Idee einen Abenteuer- und Erlebnisparcours am Hang zu bauen, hatte unsere Sportpädagogin Romy Backhaus erst Ende 2019 und so konnte jetzt alles auf einmal umgesetzt werden.“

Lebensräume für zukünftige Generationen
Dabei halfen die Erfahrungen von ALEA, die schon häufig Bauprojekte wie Abenteuer-, Erlebnis- und Spielplätze begleitet haben. Also ging es munter ans Werk. Neben den drei thematischen Vorgaben, Balancieren, den Hang Erklimmen und nachhaltiges Sanieren des Bestehenden, erhielten die jungen Auszubildenden zusätzlich von der Campleitung die Aufgabe, Bewegungsstationen für Kinder und Jugendliche von acht bis 15 Jahren zu gestalten. Dabei musste viel improvisiert werden, denn es gab keine fertigen Entwürfe, die lediglich umgesetzt werden mussten, sondern eher grundsätzliche Ideen, viel Material und Werkzeug. Immer galt es zudem, die Sicherheitsvorschriften zu beachten. Innerhalb dieses Rahmens konnten dann die Auszubildenden und dual Studierenden gestalterisch und kreativ tätig werden.

Teamfähigkeit leben und erleben
„Es ist unglaublich und großartig, was in dieser Woche alles entstanden ist!“, staunt Holger Gertel, Leiter des Camp Edersee. „Klar, der „Ninja-Parcours“ ist genial und sicherlich ein super Unikat, aber auch die Balancierstation, die renovierte Hängebrücke, die neuen Treppenaufgänge und eine Beschilderung sind gelungen. Richtig klasse ist, dass jetzt auch Gäste mit einem Rollstuhl die Chance haben, zur Grillhütte zu kommen.“ Dabei hat ihn die kreative Energie der jungen Menschen beeindruckt. „Als quasi außenstehender Betrachter und Nutznießer war ich jeden Tag aufs Neue begeistert. Ich habe junge Menschen gesehen, die Teamfähigkeit leben und erleben, Verantwortung übernehmen, sich gegenseitig unterstützen und Vertrauen in die Arbeit der anderen entwickeln. Alles was hier entstanden ist, wird mir, meinem Team vom Camp und besonders unseren jungen Gästen noch lange Freude bereiten.“


Neuer Schwung für Kinder- und Jugendsport

Landessportbund setzt im Rahmen der Kampagne #sportVEREINtuns neuen Schwerpunkt

Dem Kinder- und Jugendsport neuen Schwung verleihen und den Interessen des Nachwuchses mehr Gehör verschaffen: Das haben sich der Landessportbund Hessen e.V. (lsb h) und die Sportjugend Hessen (SJH) für diesen Herbst vorgenommen. Mit dem Schwerpunkt „Junge Sport Helden“ im Rahmen der Kampagne #sportVEREINtuns werden Vereine, Sportkreise und Verbände rund um den Weltkindertag am 20. September dazu motiviert, ihre sportlichen und gesellschaftlichen Angebote für diese Zielgruppe auszuweiten oder an die aktuelle Situation anzupassen und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Verein zu stärken. Ein Gewinnspiel, Best-Practice-Beispiele und Hinweise auf Fördermöglichkeiten sollen dazu Ansporn geben.

„Dass Sportangebote und andere Freizeitaktivitäten durch die Corona-Pandemie lange Zeit stark eingeschränkt waren, hat Kinder und Jugendliche besonders getroffen. Häufig hatten sie zudem das Gefühl, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden, ihre Bedürfnisse nicht gehört und ernst genommen werden“, sagt Juliane Kuhlmann, lsb h-Vizepräsidentin Kinder- und Jugendsport und Vorsitzende der Sportjugend Hessen. Die Kinderrechte, auf die der diesjährige Weltkindertag verstärkt aufmerksam machen will, hätten gelitten.

Das zu ändern, dazu rufen Landessportbund und Sportjugend Hessen nun auf. „Sportvereine sind wichtige Erfahrungsorte. Hier werden Heranwachsende nicht nur in ihrer physischen und psychischen Entwicklung geschult. In unseren Vereinen findet auch ein wichtiger sozialer Austausch statt, Kinder haben die Möglichkeit, sich auszutesten, Spaß zu haben, über den Sport fürs Leben zu lernen. Im besten Fall erhalten sie außerdem die Möglichkeit, sich einzubringen, mitzubestimmen und so positive Erfahrungen im Bereich des gesellschaftlichen Engagements zu sammeln“, zeigt Kuhlmann den Hintergrund auf.

Gewinnspiel läuft bis Ende Oktober

Um Vereine, Abteilungen oder Sportgruppen zum Mitmachen zu motivieren, startet der Landessportbund Hessen morgen (10. September) sein Gewinnspiel „Junge Sport Helden“. Mithilfe von Social Media-Posts, Plakaten oder Postkarten, die über das Portal www.lieblingsverein.de erstellt werden können, soll auf neue, angepasste oder einfach attraktive Angebote für Kinder und Jugendliche, besondere Aktionen oder auf Beteiligungsmöglichkeiten im Verein aufmerksam gemacht werden. „Wir rufen die Vereine dazu auf, kreativ zu sein und sich etwas einfallen zu lassen. Bestenfalls greifen sie dabei schon auf die Unterstützung ihres Nachwuchses zurück“, sagt Kampagnenleiterin Daniela Herrlich. Beim Posten auf Facebook oder Instagram muss der #sportVEREINtuns verwendet und der Landessportbund Hessen verlinkt werden.

Eine Jury entscheidet nach Abschluss der Aktion Ende Oktober, welchen Vereinen es mit ihren Posts besonders gut gelungen ist, deutlich zu machen, was sie für den Nachwuchs zu bieten haben und warum die Bedürfnisse der jungen Menschen ihnen besonders am Herzen liegen. „Wir sind überzeugt, dass die Mehrheit der hessischen Vereine auf diesem Gebiet schon jetzt hervorragende Arbeit leistet und viel für unsere jungen Sport Heldinnen und Helden tut. Zeigen Sie das uns, der Öffentlichkeit und vor allem den Kindern und Jugendlichen in ihrem Einsatzgebiet“, ruft Herrlich die Vereine auf. Zu gewinnen gibt es fünf Einsätze eines Sportjugend-Mobils inklusive Betreuern im Wert von jeweils bis zu 1.000 Euro. Eingesetzt werden kann der Gutschein im Jahr 2022 bei Vereinsaktionen für den Nachwuchs.

Alle wichtigen Informationen zum Gewinnspiel finden Vereine auf der Webseite des Landessportbundes Hessen, Kurz-URL yourls.lsbh.de/junge-sport-helden. Dort hat der Landessportbund auch Fördermöglichkeiten für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aufgelistet und Best-Practice-Beispiele aufgeführt. Immer aktuell informiert er dort auch über Informations- oder Fortbildungsveranstaltungen im Themenfeld.


Es läuft und läuft...

20 Jahre Freiwilliges Soziales Jahr im Sport in Hessen

Das FSJ im Sport erfährt in Hessen dieses Jahr eine besondere Beachtung. Vor genau 20 Jahren, im September 2001, hat mit einer einzigen Freiwilligen und einer Einsatzstelle eine Erfolgsgeschichte begonnen. Heute steht das FSJ als solides Modell da - mit jährlich um die 200 Freiwilligen.
Gleich in den ersten Jahren erfuhr das FSJ im Sport ein enormes Wachstum. Schon nach wenigen Jahren sind es über hundert Stellen gewesen, an denen junge Menschen in Sportvereinen, Sportkreisen und -verbänden ihren hilfreichen Dienst ableisten konnten. „Für sie selbst ist diese Zeit prägend für ihre Zukunft. Sie hilft in der Orientierungsphase, um sich nach der Schule für einen Berufsweg  zu entscheiden, und die jungen Menschen lernen enorm viel auch im Austausch mit den anderen Freiwilligen, ein toller Schub also für die Persönlichkeitsentwicklung“, freut sich Rainer Seel, der von Anfang an bei der Sportjugend Hessen verantwortlich ist für das FSJ.

Seit einigen Jahren hat sich die Zahl der besetzten Stellen in Hessen auf etwa 200 pro Jahrgang eingependelt. „Das FSJ und der später dazugekommene Bundesfreiwilligendienst sind bei sportlichen jungen Menschen beliebt wie eh und je. Nicht selten bleiben sie den Vereinen erhalten oder finden durch ihre Aufgaben ihre Bestimmung“, so Seel.

Das Jubiläum wird in den kommenden Wochen besonders gewürdigt, mit einer intensiven Berichterstattung auch in den sozialen Medien. „Wir freuen uns auf Geschichten und Menschen aus den letzten 20 Jahren Freiwilligendienst. Den Freiwilligen des kommenden Jahrgangs, den Einsatzstellen und auch meinem Team wünsche ich von Herzen eine möglichst pandemiefreie Zeit und den persönlichen Kontakt, wann immer möglich.“


Zehn Jahre MINT Girls Camps in Hessen

Eine Erfolgsgeschichte geht in die letzte Runde

MINT Girls Camps: Praktikum mit Persönlichkeitsbildung

Tagsüber drehen, fräsen und schleifen und abends mit Gesichtsmaske und neu gewonnenen Freundinnen einen Wellness- und Entspannungsabend genießen. Das ist die bewährte Rezeptur für die Mädchen im MINT Girls Camp. Sie schnuppern in Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik hinein und haben gleichzeitig eine coole gemeinsame Ferienzeit. Eine Woche lang verbringen Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren in den MINT Girls Camp von Sportjugend Hessen und Provadis – Partner für Bildung & Beratung. In unterschiedlichen Betrieben sammeln sie praktische Erfahrungen z.B. beim Herstellen eigener Werkstücke. Den Kontakt zu den Betrieben stellt Provadis her bzw. bietet eigene Praktikumsplätze für die MINT Girls an.

Ziel der Sportjugend ist es, mit gezielten Bewegungs- und Entspannungsangeboten nicht nur für ein gutes Körpergefühl sorgen, sondern auch darüber hinaus die Mädchen zu stärken. So trainieren sie beim Ringen den Umgang mit Regeln und den Respekt vor ihrer Gegnerin zu haben. Sie tanken Selbstvertrauen und lernen Wichtiges aus der Arbeitswelt. Die Mädchen üben sich in der Kunst des Präsentierens und reflektieren auch Rollenbilder, mit denen sie in der oft männlich geprägten technischen Arbeitswelt konfrontiert werden. Sie stärken ihre Persönlichkeit und dürfen doch ganz Mädchen sein.

Laura, Anne und Ann-Kathrin können sich auch zehn Jahre später noch gut an ihre MINT-Girls Camps erinnern. Sie fanden die Balance zwischen Praktikum, Bewegungsangeboten und Freizeitspaß genau passend. Ann-Kathrin denkt gerne an die Zeit zurück: „In der Schule war ich immer etwas unsicher, weil ich als einziges Mädchen in meiner Klasse lieber einen Männerberuf ausüben wollte. Beim Camp auf andere Mädchen zu treffen, die meinen Wunsch teilten, hat mich beruhigt und bestärkt ihn weiterzuverfolgen.“ Heute arbeitet die Chemielaborantin in der Forschung und Entwicklung für Industrieklebstoffe und auch Johanna hat das Camp den richtigen beruflichen Weg gewiesen, nach einem Studium der Wirtschaftschemie will sie in Chemie promovieren.

Mutmacher mit naturwissenschaftlichen Nebenwirkungen
Das aktuelle MINT Nachwuchsbarometer, herausgegeben von der Körber Stiftung und acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, fasst die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten der Nachwuchssituation im MINT Bereich zusammen. Demnach fehlt es dem Nachwuchs an grund-legenden naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Die Mädchen haben die Jungs, was die schulischen Leistungen angeht, längst überholt. In den Ausbildungen setzt sich dies fort, bestätigt auch Jens Dembowski, Leiter der VW-Akademie in Baunatal.
Angesichts der enormen Aufgaben des 21. Jahrhunderts wie Pandemie-Bekämpfung, Klimaschutz und digitale Transformation halten er und andere Experten innovative Lösungen und MINT Expertise für wichtiger denn je.

Die Teamerinnen der Sportjugend sind mit Bedacht ausgewählt und pädagogisch gut aufgestellt. Jedes Jahr treffen sie sich zu Schulungen und Teamtreffs. Dass das möglich und finanziell gesichert ist – der Eigenanteil der Mädchen für eine Campwoche beträgt nur 50,- Euro - verdanken die Teilnehmerinnen verlässlichen Förderern und Unterstützern.

Das Projekt geht jetzt mit den fünf Camps in den Herbstferien in die letzte Runde. Das MINT Girls Camp wird gefördert aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen und der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds sowie durch die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Nach einem Förderzeitraum von zehn Jahren geht es im Herbst zu Ende. Dann werden insgesamt rund 1.500 Mädchen von dem Projekt profitiert haben.

Termine MINT Girls Camps:
10.10. – 15.10.21 Kassel, Fulda und Marburg
17.10. – 22.10.21 Hanau und Offenbach
Anmeldung unter www.mint-girls-camps.de


Spiel und Spaß zum Anfassen

Begeisterung bei der Jugend-Roadshow

Bogenschießen als Attraktion für alle (Foto: Philipp Pawlik)

Endlich mal kein Home-Schooling und -Office und keine Video-Chats und E-Mails. Nach eineinhalb Jahren Zwangspause konnten die Sportkreisjugenden Schwalm-Eder, Kassel und Waldeck-Frankenberg im August wieder für Action sorgen.

Mit der Jugend-Roadshow luden sie zu einem Sport-, Spiel- und Bewegungsaktionstag ein. Das Sportsfun-Team der Sportjugend Hessen sorgte mit seiner mobilen Kletterwand, dem Baseball-Käfig, Bogenschießen, Frisbee und einigen Ball- und Geschicklichkeitsspielen für ein vielfältiges Angebot. Kinder und Familien in Melsungen und Diemelstadt-Rhoden dankten es ihnen waren mit je rund 100 Teilnehmer/-innen begeistert dabei. Beim Tourstopp in Kassel kamen rund 70 Teilnehmende im Rahmen der Ferienspiele des Salvador Allende-Jugendzentrums.

Attraktives Konzept
Das Konzept der Roadshow kam an allen Standorten gut an, Betreuer-/innen wie Kinder freuten sich endlich wieder über sportliche Herausforderungen. „Der Tag ist sehr gut gelaufen, wir haben uns gefreut, dass so viele da waren. Was wir in vielen Gesprächen mit Eltern und Kindern und haben ganz klar rausgehört wie froh alle waren, dass endlich mal wieder was stattfindet“, erzählt Sarah Janassek vom Jugendvorstand des Sportkreises Melsungen. „Für uns ging der Tag vorbei wie im Flug, die angebotenen Stationen hatten einen so großen Aufforderungscharakter, dass wir häufig gar nichts erklären oder animieren mussten. Auch einige Eltern haben fleißig mitgemacht."

Eine ganz besondere Umgebung bot der Termin in Diemelstadt-Rhoden. Mit der Liegewiese des Freibades stellte der Vorsitzende des Fördervereins-Walmebad Helmut Butterweck die perfekte Location zur Verfügung. „Das Bad kennen unsere Gäste natürlich, aber was die Sportjugend zusätzlich geboten hat, war eine wirkliche Bereicherung und eine echt runde Sache", freute sich Butterweck. Auch das Team der Sportkreisjugend Waldeck-Frankenberg erlebte einen rundum gelungenen Tag.
„Es hat nicht nur den Kindern Spaß gemacht, auch wir Betreuer konnten mal eine Station ausprobieren", meinte Leo Schöpgens vom Juniorteam. Das fand auch Jugendwart Benedict Geise klasse. „Es war eine geniale Veranstaltung und insgesamt einfach ein schöner Tag. Gerade nach der langen Corona-Pause war es auch für uns schön, wieder gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten."

Termine noch bis Ende Oktober
Die Jugend-Roadshow ist als sportlicher Aktionstag und als Begegnungsangebot konzipiert. Kinder, Jugendliche und auch interessierte Eltern sollen die Möglichkeit bekommen, ungezwungen Bewegungsangebote auszuprobieren und ins Gespräch kommen. Für die Teilnehmenden geht es also nicht nur darum, sich zu bewegen, sondern auch um die Chance, sich in einem neuen Umfeld zu engagieren, die Sportkreisjugend kennenzulernen und dort mitzumachen.

Noch bis Ende Oktober sind weitere Aktionstage der Jugend-Roadshow für interessierte Vereine, Verbände oder Sportkreise möglich, selbstverständlich mit Hygienekonzept.

Kontakt: Ronny Schulz, Tel.: 05 61.73 90 342


Endlich wieder losgelöst!

Sportjugend Hessen freut sich über erfolgreiche und komplett ausgebuchte Sommerfreizeiten

Nach einer anderthalbjährigen pandemiebedingter Reisepause und Verzicht auf Sommer- und Winterfreizeiten, konnte das Jugendreise-Team der Sportjugend in diesen Sommerferien mehr als 250 Kinder und Jugendliche glücklich machen und ihre Eltern gleich mit. Mit einem neuen Reisekonzept, besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen und sogar einigen neuen Reiseangeboten konnte der Sommer 2021 erfolgreich durchstarten. 
Selbst kurzfristige Reisealternativen, wenn die Zielregionen mit zu hohen Inzidenzwerten zu kämpfen hatten, hat das Team anbieten können. So wurde die Spanienreise z. B. kurzer Hand nach Kroatien verlegt oder der Segeltörn in Holland nach Deutschland verschoben.

Das Reiseprogramm war wie gewohnt bunt. So ging es in diesem Jahr zu Fuß über die Alpen, mit dem Segelboot über die Ostsee, zu den azurblauen Badebuchten Kroatiens, zum wellenreichen Surfen an die französische Atlantikküste oder zum Dance- und Kindercamp in die Bildungsstätte der Sportjugend Hessen in Wetzlar.

Kein Gelingen der Sommerfreizeiten ohne das Engagement der rund 100 ehrenamtlichen Teamer/-innen! Diese hatten sich im Frühsommer in mehreren Online- und Präsenzseminaren auf ihre besonderen Aufgaben als Jugendreisebetreuer/-innen vorbereitet und das neue Reisekonzept zusammen mit dem hauptamtlichen Team gestaltet. Hierbei spielte der Umgang mit der Pandemiesituation und die deshalb erforderlichen Hygieneregeln eine besondere Rolle.

Positive Rückmeldungen von Eltern wie nie zuvor
„Wir sind zu einer großartigen und motivierten Gemeinschaft zusammengewachsen und das in dieser Pandemiezeit“, freut sich Tim Döring, der für die Jugendreisen zuständige Referent. „Und auch die Eltern der jungen Teilnehmer/-innen haben das mehr als geschätzt. So viel Dank, Glückwünsche und positive Rückmeldungen wie in diesem Jahr haben wir noch nie bekommen. Die intensive Vorbereitung und auch der Mut, wieder Auslandsreisen anzubieten, haben sich definitiv ausgezahlt.“

Das neue Konzept rückt neben dem Sport auch Bildung und die gesellschaftliche Verantwortung etwa beim Klimaschutz und mehr Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der Jugendreisen. So ist in diesem Jahr z. B. gänzlich auf Reisen mit dem Flugzeug verzichtet worden und auch nachhaltige Selbstversorgungskonzepte konnten erprobt werden. Die Teilnehmenden halfen vor Ort, regionale und saisonale Produkte einzukaufen und haben sie dann gemeinsam mit ihren Betreuer/-innen zubereitet. Außerdem verpackte die Sportjugend Hessen Teile der vom DOSB anerkannten Übungsleiterausbildung „JULEICA im Sport“ mit in die Freizeitprogramme, so dass die Teilnehmenden mit viel Spaß, Sport und Teilhabe bereits ein Drittel der Ausbildung absolviert haben.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz als Teil des Reisekonzepts
Der sportliche „Wow-Effekt“ während der Jugendreisen durfte natürlich auch nicht fehlen. Und so gehören die gemeinsame Vollbesegelung „unseres“ Dreimasters „Albert Johannes“, die Überquerung von insgesamt knapp 10.000 Höhenmeter mit großartigen Ausblicken über die Alpen oder auch die ersten Stehversuche auf dem Surfboard sicherlich dazu.
„Der Erfolg des neuen Reisekonzepts zeigt, dass die Sportjugend Hessen hier den richtigen Weg einschlägt“, schlussfolgert Döring. „Und deshalb werden wir auch unser Winterprogramm daran ausrichten.“ Mit insgesamt 4 Ski- und Snowboardreisen in den Winterferien heißt es dann: #FindeDeinAbenteuer auf den bestens präparierten Skipisten der Alpen, in der Trampolinhalle, im Funpark oder auch mal auf der Sonnenterrasse.


Antisemitismus im Breitensport nimmt zu

Immer wieder kommt es in unserer Gesellschaft zu Diskriminierung und Gewalt. Auch der Sport ist davon nicht ausgenommen. Werte und Formen der Diskriminierung im Sport waren deshalb auch Thema bei der KOST-Bildungskonferenz in diesem März und auf dem jährlichen Treffen der Bildungsbeauftragten der Sportkreise und Verbände im Juli 2021.

Im Fokus stand auch das Bundesprojekt „Zusammen1“ in Trägerschaft des Turn- und Sportverbandes MAKKABI Deutschland und des Zentralrats der Juden in Deutschland. Im Rahmen einer bundesweiten Projektstudie wurden mehr als 300 MAKKABI-Mitglieder zum Thema Antisemitismus befragt. Das Projekt verfolgt einen präventiven Ansatz und bietet zivilgesellschaftliche Bildungsangebote für alle Akteur/-innen im organisierten Sport. Die Untersuchung mit dem Titel „Zwischen Akzeptanz und Anfeindung“ macht unterschiedliche Facetten des Antisemitismus aus der Betroffenenperspektive deutlich. Obwohl MAKKABI Deutschland ein jüdischer Sportverband ist, zählt der Verband auch viele Mitglieder anderer Konfessionen. Von den 309 Befragten sind 39 % jüdisch, 36 % christlich, 3 % muslimisch und die restlichen 20 % entweder konfessionslos oder gehören einer anderen Glaubensrichtung an. Bei den Sportarten verteilen sich die Teilnehmer*innen der Studie überwiegend auf Fußball (47,2 %), aber auch auf Krav Maga (israelische Kampftechnik zur Selbstverteidigung), Basketball, Tennis, Badminton und weitere Disziplinen. 39 % geben an, im Zusammenhang mit MAKKABI bereits mindestens einmal persönlich von einem antisemitischen Vorfall betroffen gewesen zu sein.

Besonders häufig berichten davon Vereinsmitglieder aus dem Bereich Fußball (68 %) und jüdische Mitglieder (54 %). Gerade in den unteren Spielklassen gibt es häufiger Vorfälle. Außerhalb des Fußballs hat jede/r Vierte unangenehme diskriminierende Situationen erlebt. Frauen bei MAKKABI sind wiederum nur zu 16 % mindestens einmal betroffen gewesen. Mehr als ein Drittel aller Zwischenfälle hat sich innerhalb des letzten Jahres ereignet, dreiviertel aller Befragten haben Antisemitismus in den letzten drei Jahren erlebt, und bei einem Viertel liegt der Vorfall länger als drei Jahre zurück.

Am häufigsten sind verbale Angriffe, 93 % der Befragten berichten davon. Ein Drittel beklagte körperliche Angriffe und jede*r Fünfte berichtete von antisemitischen Schmierereien oder Ähnlichem. Alle Befragten teilen den Eindruck, dass der Antisemitismus im Sport in den vergangenen Jahren eher zu- als abgenommen hat.

Die antisemitischen Zwischenfälle besprechen die Betroffenen primär im privaten Umfeld. (83 %). Mehr als ein Drittel geben an, den Vorfall einer zuständigen Stelle im Landessportbund oder Fachverband gemeldet zu haben. Grund hierfür könnte sein, dass etwa ein Drittel der Befragten (32 %) der Meinung ist, es würde eher nichts bringen, einen Vorfall an den zuständigen Sportverband zu melden. Auch hat eine Mehrheit der Befragten (53 %) den Eindruck, ein Vorfall würde nicht vom zuständigen Verband geahndet. Mit Blick auf andere Sportvereine schätzen die Befragten, dass lediglich 27 % der Vereine auf antisemitische Vorfälle vorbereitet sind. Trotz vieler negativer Erfahrungen fühlen sich 90 % der Befragten ziemlich sicher, wenn sie für MAKKABI an Wettkämpfen teilnehmen. Außerhalb der Sportanlagen und mit MAKKABI-Kleidung fühlen sie sich deutlich unsicherer.

Die Sportjugend Hessen kooperiert mit dem Projekt „Zusammen1“ und engagiert sich auch mit weiteren Projekten wie DemoS! (Sport stärkt Demokratie) seit vielen Jahren gegen Diskriminierung im hessischen Sport.


Tendenz steigend

Alarmierend hohe Kinderarmut in Hessen

Auch das ist Vereinsarbeit: Mittagstisch mit Hausaufgabenbetreuung

Das Soforthilfeprogramm der Sportjugend Hessen gegen die Folgen von Kinderarmut ist wichtiger denn je. Mittlerweile ist mehr als jedes fünfte Kind in Hessen arm. Damit liegt die Quote höher als der deutschlandweite Durchschnitt. In keinem anderen Bundesland ist die Kinderarmut in den letzten zehn Jahren so stark gewachsen wie in Hessen, wie es eine aktuelle Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes belegt. Das könne sich mit den Folgen der Corona-Pandemie noch verschärfen, warnen die Studienmacher. Das Armutsrisiko für Alleinerziehende – es sind immer noch überwiegend Frauen – und ihre Kinder verharre dabei auf hohem Niveau, zeigen weitere aktuelle Untersuchungen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert deshalb von der Landesregierung, entschlossen gegenzusteuern. Als Sofortmaßnahme, so die hessische Landesgeschäftsführerin Yasmin Alinaghi solle die Auszahlung der Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket verbessert werden. Hier schneide Hessen besonders schlecht ab, denn nur bei jedem zehnten Kind komme der mögliche Zuschuss für Mitgliedsbeiträge für Sportvereine, Nachhilfe oder Klassenfahrten an.

Unbürokratische Soforthilfe
Die Sportjugend Hessen unterstützt Vereine, die mit den Folgen von Kinderarmut konfrontiert sind, schnell und unbürokratisch. Kurzfristig können über das Soforthilfeprogramm Zuschüsse beantragt werden, z. B. für die Teilnahme an Freizeiten und Trainingslager, die Anschaffung individueller Sportausrüstung oder für Fahrtkosten zum Training oder zu Wettkämpfen. Vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, jedoch vor allem Hilfe, die bei den Kindern und Jugendlichen ankommt und Teilhabe ermöglicht.


Erfolgreicher Re-Start: Straßenfußball für Toleranz

Der Fair-Play-Gedanke führt durch das Turnier.

Dieses Jahr rollt endlich wieder der Ball ganz im Sinne des Fair-Play durch Hessen. Die erste Veranstaltung konnte im Mai an der Unterneustädter Schule, einer Grundschule in Kassel, stattfinden. Dank der Initiative der Sportkreisjugend Kassel und der Unterstützung des Fußballvereins CSC 03 Kassel, konnten sich die Kinder über Abwechselung, Spaß und Bewegung freuen. Dabei war neben dem Einhalten der Hygieneregeln für alle faires Verhalten das oberste Gebot. Diskriminierung und Gewalt hatten nichts auf dem Platz zu suchen, ebenso wenig das Meckern gegen Mitspieler-/innen und Schiedsrichter/-innen. Die Kinder zwischen sechs und elf Jahren spielten voller Respekt, mit Elan und spielerischem Ehrgeiz in gemischten Altersgruppen.

Am Ende des Tages waren die Rückmeldungen durchweg positiv, erinnern sich die Lehrer. „Wenn du in die leuchtenden Augen der Kinder schaust, ist das die größte Bestätigung dafür, dass wir uns richtig entschieden haben, in diesen weiterhin unsicheren Pandemiezeiten, das Turnier durchzuführen. Die Dankbarkeit der Kinder ist unglaublich und unbezahlbar.“

Nächste Runde im September
Und weil´s so schön war, können sich Kinder im August und September auf noch weitere Turniere freuen, so in Rotenburg, Darmstadt, Bürstadt und erneut in Kassel.

Die Straßenfußball Turniere für Toleranz hat die Sportjugend Hessen in dieser Form 2015 ins Leben gerufen und in normalen Zeiten finden rund 30 Turniere jeden Sommer statt. Das Angebot richtet sich an Schulen, soziale Einrichtungen und Vereine. Mit seinen mobilen Soccer Sets sorgt die Sportjugend Hessen dafür, dass an unterschiedlichen Orten aus dem Nichts ein Fußballplatz entsteht. Wunsch ist es auf Dauer, diese Turniere ganzjährig anbieten zu können.

Deshalb sucht die Sportjugend Hessen für die Durchführung dieser Fair-Play Turniere weitere Honorarkräfte, die Lust haben, Kinder und Jugendliche zu betreuen, die gerne organisieren und mobil sind.

Weitere Infos:
Markus Wehenkel, Sportjugend Hessen
Tel.: 069/6789-406, E-Mail: MWehenkel@remove-this.sportjugend-hessen.de


Der Traum von den Olympischen Spielen

Mit Hilfe von „Integration durch Sport“ ist das Ziel erreicht

Wael Shueb – beliebter Trainer, toller Lehrer, erfolgreicher Athlet (Foto: Johannes Koenig)

Wael Shueb hat sein Ziel erreicht. Er wird an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen. Der aus Syrien stammende Karatekämpfer tritt für das Olympia-Flüchtlingsteam an. Vorbereitet hat er sich auf dieses besondere Ereignis im Sportzentrum Eppertshausen.

Sport ist ein Meister der Integration
Sein Trainer Professor Dr. Ernes Erko Kalac ist selbst 1998 als Kriegsflüchtling nach Deutschland gekommen. Ursprünglich stammt der Sportwissenschaftler und Karateka aus Montengro. Zwischenzeitlich war er als Integrationsbotschafter des DOSB aktiv und ist zudem Gründer und Vorsitzender des Gesundheits- und Kampfsportvereins Lotus Eppertshausen. Der Verein – langjähriger Stützpunkt des Programms „Integration durch Sport“ - ist in den letzten Jahren auch zu Wael Shuebs sportlicher Heimat geworden.

„Die Nominierung von Wael für die Olympischen Spiele bedeutet uns allen im Verein sehr viel und wir unterstützen ihn, wo es nur geht“, jubelt Kalac. „Es herrscht eine gute, aufgeregte Stimmung und alle sind stolz darüber, dass Wael in Tokio zum Teil auch den GKV Lotus e.V. repräsentieren wird.“

Kommunikation mittels Karate
Im Ort war Wael Shueb in einem Flüchtlingshaus untergebracht: „Ich verstand damals überhaupt nichts“, erzählt er nach dem Fernsehinterview in bestem Deutsch. Hinzu kam, dass er ohne Deutschkenntnisse auch weitgehend zur Untätigkeit und zum Herumsitzen verurteilt war. Schnell wurde ihm klar, dass sich das ändern musste. Abhilfe gab es unter anderem von Monique, einer gebürtigen Französin, die in Neu-Anspach ehrenamtlich Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge gab. Zusammen mit seiner Betreuerin gab sie ihm den Tipp, zum Integrationsfestival zu gehen und sich dort Ernes Erko Kalac vorzustellen.

„Das hat er dann auch getan und so sind wir ins Gespräch gekommen. Da wir beide die Leidenschaft des Karatekampfes teilen und einen Migrations- und Fluchthintergrund haben, hatten wir sofort eine gute Gesprächsgrundlage,“ erinnert sich Kalac an ihr erstes Treffen. „Gleichzeitig ist mir beim gemeinsamen Sporttreiben sofort aufgefallen, dass er ein ausgezeichneter Kämpfer ist. Also habe ich ihn nach Eppertshausen eingeladen.“

Unterstützung von Anfang an
Und so nimmt der Werdegang von Wael Shueb seinen Lauf. Der Verein besorgt ihm eine Wohnung und setzt ihn als Trainer ein. Ein weiterer Schritt ist die Vermittlung einer Arbeitsstelle im Fitnessstudio. Sein deutsch wird immer besser und sein Alltag erhält eine Struktur. Für sein eigenes Training kommt ihm vor allem die kurze Distanz zwischen seiner Wohnung, dem Arbeitsplatz und der Trainingsstätte zu Gute.
„Wael hat schon in Syrien davon geträumt sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Diesen Wunsch haben wir von Anfang an stark unterstützt denn ich konnte sehen, dass er auch die nötige Qualität hat. Nehla Osman, eine Anwältin aus unserem Verein, hat sich um seine Anerkennung und das Bleiberecht gekümmert. Ich habe Kontakt mit dem IOC sowie dem DOSB aufgenommen. Es ist mir gelungen, dass Wael seit Juni 2019 IOC-Stipendiat ist. Das war eine optimale Voraussetzung, damit er sich intensiv auf seine Nominierung konzentrieren konnte“, so Ernes Erko Kalac. “Jetzt haben wir das Ziel erreicht und es heißt nur noch Daumen drücken“.


Neues Fortbildungskonzept in freier Natur

Sport-Coaches auf Wandertour

„Warum ist es am Rhein so schön?“ 25 Sport-Coaches diskutieren den Heimat-Begriff vor Ort.

Die Folgen der Pandemie haben schon zu manch einer guten Idee geführt. Zum Beispiel neue Formate bei den Fortbildungen. Ende Juni trafen sich 25 Sport-Coaches im Rheingau zu ihrer jährlichen Fortbildung, diesmal eingebettet in eine Wanderung bei strahlendem Wetter.

Unter freiem Himmel fühlten sich alle Teilnehmer/innen sicher und entspannt. In vielen Gesprächen während des Wanderns fand ein intensiver Austausch über individuelle Erfahrungen und Projektideen statt. Im Laufe der Zeit hat sich die Tätigkeit eines Sport-Coaches im Landesprogramm „Sport und Flüchtlinge“, finanziert vom Hessischen Ministerium des Innern und Sport, grundlegend gewandelt. Ging es am Anfang darum, für Geflüchtete Bewegungsangebote zu schaffen und ihnen so dass Ankommen zu erleichtern, liegt der Schwerpunkt mittlerweile auf Netzwerkarbeit. Es gilt, Sportvereine und Geflüchtete nicht nur auf dem Sportplatz zusammenzubringen, sondern die Motivation der Geflüchteten zu nutzen und sie für ein freiwilliges Engagement zu gewinnen.
Dass dies geling,t zeigt die Teilnahme von sieben Geflüchteten, die mittlerweile selbst als Sport-Coach aktiv sind.

Grenzen und Heimat
Neben dem Austausch machten sich die Teilnehmer/innen Gedanken um das Thema Heimat. Geologieprofessor Eckardt Stein, Sport-Coach in Riedstadt, erklärte die Geschichte des Rheingaus. Ein besonders interessanter Aspekt in Bezug auf Grenzen und Heimat ist die Tatsache, dass dieser vor 200 Millionen Jahren noch südlich des Äquators lag. Ein gutes Beispiel, das verdeutlicht, wie Grenzen willkürlich sind und dass sie von Menschen gezogen werden.
Darauf aufbauend wurde die Bedeutung dieses Wissens für die interkulturelle Arbeit diskutiert und welche Unterschiede der Begriff „Heimat“ bei Menschen mit Fluchterfahrung mit sich bringt. Anhand solcher Leitfragen wurden unterschiedliche Perspektiven gedacht und Erfahrungen in der eigenen Biographie ausgetauscht. Dies führte in Verbindung mit strahlendem Sonnenschein zu einer anderen Art von Fortbildung, die nach den Rückmeldungen der Teilnehmer/innen gerne wiederholt werden kann.


Runter vom Sofa, rauf auf die Bahn

Kooperationsprojekt „Sportabzeichen to go“ will Menschen mit Behinderung mit Treffs, Online-Trainings und Challenges für das Sportabzeichen begeistern

Mit einem Kooperationsprojekt soll das Deutsche Sportabzeichen in Hessen noch stärker als inklusives Sportangebot positioniert werden. Dabei setzen die Initiatoren auf Online-Trainings und Sportabzeichen-Treffs, die speziell auf Menschen mit Behinderung zugeschnitten sind, ergänzende Challenges – und auf eine breite Öffentlichkeitsarbeit!

Zu den Initiatoren des „Sportabzeichens to go“ gehören neben dem Landessportbund Hessen e.V. und dem Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband e.V. (HBRS) auch die Projektverantwortlichen der Inklusions-Projekte  „Wir gehören dazu“ (Special Olympics Hessen), „RinkA“ (Hochschule Fulda), „ViiAS“ (Sportkreis Darmstadt-Dieburg) und „Mit Dir inklusiv im Sport“ (Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Hessen e.V. und Sportjugend Hessen).

„Im besten Fall kann das Projekt gleich drei Ziele erreichen: Menschen mit und ohne Behinderung werden für gemeinsame Bewegung motiviert, der Mehrwert des gemeinsamen Sporttreibens wird aufgezeigt und Vereine erhalten einen Anstoß, um ein regelmäßiges inklusives Bewegungsangebot zu schaffen“, sagt Christina Haack, Referentin für das Sportabzeichen beim Landessportbund Hessen.

Warum das gelingen könnte, erklärt Ines Prokein, Mit-Initiatorin und Referentin für Nachwuchsgewinnung beim Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband e.V. (HBRS): „Das Sportabzeichen ermöglicht einen niedrigschwelligen Einstieg in den Sport, da eine Vereinszugehörigkeit kein Muss ist. Dennoch ist es gerade als Angebot für Menschen mit Behinderung noch wenig verbreitet, da die Prüferin bzw. der Prüfer zur Abnahme eine Zusatzqualifikation braucht und viele Menschen mit Behinderung gar nicht wissen, dass auch sie das Abzeichen ablegen können. Das lässt sich aber ändern!“

Und zwar mithilfe des „Sportabzeichens to go“. Getreu dem Motto „Runter vom Sofa, rauf auf die Bahn“ wollen die Initiatoren hessenweit Trainingsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung schaffen, mit denen sie sich gezielt auf das Sportabzeichen vorbereiten können. Ergänzt werden diese Angebote durch ein monatliches Online-Training – das nächste findet am Mittwoch, dem 7. Juli, statt – sowie wechselnde Challenges.

„So kann beispielsweise die Aufgabe gestellt werden, bis zum nächsten Training gemeinsam 100 Kilometer zu erlaufen oder ein bestimmtes Schrittziel zu erreichen“, erklärt Anne Effe vom Projekt „Wir gehören dazu“. Neben der Vermittlung wohnortnaher Sportabzeichen-Treffs sei es außerdem geplant, einen „rotierenden Sportabzeichen-Treff“ zu installieren, der an wechselnden Standorten in ganz Hessen explizit Menschen mit Behinderung ansprechen und zur Teilnahme ermutigen soll.

„Zudem können wir durch die vorbereitenden Online-Trainings die Wintermonate überbrücken, in denen es oftmals an alternativen Bewegungsangeboten fehlt“, ergänzt Christina Haack.

 

Weitere Informationen zum Projekt sowie eine Anmeldung zum Online-Training unter www.sportabzeichentogo.de


Kultureller Wandel

Jugendhauptausschuss im digitalen Konferenzraum

Die hohe Zahl der Teilnehmenden der Sportkreisjugenden und -Fachverbänden setzte sich beim digitalen Jugendhauptausschuss der Sportjugend Hessen Mitte Juni fort. Zeitweise waren 90 Personen dem Konferenzraum zugeschaltet. Besonders erfreulich war die große Beteiligung der Sportfachverbände und der vielen neugewählten Funktionäre und Funktionärinnen der Sportkreise.

Online-Spiele stärken das Miteinander
Die „Neuen“ trafen sich bereits am Abend vor der Versammlung. Mit einem Mix aus Informationen zur Jugendarbeit in der Sportjugend Hessen und Online-Gesellschaftsspielen fand ein erstes lockeres Kennenlernen bis kurz vor Mitternacht statt.  
„Das war wirklich ein toller Abend, der viele Möglichkeiten aufgezeigt hat, wie auch in den Sportkreisen die neu entstanden Kontakte intensiviert werden können. Es gibt einige Spiele, die die Gemeinsamkeit stärken, unabhängig von Räumlichkeiten sind und kostenfrei genutzt werden können“, stellt Hauke Jürgens, Vorstandsmitglied der Sportjugend, fest.

Neue Perspektiven
Der intensive Austausch wurde am nächsten Tag fortgesetzt. Die letzten Monate mit ihren Herausforderungen und Chancen sowie die Entwicklung neuer Perspektiven standen im Fokus der Diskussionsrunden.
„Das letzte Jahr hat gezeigt, dass sowohl online als auch in Präsenz viele Veranstaltungen möglich sind. Bei beiden Formaten gibt es Aspekte, die Berücksichtigt werden müssen und zu denen verschiedene Erfahrungen gemacht wurden“, kann Ronny Schulz, Referent für Junges Engagement und Kindeswohl im Sport, resümieren. „Wir haben den Jugendhauptausschuss genutzt, um mit unseren Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam haben wir uns für die nächsten Monate Strategien überlegt, die die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Sport weiter voranbringt.“

Gewinnbringende Kooperation
Besonders gewinnbringend zeigt sich die Kooperation mit dem Team von politik-digital e.V. Es war eine hervorragende Unterstützung in der Vorbereitung und auch der Durchführung des Jugendhauptausschusses. Auf ihre Expertise hin wurde eine Software gefunden, mit der alle Abstimmungen rechtskonform digital durchgeführt werden konnten. Die Ergebnisse aus dem Austausch werden in eine weitere Seminarreihe zum Einsatz von digitalen Mitteln in der Jugendarbeit münden, die gemeinsam mit politik-digital e.V. konzipiert und umgesetzt wird.  

„Der kulturelle Wandel ist in der Sportjugend Hessen angekommen und wird sehr gut angenommen. Die digitalen Angebote finden großen Zuspruch. Das zeigt uns, dass wir mit unserem Projekt „digital, demokratisch, dabei“ genau zur richtigen Zeit begonnen haben. Gerade in diesen Zeiten spielt die Beteiligung von jungen Menschen eine besondere Rolle. Es ist uns ein Anliegen, dies über digitale Wege weiter auszubauen und zu unterstützen,“ erläutert Marina Weisband, Beteiligungspädagogin bei Politik-digital e.V.

Der nächste Jugendhauptausschuss ist trotz der gelungenen Online-Veranstaltung in Präsenz geplant. Der Vorstand und die Delegierten aus den Sportkreisen und Sportverbänden treffen sich am 2. Oktober in der Bildungsstätte Wetzlar, um dort unter anderem einen Blick in das kommende Jahr zu werfen.


Landessportbund-Kampagne #sportVEREINtuns unterstützt Hessens 7.600 Sportvereine

Gemeinsam mit Innen- und Sportministerium und dem Hessischen Turnverband

(24.06.2021) Mit einer groß angelegten Kampagne unter der Überschrift #sportVEREINtuns will der Landessportbund Hessen e.V. (lsb h) ab sofort seine insgesamt 7.600 Mitgliedsvereine unterstützen. Dabei können die Vereine mit einem einfach zu bedienenden „Online-Werkzeugkasten“ professionell Plakate, Postkarten und Motive für die sozialen Medien gestalten und damit Werbung für ihre Angebote betreiben. Die Kampagne als solche soll den Vereinen helfen, sich sympathisch, offen, sozial kompetent und vor allem als funktionierende (Sport-)Gemeinschaft in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Unter www.lieblingsverein.de können der Werkzeugkasten und die darin hinterlegten professionellen Fotos und Vorlagen mit typischen Szenen aus dem Sportvereinsleben kostenlos verwendet werden. Kosten entstehen nur, wenn die Vereine die selbst gestalteten Plakate und Postkarten drucken lassen.

„Hinter unseren Vereinen liegen schwere Zeiten. Das meiste dessen, was den Sport im Verein ausmacht, war in den letzten eineinhalb Jahren nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Umso wichtiger ist es, dass sich die Vereine mit ihren Angeboten jetzt eindrucksvoll zurückmelden und einmal mehr die vielen positiven Seiten des Vereinssports aufzeigen“, erläuterte Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen e.V., den Hintergrund. Dabei stehen drei Botschaften im Mittelpunkt. Müller: „Wir wollen der Öffentlichkeit und potenziellen Mitgliedern zeigen, dass unsere Sportvereine Hessens Sportanbieter Nr. 1 sind. Den insgesamt zwei Millionen Vereinsmitgliedern und den über 190.000 ehrenamtlich tätigen Menschen wollen wir vermitteln: Ihr seid uns wichtig, macht weiter mit. Und allen Sportinteressierten und den vielen Partnern des Sports rufen wir zu: Im Verein macht Sport Spaß und Sportvereine sind ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft. Über all dem steht das Motto der Kampagne, nämlich #sportVEREINtuns, als verbindendes Element.“

Eine Auffassung, die Hessens Minister des Innern und für Sport, Peter Beuth, unterstreicht: „Dank steigender Impfungen und sinkender Infektionen kann das Sportland Hessen endlich wieder durchstarten. Millionen Sportbegeisterte haben jetzt die Möglichkeit, ihr geliebtes Hobby zu reaktivieren. Ob für die Gesundheit, aus Spaß an der Bewegung oder leistungsorientiert – unsere mehr als 7.600 hessischen Vereine bieten beste Bedingungen, um die Faszination Sport wieder mitzuerleben und zu genießen. #sportVEREINtuns lädt alle Hessinnen und Hessen zum Mitmachen ein: Werden Sie Mitglied und profitieren Sie von dem vielfältigen Sport- und Bewegungsangebot der Vereine. Für die vielen Ehrenamtlichen soll #sportVEREINtuns auch Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit in herausfordernden Zeiten sein.“

Neben dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport sind der Hessische Turnverband (HTV) sowie die weiteren hessischen Sportverbände und Sportkreise Partner der Kampagne. Ulrich Müller, HTV-Vizepräsident Finanzen und Wirtschaft: „Wir haben in den vergangenen Monaten erlebt, dass Turn- und Sportvereine und ihre Mitglieder in der Corona-Pandemie ausgesprochen solidarisch waren. Mit der Kampagne #sportVEREINtuns unterstützen wir die Vereine bei dieser Neustartphase und ermöglichen es ihnen, sich in der Öffentlichkeit gut zu präsentieren.“

An der Kampagne als solche beteiligen sich mehrere Landessportbünde. Alle Beiträge und Aktionen, die damit im Zusammenhang stehen, sind im Internet unter www.sportvereintuns.de zusammengeführt.

Wer mehr über spezifisch hessische Aktionen, also über das „Hessen-Special“, erfahren möchte, und was der lsb h darüber hinaus für seine Mitgliedsvereine an Informationen und Hilfestellungen bietet, kann sich unter www.landessportbund-hessen.de/sportvereintuns informieren.

Zum Auftakt der Kampagne veranstaltet der Landessportbund ein Gewinnspiel, an dem sich Hessens Sportvereine vom 1. bis 31. Juli beteiligen können. Dafür können sie über die Internetseite www.lieblingsverein.de (Reiter #SPORTVEREINTUNS, Rubrik “HESSEN”) individualisierte Social-Media-Posts mit Kampagnen-Logo erstellen. Über ihre eigenen Kanäle können sie damit auf tolle, innovative Outdoor-Aktivitäten hinweisen, die sie planen oder bereits umsetzen. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, muss der Hashtag #sportVEREINtuns verwendet sowie der @lsb_hessen (Instagram) bzw. @lsbh.de (Facebook) verlinkt werden. Zusätzlich kann der jeweilige Sportverband verlinkt werden, im Falle des Hessischen Turnverbandes wäre dies @hessischer.turnverband (Instagram) und @HTV/HTJ (Facebook). Zu gewinnen gibt es fünf Outdoor-Boxen im Wert von mindestens 500 Euro! Zusätzlich werden 20 Gutscheine im Wert von je 30 Euro für lieblingsverein.de verlost! Die Teilnahmebedingungen finden Vereine unter www.landessportbund-hessen.de/sportvereintuns.

Elena Möller, HTV-Vizepräsidentin Organisation und Vereinsentwicklung: „Wir freuen uns sehr über alle Vereine, die beim Kampagnenstart in Hessen dabei sind und ihre ersten Outdoor-Motive in ihrem Verein mit uns teilen. Macht mit und zeigt uns und allen Sportbegeisterten in Hessen, wie toll Sport im Freien sein kann.“


Sportjugend Hessen hat ihre Fachbereiche neu geordnet

(07.06.2021) Wer auf die Internetseite der Sportjugend Hessen geht, wird feststellen, dass es dort einige Veränderungen bei der Bezeichnung der Referate und den Themen gibt.

So finden sich in dem neu geschaffenen Referat „Jugendbildung und Qualifizierung“ jetzt die Themenfelder Ausbildung, Freiwilligendienste und außerschulische Jugendbildung wieder. Bewegungsförderung und Gesundheit, Schule und Sport, Freizeitsport, Jugendreisen und Internationale Jugendarbeit gehören zum neuen Referat „Sport, Bewegung und Erlebnis für junge Menschen“. Die früheren Referate „Vereinsservice Kinder und Jugendliche, Sportkreis- und Verbandsbetreuung“ und „Soziale Kompetenzen und Erziehung im Sport“ gehen in dem neuen Referat „Junges Engagement und Kindeswohl im Sport“ auf. Unverändert bleibt das Referat „Sport- und Jugendpolitik“, zu dem auch die Projekte „DemoS! – Sport stärkt Demokratie“ und „MotuS! – Demokratie braucht Bewegung“ gehören.

Neben einer logischen Neuordnung nach Arbeitsschwerpunkten und Themen war es auch Ziel der Sportjugend Hessen, gesellschaftliche Veränderungen mit zu berücksichtigen. So ist das frühere Referat Integration um den Themenbereich Inklusion erweitert worden und nennt sich nun „Vielfalt im Sport“. Hier finden z. B. die Betreuung des inklusiven Juniorteams oder auch queere Jugendarbeit ihren Platz.

„Bei allem geht es auch um eine bessere Orientierung für unsere Zielgruppen, wenn sie nach einem Angebot oder Thema suchen“, so Andreas Roll, einer der Bildungsverantwortlichen bei der Sportjugend Hessen.

Auf der Internetseite sind die neuen Referatsbezeichnungen und die veränderten Zuständigkeiten unter „Referate und Ansprechpartner*innen“ zu finden. Es ändern sich zwar einige Ansprechpartner*innen, aber alle Angebote und Serviceleistungen der Sportjugend Hessen bleiben erhalten.






In Sichtweite zum Camp Edersee - Endlich wieder Zelten

Sportjugend Hessen übernimmt den Betrieb des neuen Kinder- und Jugendzeltplatzes im Nationalpark Kellerwald-Edersee bei Herzhausen

(18.05.2021) Seit nunmehr 15 Jahren gibt es am Edersee die Jugendbildungsstätte „Sport-, Natur- und Erlebniscamp“ der Sportjugend Hessen. Davor befand sich auf dem Areal ein Zeltlager, dass seit 1958 von der Sportjugend Hessen in den Sommermonaten betrieben wurde. Die positiv besetzten Erinnerungen an das Zeltlager sind bei langjährigen Stammgästen immer noch präsent und viele haben es vermisst. Jetzt endlich ist es wieder soweit und das Zelten mit Blick auf den See ist für Kinder und Jugendgruppen wieder möglich.

Der neue Kinder- und Jugendzeltplatz bei Herzhausen, der auch noch einen Namen erhalten soll, liegt 1,5 km Luftlinie vom Camp entfernt, auf der anderen Seite des Edertals. Der Platz und das Betriebsgebäude wurden vom Landkreis Waldeck-Frankenberg grundlegend saniert und kürzlich an die Sportjugend Hessen verpachtet. „Wir sind sehr froh, dass wir mit der Sportjugend Hessen einen verlässlichen Partner für den Betrieb des Jugendzeltplatzes gewinnen konnten“, so der 1. Kreisabgeordnete Karl-Friedrich Frese bei der „Schlüsselübergabe“ Ende April (2021).
„Für mich bedeutet die Betriebsübernahme in zweifacher Hinsicht ein „zurück zu den Wurzeln““, freut sich Holger Gertel, Leiter des Camp Edersee, „Ich kenne das alte Zeltlager der Sportjugend noch aus meiner Zeit als Zivildienstleistender und Zelten, das ist die einfachste Form der menschlichen Behausung, die einen direkten Kontakt zur Natur herstellt. Besonders Kinder und Jugendliche können d dabei so viel erleben und nachhaltige Erfahrungen machen.“

Zeltplatz auf drei Plateaus mit Erlebnisgarantie
Der Kinder- und Jugendzeltplatz hat eine Kapazität für ca. 45 Personen. Er liegt auf der nördlichen Seite der Eder und befindet sich in einer traumhaften Lage mitten im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Gezeltet werden kann auf drei Plateaus. Um den Einstieg ins „Zeltleben“ zu erleichtern, haben die Gäste die Möglichkeit, sich Zelte, Schlafsäcke und Isomatten auszuleihen. Der Aufbau der Kleinzelte für vier oder sechs Personen erfolgt dann natürlich in Eigenregie. Es können aber auch eigene Zelte mitgebracht werden. Zum Zeltplatz gehören ein großer überdachter Unterstand, sanitäre Anlagen, ein Grill sowie eine Lagerfeuerstelle. Die Selbstversorgerküche ist u. a. mit Kühlschrank, Herd, Kaffeemaschine und Wasserkocher ausgestattet. Ebenfalls gibt es eine Grundausstattung an Töpfen, Geschirr und Besteck. Das Team vom Camp Edersee bietet aber auch Vollverpflegung an, so dass sich die Gruppen voll auf ihr eigenes Programm konzentrieren können.
Der Zeltplatz kann prinzipiell von allen Kindern- und Jugendgruppen mit einer pädagogischen Begleitung, etwa Jugend- und Übungsleiter*innen oder Lehrer/-innen und Programm gebucht werden. „Für mich ist dies ein Ort, der hervorragend geeignet ist für außerschulische Bildungsarbeit. Bei gemeinsamem Kochen, der Organisation des Lagerlebens und zahlreichen Aktivitäten, wie Wasseruntersuchungen an der Eder, Fahrradfahren oder Bogenschießen können sich junge Menschen wunderbar weiterentwickeln“, so Gertel. „So üben sie sich etwa in Empathie, Toleranz und einfachen demokratischen Abläufen.“

Das Team vom Camp Edersee hat unter der Federführung der pädagogischen Leitung Romy Backhaus, neue und zeltplatzspezifische Bildungsprogramme und Aktivbausteine entworfen wie etwa „NaturRaumErlebnis“ und „Sport und Erlebnis“. „Selbstverständlich sind dabei Bewegung und Sport weiterhin zentral, aber auch die Natur spielt eine wichtige Rolle. Es geht um Wahrnehmung und Naturschutz, Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte oder auch Ernährung“, erklärt Romy Backhaus. Dem Team liegt es außerdem am Herzen, dass alle Besucher möglichst wenig Müll produzieren und - wie schon in den Bergen üblich – ihren Müll wieder mitnehmen und sachgerecht entsorgen.

Wegen Corona zunächst nur an eine Gruppe auf dem Zeltplatz
Sobald die aktuelle pandemische Lage es zulässt, können regelmäßig Bildungsveranstaltungen und Freizeiten mit Zeltübernachtung über die Sportjugend Hessen gebucht werden. Doch zunächst wird der Zeltplatz immer nur an eine Gruppe vermietet. „Das hat vor allem mit Corona zu tun“, erläutert Holger Gertel. „Es gibt uns aber auch die Möglichkeit auszuloten, was an diesem Standort möglich und vor allem tragfähig ist. Die ersten Gäste werden hoffentlich bereits im Juli kommen. Wir erwarten eine inklusive Gruppe.“  

Auf jeden Fall freut sich das Team vom Camp Edersee darauf, Kinder und Jugendliche an dem neuen Standort der Sportjugend Hessen willkommen zu heißen.

Mehr Informationen, Preise, Programme und Aktivbausteine finden sich im hier: https://www.sportjugend-hessen.de/camp-edersee/


Gewinn für mich – Gewinn für andere

Jetzt für die Freiwilligendienste im Sport (in Hessen) bewerben

Auf dem Weg in den Freiwilligendienst.

(14.05.2021) Jahr für Jahr entscheiden sich junge Menschen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Sportverein. Die Sportjugend Hessen als Trägerin des Sport-Freiwilligendienstes begleitet seit bald 20 Jahren junge Frauen und Männer auf ihrem Weg, mehr Verantwortung für sich und für andere zu übernehmen.

Viele junge Menschen wünschen sich eine Auszeit nach der Schule. Sie wollen neue Erfahrungen sammeln und sich gesellschaftlich engagieren oder einmal was ganz anders machen, bevor es mit Ausbildung oder Studium losgeht. Aus dem aktuellen Jahrgang mit 170 Freiwilligen erzählt Lara: „Nach der Schule war ich mir unsicher, was ich machen soll. Ich habe schon immer gerne Kinder trainiert, wollte die Vereinsarbeit kennenlernen und damit war das FSJ für mich die optimale Lösung.“ Lara ist im Einsatz beim TV Königstädten im Kreis Groß-Gerau. „Die Zeit ist für mich bereichernd, weil ich mich in verschiedener Hinsicht neu kennenlerne. Ich durfte frischen Wind in den Verein bringen und auch meine eigenen Ideen umsetzen. Vor allem aber lernte ich die Kinder an der Förderschule kennen und schätzen, was für meine Zukunft wichtig sein wird. Ohne mein FSJ hätte ich diese Chance nicht bekommen.“

Auszeit für neue Erfahrungen
In diesen Pandemiezeiten ist auch die Vereinswelt nicht mehr die, die sie mal war. Der aktive Sport wurde fast komplett ausgebremst, viele der ursprünglichen Aufgabenstellungen der Freiwilligen fielen weg, neue mussten geschaffen werden. Doch der Sportjugend Hessen ist es gemeinsam mit den Einsatzstellen gelungen, trotz Einschränkungen den Dienst der Freiwilligen aufrecht zu erhalten und weiterhin mit interessanten Aufgaben zu füllen.
Und wie sich herausstellte, oft sehr zum Nutzen aller Beteiligten. „Klar war die ein oder der andere zunächst enttäuscht über etwas mehr Büroarbeit“, weiß Sadia Biladama, die im Vorstand der Sportjugend Hessen für die Freiwilligen zuständig ist. „Doch dann konnten viele Freiwillige gerade wegen der Pandemie mit ihren digitalen Kompetenzen glänzen. Sie haben Challenges kreiert, Online-Meetings und -Sportkurse auf den Weg gebracht, Trainingseinheiten und Bewegungspausen als Videoclip in Netz gestellt und für die Vereine die Homepage aktualisiert.“

Corona hat mich gelehrt, wie wichtig Vereinssport für Kinder und Jugendliche ist
Referatsleiter Rainer Seel ist erstaunt, welche positiven Effekte die Coronazeit dann doch hat: „Was die jungen Leute an Online-Formaten mit geschaffen haben, das bleibt, denn schließlich sind wir ja mitten drin in der Digitalisierung. So ist eine spannende Kombi aus Online- und Präsenzangeboten auch für die Zukunft entstanden. Und die Freiwilligen konnten dazu beigetragen, dass durch die neuen Online-Formate auch Menschen, die immobil sind, wieder mehr teilhaben können. Auch das Thema Nachhaltigkeit haben sie mit nach vorne gebracht, denn so mancher Weg wurde ja durch das umfangreiche Digitalangebot überflüssig gemacht.“

Auch Lara vom TV Königstädten kann der Pandemie Positives abgewinnen: „Corona hat mich inspiriert, noch kreativere Lösungen für bevorstehende Herausforderungen zu suchen. Außerdem hat es mich gelehrt, was für eine große Rolle der Vereinssport für Kinder und Jugendliche spielt und welchen großen Beitrag wir als Freiwillige täglich dazu leisten können.“

25 Bildungstage besucht jede*r Freiwillige und erlebt diese hoffentlich auch bald wieder in Präsenz, wünscht sich Rainer Seel. „Ich hoffe, wir können im Sommer wieder in einen halbwegs „normalen“ Jahrgang starten und der wird dann bereichert sein durch viele Erfahrungswerte, die wir aus der Krise gewonnen haben. Und auch die digitalen Errungenschaften bleiben uns ja erhalten.“
Eine Basis für ein gesellschaftliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft
Um die Entscheidung für ein FSJ und den BFD im Sport noch zu erleichtern, können junge Menschen wahlweise am 1. September oder schon ab dem 1. August ihren zwölfmonatigen Dienst beginnen. Und neben den Bildungstagen können alle Teilnehmenden im FSJ, ggf. auch im BFD eine kostenlose Übungsleiterausbildung „Breitensport, Profil Kinder und Jugendliche“ absolvieren und mit Lizenz abschließen.
Ab sofort können sich Interessierte hier www.sportjugend-hessen.de/freiwilligendienste/ informieren und sich bewerben.


Demokratiebildung ist genauso wichtig wie Mathe und Deutsch

Demokratie lernen und gestalten (Foto: amgrafik)

(11.05.2021) Welche Konsequenzen ziehen wir aus der Pandemie? Auf diese Fragestellung möchte das hessische Bündnis „Demokratiebildung nachhaltig gestalten“, zu denen die Sportjugend Hessen als Gründungsmitglied zählt, verstärkt die Aufmerksamkeit lenken. In einem (digitalen) Pressegespräch haben Kinder- und Jugendexpert/-innen des Bündnisses eine Stellungnahme zur Wichtigkeit von Demokratiebildung in Pandemiezeiten vorgestellt. Sie appellieren an Vereine, Schulen und Jugendeinrichtungen, aber auch an die Politik und die zuständigen Ministerien regelrecht einen Neustart für eine Zeitenwende zu inszenieren – einen Neustart, der die Erfahrungen aus der Pandemie als Chance begreift.

Restart ritualisieren
„Die junge Generation muss wieder neu gewonnen werden,“ brachte es der Erziehungswissenschaftler Prof. Benno Hafeneger auf den Punkt. „Und wir müssen sie mitreden lassen.“ Die Aussage zahlreicher Wissenschaftler/-innen, dass eine ganze Generation drohe, verloren zu gehen, halten er und die anderen Expert/-innen nicht für übertrieben.
„Warum kann es nicht zeitnah Demokratie-Workshops in Schulen und anderen Jugendeinrichtungen geben? Warum sollen Kinder nicht in ihrer Einrichtung ihr Ferienprogramm für den Sommer mitgestalten?“ Benno Hafeneger rät außerdem: „Schulen sollten klug sein und einen ‚Restart‘ ritualisieren, für Aufbruchstimmung sorgen, z. B. mit einem Schulfest.“ „Und in den Sportvereinen könnten nicht nur die Mitglieder und ihr engagiertes Umfeld ein großes Sportfest planen, sondern der ganze Ort könnte mit einbezogen werden“, schlägt Angelika Ribler vor, die bei der Sportjugend Hessen das Referat Jugend- und Sportpolitik leitet. „So könnte den Vereinen als Ort für alle wieder neues Leben eingehaucht werden.“ Dies erweitere, so Ribler weiter, „den Blick bei der Wiederbelebung des Sports, bei dem es nicht nur um Schnuppermitgliedschaften oder finanzielle Unterstützung von Sportvereinen gehen sollte.“

Sport ist mehr als Bewegung
Wie andere Jugendeinrichtungen, hat auch der Sport viele junge Menschen verloren. Bisher sind mehr als 44.000 Kinder bis 14 Jahren aus den hessischen Sportvereinen ausgetreten bzw. von ihren Eltern abgemeldet worden. „Dabei ist Sport doch so viel mehr als nur Bewegung. Sportvereine sind vor allem auch Orte des Treffens und vieler demokratischer Prozesse“, gibt Ribler zu bedenken.
„Wenn wir uns nicht anstrengen, bekommen wir die jungen Menschen nicht wieder“, stellt die Expertenrunde fest. „Schon vor der Pandemie ging den Organisationen des Bündnisses die Demokratiebildung nicht weit genug. „Jedes Kind sollte (Alltags-)Demokratie erleben und in der Schule unter fachlicher Anleitung reflektieren, um seine Persönlichkeit zu stärken. Das ist so wichtig wie die Kernfächer Mathe und Deutsch“, findet Helmolt Rademacher von der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe), Landesvertretung Hessen. „Auch sollte Demokratiebildung verbindlicher Teil der Lehrerausbildung sein. Denn wie sich in der Pandemie schnell herausstellte, waren viele Lehrkräfte nicht vorbereitet und Kinder mussten irgendwie mit den Veränderungen umgehen, konnten selbst aber gar nicht mitreden.“

Zauberwort Beteiligung
Beteiligung ist für alle Jugendexpert/-innen das Zauberwort. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Kinder und Jugendliche in dieser Pandemiekrise nicht gefragt wurden, wie es ihnen geht und was sie sich wünschen. Das bestätigt auch Angelika Ribler nach einer von der Sportjugend Hessen initiierten Umfrage von Kinder- und Jugendsportgruppen aus hessischen Vereinen. Jugendforscher Benno Hafeneger betont nachdrücklich: „Alle jungen Menschen haben es verdient, Demokratie zu lernen und die Generationenfolge mit zu gestalten.“
„Auch außerschulisch ist es wichtig, dafür Raum zu bieten“, weiß Christa Kalesch vom Verein Makista, der sich für die Verwirklichung der Kinderrechte in Bildungseinrichtungen engagiert. „Demokratie ist etwas Lebendiges und braucht konstruktives Mitdenken, auch von Kindern und Jugendlichen. Wir im Bündnis stehen als Ansprechpartner mit unserer Expertise zur Verfügung, auch der Politik.“


Erfolgsmodell Präventionsprojekt Kindeswohl

Alle freien Vereinsplätze an dem bundesweit einmaligen Modellprojekt sind belegt.

(11.05.2021) Mit dem Projekt „Kindeswohl im Sport – Schützen/Fördern/Beteiligen in Sportkreisen und Vereinen“ soll eine Kultur des Hinschauens entwickelt werden. Das sensible Thema der Kindeswohlgefährdung soll noch mehr ins Bewusstsein ihrer Mitglieder rücken. Die Sportjugend Hessen leistet hier Starthilfe und unterstützt dabei, individuelle Schutzkonzepte auf den Weg zu bringen. Schulungen und Seminare geben zusätzlichen Input. Das Modellprojekt startete Mitte 2019 und wird vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport gefördert.

„Das Thema Kindeswohl soll eine gewisse Normalität bekommen“, wünscht sich Heiko Heger, einer der Projektberater und Kindeswohlexperte der Sportjugend Hessen seit vielen Jahren. „Der Sport ist nun mal keine Insel der Glückseligen“, so Heger, „auch nicht bei uns in Hessen. In vielen Vereinen gibt es zunächst ein ungutes Gefühl bei dem Thema sexualisierte Gewalt. Viele denken: Bei uns doch nicht! Dann braucht es im Verein eine Person, die das Thema angehen mag und zunächst den Vorstand überzeugt. Denn Kindeswohlgefährdung geht uns alle.“

Kindeswohl geht alle an – der Sport ist keine Insel der Glückseligen, auch nicht in Hessen
Diese Aufgabe hat zum Beispiel Thomas Rosa in seinem Heimatverein TG Camberg im Landkreis Limburg-Weilburg übernommen. Hier gibt es sogar die Besonderheit, dass sich mit Maria Stillger eine zweite Ansprechpartnerin engagiert. Der Verein hat 2.000 Mitglieder, fast jedes dritte Mitglied ist unter 18 Jahren. „Ich fand es wichtig etwas Konkretes zu tun, denn das Thema schlummert in den Menschen, erst recht nach den Skandalen bei den Kirchen oder nach den Untersuchungen im Leistungssportbereich. Das Thema hat jetzt bei uns im Verein mehr Aufmerksamkeit.“

Die beiden Kindeswohlbeauftragten haben zwei Online-Schulungen für die Übungsleiter/-innen der TG Camberg organisiert, die sehr gut besucht waren. „Auch war es erfreulich, dass die Teilnehmenden sehr leicht für das Thema zu sensibilisieren waren“, so Stillger und Rosa. „Wir sehen uns als Vermittler, und es fühlt sich gut an, für den Fall, dass es zu unangenehmen Fragen oder gar Verdachtsmomenten kommt, die professionelle Begleitung seitens der Sportjugend Hessen im Rücken zu haben.“ Die Beiden versuchen, für das Kinderschutzthema auch Partner in ihrer Stadt zu gewinnen, und sobald es die Coronaauflagen zulassen, planen sie einen Elternabend in Präsenz zu veranstalten.

Hinsehen, Handeln und nicht verharmlosen
Bei dem Projekt geht es vor allem darum, genauer zu beobachten, Kindern zuzuhören, ihre Gefühle besser zu verstehen. Aber auch darum den Mut zu haben, zu handeln, wenn etwas verdächtig erscheint. „Doch es muss auch möglich sein, authentisch zu bleiben und nicht Angst vor jeder Berührung zu haben“, erklärt die bei der Sportjugend Hessen zuständige Referentin Ann-Kristin Pieper. „Z. B. wenn ein Kind Trost braucht. Man kann das Kind fragen, ob es in den Arm genommen werden möchte.“ Den Vereinen rät sie: „Stellt klare Verhaltensregeln und Leitlinien auf, die allen geläufig sind und zu denen sich alle bekennen müssen: Vorstand, Eltern, Sportler und Trainer. Das gibt Sicherheit und Vertrauen, und die Kinder werden selbstbewusster, wenn sie wissen, dass ihre Anliegen respektiert werden.“

Die Sportjugend Hessen unterstützt mit Handlungsleitfäden, Mustervorlagen für ein Kindeswohlkonzept und empfiehlt, die Ansprechpartner im Verein bekannt zu machen, ihre Kontaktdaten auszuhängen und sie auf der Vereins-Homepage vorzustellen.
„Wir entwickeln das Thema Kindeswohl immer weiter “, erzählt Projektberater Heiko Heger, „denn es geht nicht nur um sexualisierte Gewalt. Auch Beleidigungen und Mobbing in der Gruppe können eine große seelische Belastung sein und in Zeiten von Smartphones schnell ausarten.“ Die Begleitung und Beratung für die Vereine und Sportkreise dauert durchschnittlich ein Jahr. „Es kommt immer darauf an, wie weit die Vereine schon sind. Wir geben quasi „Starthilfe“ und dann sollen die Vereine eine Basis haben, um alleine weitermachen.“

Am Modellprojekt „Kindeswohl im Sport – Schützen/Fördern/Beteiligen“ nehmen die Sportkreise Hochtaunus, Groß-Gerau, Lahn-Dill, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg teil sowie mehr als 20 Vereine über ganz Hessen verteilt.

Mehr zum Thema und zu den beteiligten Projektvereinen: www.kindeswohl-im-sport.de