Aktuelles aus der Sportjugend


Es läuft und läuft...

20 Jahre Freiwilliges Soziales Jahr im Sport in Hessen

Das FSJ im Sport erfährt in Hessen dieses Jahr eine besondere Beachtung. Vor genau 20 Jahren, im September 2001, hat mit einer einzigen Freiwilligen und einer Einsatzstelle eine Erfolgsgeschichte begonnen. Heute steht das FSJ als solides Modell da - mit jährlich um die 200 Freiwilligen.
Gleich in den ersten Jahren erfuhr das FSJ im Sport ein enormes Wachstum. Schon nach wenigen Jahren sind es über hundert Stellen gewesen, an denen junge Menschen in Sportvereinen, Sportkreisen und -verbänden ihren hilfreichen Dienst ableisten konnten. „Für sie selbst ist diese Zeit prägend für ihre Zukunft. Sie hilft in der Orientierungsphase, um sich nach der Schule für einen Berufsweg  zu entscheiden, und die jungen Menschen lernen enorm viel auch im Austausch mit den anderen Freiwilligen, ein toller Schub also für die Persönlichkeitsentwicklung“, freut sich Rainer Seel, der von Anfang an bei der Sportjugend Hessen verantwortlich ist für das FSJ.

Seit einigen Jahren hat sich die Zahl der besetzten Stellen in Hessen auf etwa 200 pro Jahrgang eingependelt. „Das FSJ und der später dazugekommene Bundesfreiwilligendienst sind bei sportlichen jungen Menschen beliebt wie eh und je. Nicht selten bleiben sie den Vereinen erhalten oder finden durch ihre Aufgaben ihre Bestimmung“, so Seel.

Das Jubiläum wird in den kommenden Wochen besonders gewürdigt, mit einer intensiven Berichterstattung auch in den sozialen Medien. „Wir freuen uns auf Geschichten und Menschen aus den letzten 20 Jahren Freiwilligendienst. Den Freiwilligen des kommenden Jahrgangs, den Einsatzstellen und auch meinem Team wünsche ich von Herzen eine möglichst pandemiefreie Zeit und den persönlichen Kontakt, wann immer möglich.“


Zehn Jahre MINT Girls Camps in Hessen

Eine Erfolgsgeschichte geht in die letzte Runde

MINT Girls Camps: Praktikum mit Persönlichkeitsbildung

Tagsüber drehen, fräsen und schleifen und abends mit Gesichtsmaske und neu gewonnenen Freundinnen einen Wellness- und Entspannungsabend genießen. Das ist die bewährte Rezeptur für die Mädchen im MINT Girls Camp. Sie schnuppern in Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik hinein und haben gleichzeitig eine coole gemeinsame Ferienzeit. Eine Woche lang verbringen Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren in den MINT Girls Camp von Sportjugend Hessen und Provadis – Partner für Bildung & Beratung. In unterschiedlichen Betrieben sammeln sie praktische Erfahrungen z.B. beim Herstellen eigener Werkstücke. Den Kontakt zu den Betrieben stellt Provadis her bzw. bietet eigene Praktikumsplätze für die MINT Girls an.

Ziel der Sportjugend ist es, mit gezielten Bewegungs- und Entspannungsangeboten nicht nur für ein gutes Körpergefühl sorgen, sondern auch darüber hinaus die Mädchen zu stärken. So trainieren sie beim Ringen den Umgang mit Regeln und den Respekt vor ihrer Gegnerin zu haben. Sie tanken Selbstvertrauen und lernen Wichtiges aus der Arbeitswelt. Die Mädchen üben sich in der Kunst des Präsentierens und reflektieren auch Rollenbilder, mit denen sie in der oft männlich geprägten technischen Arbeitswelt konfrontiert werden. Sie stärken ihre Persönlichkeit und dürfen doch ganz Mädchen sein.

Laura, Anne und Ann-Kathrin können sich auch zehn Jahre später noch gut an ihre MINT-Girls Camps erinnern. Sie fanden die Balance zwischen Praktikum, Bewegungsangeboten und Freizeitspaß genau passend. Ann-Kathrin denkt gerne an die Zeit zurück: „In der Schule war ich immer etwas unsicher, weil ich als einziges Mädchen in meiner Klasse lieber einen Männerberuf ausüben wollte. Beim Camp auf andere Mädchen zu treffen, die meinen Wunsch teilten, hat mich beruhigt und bestärkt ihn weiterzuverfolgen.“ Heute arbeitet die Chemielaborantin in der Forschung und Entwicklung für Industrieklebstoffe und auch Johanna hat das Camp den richtigen beruflichen Weg gewiesen, nach einem Studium der Wirtschaftschemie will sie in Chemie promovieren.

Mutmacher mit naturwissenschaftlichen Nebenwirkungen
Das aktuelle MINT Nachwuchsbarometer, herausgegeben von der Körber Stiftung und acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, fasst die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten der Nachwuchssituation im MINT Bereich zusammen. Demnach fehlt es dem Nachwuchs an grund-legenden naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Die Mädchen haben die Jungs, was die schulischen Leistungen angeht, längst überholt. In den Ausbildungen setzt sich dies fort, bestätigt auch Jens Dembowski, Leiter der VW-Akademie in Baunatal.
Angesichts der enormen Aufgaben des 21. Jahrhunderts wie Pandemie-Bekämpfung, Klimaschutz und digitale Transformation halten er und andere Experten innovative Lösungen und MINT Expertise für wichtiger denn je.

Die Teamerinnen der Sportjugend sind mit Bedacht ausgewählt und pädagogisch gut aufgestellt. Jedes Jahr treffen sie sich zu Schulungen und Teamtreffs. Dass das möglich und finanziell gesichert ist – der Eigenanteil der Mädchen für eine Campwoche beträgt nur 50,- Euro - verdanken die Teilnehmerinnen verlässlichen Förderern und Unterstützern.

Das Projekt geht jetzt mit den fünf Camps in den Herbstferien in die letzte Runde. Das MINT Girls Camp wird gefördert aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen und der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds sowie durch die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. Nach einem Förderzeitraum von zehn Jahren geht es im Herbst zu Ende. Dann werden insgesamt rund 1.500 Mädchen von dem Projekt profitiert haben.

Termine MINT Girls Camps:
10.10. – 15.10.21 Kassel, Fulda und Marburg
17.10. – 22.10.21 Hanau und Offenbach
Anmeldung unter www.mint-girls-camps.de


Spiel und Spaß zum Anfassen

Begeisterung bei der Jugend-Roadshow

Bogenschießen als Attraktion für alle (Foto: Philipp Pawlik)

Endlich mal kein Home-Schooling und -Office und keine Video-Chats und E-Mails. Nach eineinhalb Jahren Zwangspause konnten die Sportkreisjugenden Schwalm-Eder, Kassel und Waldeck-Frankenberg im August wieder für Action sorgen.

Mit der Jugend-Roadshow luden sie zu einem Sport-, Spiel- und Bewegungsaktionstag ein. Das Sportsfun-Team der Sportjugend Hessen sorgte mit seiner mobilen Kletterwand, dem Baseball-Käfig, Bogenschießen, Frisbee und einigen Ball- und Geschicklichkeitsspielen für ein vielfältiges Angebot. Kinder und Familien in Melsungen und Diemelstadt-Rhoden dankten es ihnen waren mit je rund 100 Teilnehmer/-innen begeistert dabei. Beim Tourstopp in Kassel kamen rund 70 Teilnehmende im Rahmen der Ferienspiele des Salvador Allende-Jugendzentrums.

Attraktives Konzept
Das Konzept der Roadshow kam an allen Standorten gut an, Betreuer-/innen wie Kinder freuten sich endlich wieder über sportliche Herausforderungen. „Der Tag ist sehr gut gelaufen, wir haben uns gefreut, dass so viele da waren. Was wir in vielen Gesprächen mit Eltern und Kindern und haben ganz klar rausgehört wie froh alle waren, dass endlich mal wieder was stattfindet“, erzählt Sarah Janassek vom Jugendvorstand des Sportkreises Melsungen. „Für uns ging der Tag vorbei wie im Flug, die angebotenen Stationen hatten einen so großen Aufforderungscharakter, dass wir häufig gar nichts erklären oder animieren mussten. Auch einige Eltern haben fleißig mitgemacht."

Eine ganz besondere Umgebung bot der Termin in Diemelstadt-Rhoden. Mit der Liegewiese des Freibades stellte der Vorsitzende des Fördervereins-Walmebad Helmut Butterweck die perfekte Location zur Verfügung. „Das Bad kennen unsere Gäste natürlich, aber was die Sportjugend zusätzlich geboten hat, war eine wirkliche Bereicherung und eine echt runde Sache", freute sich Butterweck. Auch das Team der Sportkreisjugend Waldeck-Frankenberg erlebte einen rundum gelungenen Tag.
„Es hat nicht nur den Kindern Spaß gemacht, auch wir Betreuer konnten mal eine Station ausprobieren", meinte Leo Schöpgens vom Juniorteam. Das fand auch Jugendwart Benedict Geise klasse. „Es war eine geniale Veranstaltung und insgesamt einfach ein schöner Tag. Gerade nach der langen Corona-Pause war es auch für uns schön, wieder gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten."

Termine noch bis Ende Oktober
Die Jugend-Roadshow ist als sportlicher Aktionstag und als Begegnungsangebot konzipiert. Kinder, Jugendliche und auch interessierte Eltern sollen die Möglichkeit bekommen, ungezwungen Bewegungsangebote auszuprobieren und ins Gespräch kommen. Für die Teilnehmenden geht es also nicht nur darum, sich zu bewegen, sondern auch um die Chance, sich in einem neuen Umfeld zu engagieren, die Sportkreisjugend kennenzulernen und dort mitzumachen.

Noch bis Ende Oktober sind weitere Aktionstage der Jugend-Roadshow für interessierte Vereine, Verbände oder Sportkreise möglich, selbstverständlich mit Hygienekonzept.

Kontakt: Ronny Schulz, Tel.: 05 61.73 90 342


Endlich wieder losgelöst!

Sportjugend Hessen freut sich über erfolgreiche und komplett ausgebuchte Sommerfreizeiten

Nach einer anderthalbjährigen pandemiebedingter Reisepause und Verzicht auf Sommer- und Winterfreizeiten, konnte das Jugendreise-Team der Sportjugend in diesen Sommerferien mehr als 250 Kinder und Jugendliche glücklich machen und ihre Eltern gleich mit. Mit einem neuen Reisekonzept, besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen und sogar einigen neuen Reiseangeboten konnte der Sommer 2021 erfolgreich durchstarten. 
Selbst kurzfristige Reisealternativen, wenn die Zielregionen mit zu hohen Inzidenzwerten zu kämpfen hatten, hat das Team anbieten können. So wurde die Spanienreise z. B. kurzer Hand nach Kroatien verlegt oder der Segeltörn in Holland nach Deutschland verschoben.

Das Reiseprogramm war wie gewohnt bunt. So ging es in diesem Jahr zu Fuß über die Alpen, mit dem Segelboot über die Ostsee, zu den azurblauen Badebuchten Kroatiens, zum wellenreichen Surfen an die französische Atlantikküste oder zum Dance- und Kindercamp in die Bildungsstätte der Sportjugend Hessen in Wetzlar.

Kein Gelingen der Sommerfreizeiten ohne das Engagement der rund 100 ehrenamtlichen Teamer/-innen! Diese hatten sich im Frühsommer in mehreren Online- und Präsenzseminaren auf ihre besonderen Aufgaben als Jugendreisebetreuer/-innen vorbereitet und das neue Reisekonzept zusammen mit dem hauptamtlichen Team gestaltet. Hierbei spielte der Umgang mit der Pandemiesituation und die deshalb erforderlichen Hygieneregeln eine besondere Rolle.

Positive Rückmeldungen von Eltern wie nie zuvor
„Wir sind zu einer großartigen und motivierten Gemeinschaft zusammengewachsen und das in dieser Pandemiezeit“, freut sich Tim Döring, der für die Jugendreisen zuständige Referent. „Und auch die Eltern der jungen Teilnehmer/-innen haben das mehr als geschätzt. So viel Dank, Glückwünsche und positive Rückmeldungen wie in diesem Jahr haben wir noch nie bekommen. Die intensive Vorbereitung und auch der Mut, wieder Auslandsreisen anzubieten, haben sich definitiv ausgezahlt.“

Das neue Konzept rückt neben dem Sport auch Bildung und die gesellschaftliche Verantwortung etwa beim Klimaschutz und mehr Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der Jugendreisen. So ist in diesem Jahr z. B. gänzlich auf Reisen mit dem Flugzeug verzichtet worden und auch nachhaltige Selbstversorgungskonzepte konnten erprobt werden. Die Teilnehmenden halfen vor Ort, regionale und saisonale Produkte einzukaufen und haben sie dann gemeinsam mit ihren Betreuer/-innen zubereitet. Außerdem verpackte die Sportjugend Hessen Teile der vom DOSB anerkannten Übungsleiterausbildung „JULEICA im Sport“ mit in die Freizeitprogramme, so dass die Teilnehmenden mit viel Spaß, Sport und Teilhabe bereits ein Drittel der Ausbildung absolviert haben.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz als Teil des Reisekonzepts
Der sportliche „Wow-Effekt“ während der Jugendreisen durfte natürlich auch nicht fehlen. Und so gehören die gemeinsame Vollbesegelung „unseres“ Dreimasters „Albert Johannes“, die Überquerung von insgesamt knapp 10.000 Höhenmeter mit großartigen Ausblicken über die Alpen oder auch die ersten Stehversuche auf dem Surfboard sicherlich dazu.
„Der Erfolg des neuen Reisekonzepts zeigt, dass die Sportjugend Hessen hier den richtigen Weg einschlägt“, schlussfolgert Döring. „Und deshalb werden wir auch unser Winterprogramm daran ausrichten.“ Mit insgesamt 4 Ski- und Snowboardreisen in den Winterferien heißt es dann: #FindeDeinAbenteuer auf den bestens präparierten Skipisten der Alpen, in der Trampolinhalle, im Funpark oder auch mal auf der Sonnenterrasse.


Antisemitismus im Breitensport nimmt zu

Immer wieder kommt es in unserer Gesellschaft zu Diskriminierung und Gewalt. Auch der Sport ist davon nicht ausgenommen. Werte und Formen der Diskriminierung im Sport waren deshalb auch Thema bei der KOST-Bildungskonferenz in diesem März und auf dem jährlichen Treffen der Bildungsbeauftragten der Sportkreise und Verbände im Juli 2021.

Im Fokus stand auch das Bundesprojekt „Zusammen1“ in Trägerschaft des Turn- und Sportverbandes MAKKABI Deutschland und des Zentralrats der Juden in Deutschland. Im Rahmen einer bundesweiten Projektstudie wurden mehr als 300 MAKKABI-Mitglieder zum Thema Antisemitismus befragt. Das Projekt verfolgt einen präventiven Ansatz und bietet zivilgesellschaftliche Bildungsangebote für alle Akteur/-innen im organisierten Sport. Die Untersuchung mit dem Titel „Zwischen Akzeptanz und Anfeindung“ macht unterschiedliche Facetten des Antisemitismus aus der Betroffenenperspektive deutlich. Obwohl MAKKABI Deutschland ein jüdischer Sportverband ist, zählt der Verband auch viele Mitglieder anderer Konfessionen. Von den 309 Befragten sind 39 % jüdisch, 36 % christlich, 3 % muslimisch und die restlichen 20 % entweder konfessionslos oder gehören einer anderen Glaubensrichtung an. Bei den Sportarten verteilen sich die Teilnehmer*innen der Studie überwiegend auf Fußball (47,2 %), aber auch auf Krav Maga (israelische Kampftechnik zur Selbstverteidigung), Basketball, Tennis, Badminton und weitere Disziplinen. 39 % geben an, im Zusammenhang mit MAKKABI bereits mindestens einmal persönlich von einem antisemitischen Vorfall betroffen gewesen zu sein.

Besonders häufig berichten davon Vereinsmitglieder aus dem Bereich Fußball (68 %) und jüdische Mitglieder (54 %). Gerade in den unteren Spielklassen gibt es häufiger Vorfälle. Außerhalb des Fußballs hat jede/r Vierte unangenehme diskriminierende Situationen erlebt. Frauen bei MAKKABI sind wiederum nur zu 16 % mindestens einmal betroffen gewesen. Mehr als ein Drittel aller Zwischenfälle hat sich innerhalb des letzten Jahres ereignet, dreiviertel aller Befragten haben Antisemitismus in den letzten drei Jahren erlebt, und bei einem Viertel liegt der Vorfall länger als drei Jahre zurück.

Am häufigsten sind verbale Angriffe, 93 % der Befragten berichten davon. Ein Drittel beklagte körperliche Angriffe und jede*r Fünfte berichtete von antisemitischen Schmierereien oder Ähnlichem. Alle Befragten teilen den Eindruck, dass der Antisemitismus im Sport in den vergangenen Jahren eher zu- als abgenommen hat.

Die antisemitischen Zwischenfälle besprechen die Betroffenen primär im privaten Umfeld. (83 %). Mehr als ein Drittel geben an, den Vorfall einer zuständigen Stelle im Landessportbund oder Fachverband gemeldet zu haben. Grund hierfür könnte sein, dass etwa ein Drittel der Befragten (32 %) der Meinung ist, es würde eher nichts bringen, einen Vorfall an den zuständigen Sportverband zu melden. Auch hat eine Mehrheit der Befragten (53 %) den Eindruck, ein Vorfall würde nicht vom zuständigen Verband geahndet. Mit Blick auf andere Sportvereine schätzen die Befragten, dass lediglich 27 % der Vereine auf antisemitische Vorfälle vorbereitet sind. Trotz vieler negativer Erfahrungen fühlen sich 90 % der Befragten ziemlich sicher, wenn sie für MAKKABI an Wettkämpfen teilnehmen. Außerhalb der Sportanlagen und mit MAKKABI-Kleidung fühlen sie sich deutlich unsicherer.

Die Sportjugend Hessen kooperiert mit dem Projekt „Zusammen1“ und engagiert sich auch mit weiteren Projekten wie DemoS! (Sport stärkt Demokratie) seit vielen Jahren gegen Diskriminierung im hessischen Sport.


Tendenz steigend

Alarmierend hohe Kinderarmut in Hessen

Auch das ist Vereinsarbeit: Mittagstisch mit Hausaufgabenbetreuung

Das Soforthilfeprogramm der Sportjugend Hessen gegen die Folgen von Kinderarmut ist wichtiger denn je. Mittlerweile ist mehr als jedes fünfte Kind in Hessen arm. Damit liegt die Quote höher als der deutschlandweite Durchschnitt. In keinem anderen Bundesland ist die Kinderarmut in den letzten zehn Jahren so stark gewachsen wie in Hessen, wie es eine aktuelle Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes belegt. Das könne sich mit den Folgen der Corona-Pandemie noch verschärfen, warnen die Studienmacher. Das Armutsrisiko für Alleinerziehende – es sind immer noch überwiegend Frauen – und ihre Kinder verharre dabei auf hohem Niveau, zeigen weitere aktuelle Untersuchungen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert deshalb von der Landesregierung, entschlossen gegenzusteuern. Als Sofortmaßnahme, so die hessische Landesgeschäftsführerin Yasmin Alinaghi solle die Auszahlung der Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket verbessert werden. Hier schneide Hessen besonders schlecht ab, denn nur bei jedem zehnten Kind komme der mögliche Zuschuss für Mitgliedsbeiträge für Sportvereine, Nachhilfe oder Klassenfahrten an.

Unbürokratische Soforthilfe
Die Sportjugend Hessen unterstützt Vereine, die mit den Folgen von Kinderarmut konfrontiert sind, schnell und unbürokratisch. Kurzfristig können über das Soforthilfeprogramm Zuschüsse beantragt werden, z. B. für die Teilnahme an Freizeiten und Trainingslager, die Anschaffung individueller Sportausrüstung oder für Fahrtkosten zum Training oder zu Wettkämpfen. Vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, jedoch vor allem Hilfe, die bei den Kindern und Jugendlichen ankommt und Teilhabe ermöglicht.


Erfolgreicher Re-Start: Straßenfußball für Toleranz

Der Fair-Play-Gedanke führt durch das Turnier.

Dieses Jahr rollt endlich wieder der Ball ganz im Sinne des Fair-Play durch Hessen. Die erste Veranstaltung konnte im Mai an der Unterneustädter Schule, einer Grundschule in Kassel, stattfinden. Dank der Initiative der Sportkreisjugend Kassel und der Unterstützung des Fußballvereins CSC 03 Kassel, konnten sich die Kinder über Abwechselung, Spaß und Bewegung freuen. Dabei war neben dem Einhalten der Hygieneregeln für alle faires Verhalten das oberste Gebot. Diskriminierung und Gewalt hatten nichts auf dem Platz zu suchen, ebenso wenig das Meckern gegen Mitspieler-/innen und Schiedsrichter/-innen. Die Kinder zwischen sechs und elf Jahren spielten voller Respekt, mit Elan und spielerischem Ehrgeiz in gemischten Altersgruppen.

Am Ende des Tages waren die Rückmeldungen durchweg positiv, erinnern sich die Lehrer. „Wenn du in die leuchtenden Augen der Kinder schaust, ist das die größte Bestätigung dafür, dass wir uns richtig entschieden haben, in diesen weiterhin unsicheren Pandemiezeiten, das Turnier durchzuführen. Die Dankbarkeit der Kinder ist unglaublich und unbezahlbar.“

Nächste Runde im September
Und weil´s so schön war, können sich Kinder im August und September auf noch weitere Turniere freuen, so in Rotenburg, Darmstadt, Bürstadt und erneut in Kassel.

Die Straßenfußball Turniere für Toleranz hat die Sportjugend Hessen in dieser Form 2015 ins Leben gerufen und in normalen Zeiten finden rund 30 Turniere jeden Sommer statt. Das Angebot richtet sich an Schulen, soziale Einrichtungen und Vereine. Mit seinen mobilen Soccer Sets sorgt die Sportjugend Hessen dafür, dass an unterschiedlichen Orten aus dem Nichts ein Fußballplatz entsteht. Wunsch ist es auf Dauer, diese Turniere ganzjährig anbieten zu können.

Deshalb sucht die Sportjugend Hessen für die Durchführung dieser Fair-Play Turniere weitere Honorarkräfte, die Lust haben, Kinder und Jugendliche zu betreuen, die gerne organisieren und mobil sind.

Weitere Infos:
Markus Wehenkel, Sportjugend Hessen
Tel.: 069/6789-406, E-Mail: MWehenkel@remove-this.sportjugend-hessen.de


Der Traum von den Olympischen Spielen

Mit Hilfe von „Integration durch Sport“ ist das Ziel erreicht

Wael Shueb – beliebter Trainer, toller Lehrer, erfolgreicher Athlet (Foto: Johannes Koenig)

Wael Shueb hat sein Ziel erreicht. Er wird an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen. Der aus Syrien stammende Karatekämpfer tritt für das Olympia-Flüchtlingsteam an. Vorbereitet hat er sich auf dieses besondere Ereignis im Sportzentrum Eppertshausen.

Sport ist ein Meister der Integration
Sein Trainer Professor Dr. Ernes Erko Kalac ist selbst 1998 als Kriegsflüchtling nach Deutschland gekommen. Ursprünglich stammt der Sportwissenschaftler und Karateka aus Montengro. Zwischenzeitlich war er als Integrationsbotschafter des DOSB aktiv und ist zudem Gründer und Vorsitzender des Gesundheits- und Kampfsportvereins Lotus Eppertshausen. Der Verein – langjähriger Stützpunkt des Programms „Integration durch Sport“ - ist in den letzten Jahren auch zu Wael Shuebs sportlicher Heimat geworden.

„Die Nominierung von Wael für die Olympischen Spiele bedeutet uns allen im Verein sehr viel und wir unterstützen ihn, wo es nur geht“, jubelt Kalac. „Es herrscht eine gute, aufgeregte Stimmung und alle sind stolz darüber, dass Wael in Tokio zum Teil auch den GKV Lotus e.V. repräsentieren wird.“

Kommunikation mittels Karate
Im Ort war Wael Shueb in einem Flüchtlingshaus untergebracht: „Ich verstand damals überhaupt nichts“, erzählt er nach dem Fernsehinterview in bestem Deutsch. Hinzu kam, dass er ohne Deutschkenntnisse auch weitgehend zur Untätigkeit und zum Herumsitzen verurteilt war. Schnell wurde ihm klar, dass sich das ändern musste. Abhilfe gab es unter anderem von Monique, einer gebürtigen Französin, die in Neu-Anspach ehrenamtlich Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge gab. Zusammen mit seiner Betreuerin gab sie ihm den Tipp, zum Integrationsfestival zu gehen und sich dort Ernes Erko Kalac vorzustellen.

„Das hat er dann auch getan und so sind wir ins Gespräch gekommen. Da wir beide die Leidenschaft des Karatekampfes teilen und einen Migrations- und Fluchthintergrund haben, hatten wir sofort eine gute Gesprächsgrundlage,“ erinnert sich Kalac an ihr erstes Treffen. „Gleichzeitig ist mir beim gemeinsamen Sporttreiben sofort aufgefallen, dass er ein ausgezeichneter Kämpfer ist. Also habe ich ihn nach Eppertshausen eingeladen.“

Unterstützung von Anfang an
Und so nimmt der Werdegang von Wael Shueb seinen Lauf. Der Verein besorgt ihm eine Wohnung und setzt ihn als Trainer ein. Ein weiterer Schritt ist die Vermittlung einer Arbeitsstelle im Fitnessstudio. Sein deutsch wird immer besser und sein Alltag erhält eine Struktur. Für sein eigenes Training kommt ihm vor allem die kurze Distanz zwischen seiner Wohnung, dem Arbeitsplatz und der Trainingsstätte zu Gute.
„Wael hat schon in Syrien davon geträumt sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Diesen Wunsch haben wir von Anfang an stark unterstützt denn ich konnte sehen, dass er auch die nötige Qualität hat. Nehla Osman, eine Anwältin aus unserem Verein, hat sich um seine Anerkennung und das Bleiberecht gekümmert. Ich habe Kontakt mit dem IOC sowie dem DOSB aufgenommen. Es ist mir gelungen, dass Wael seit Juni 2019 IOC-Stipendiat ist. Das war eine optimale Voraussetzung, damit er sich intensiv auf seine Nominierung konzentrieren konnte“, so Ernes Erko Kalac. “Jetzt haben wir das Ziel erreicht und es heißt nur noch Daumen drücken“.


Neues Fortbildungskonzept in freier Natur

Sport-Coaches auf Wandertour

„Warum ist es am Rhein so schön?“ 25 Sport-Coaches diskutieren den Heimat-Begriff vor Ort.

Die Folgen der Pandemie haben schon zu manch einer guten Idee geführt. Zum Beispiel neue Formate bei den Fortbildungen. Ende Juni trafen sich 25 Sport-Coaches im Rheingau zu ihrer jährlichen Fortbildung, diesmal eingebettet in eine Wanderung bei strahlendem Wetter.

Unter freiem Himmel fühlten sich alle Teilnehmer/innen sicher und entspannt. In vielen Gesprächen während des Wanderns fand ein intensiver Austausch über individuelle Erfahrungen und Projektideen statt. Im Laufe der Zeit hat sich die Tätigkeit eines Sport-Coaches im Landesprogramm „Sport und Flüchtlinge“, finanziert vom Hessischen Ministerium des Innern und Sport, grundlegend gewandelt. Ging es am Anfang darum, für Geflüchtete Bewegungsangebote zu schaffen und ihnen so dass Ankommen zu erleichtern, liegt der Schwerpunkt mittlerweile auf Netzwerkarbeit. Es gilt, Sportvereine und Geflüchtete nicht nur auf dem Sportplatz zusammenzubringen, sondern die Motivation der Geflüchteten zu nutzen und sie für ein freiwilliges Engagement zu gewinnen.
Dass dies geling,t zeigt die Teilnahme von sieben Geflüchteten, die mittlerweile selbst als Sport-Coach aktiv sind.

Grenzen und Heimat
Neben dem Austausch machten sich die Teilnehmer/innen Gedanken um das Thema Heimat. Geologieprofessor Eckardt Stein, Sport-Coach in Riedstadt, erklärte die Geschichte des Rheingaus. Ein besonders interessanter Aspekt in Bezug auf Grenzen und Heimat ist die Tatsache, dass dieser vor 200 Millionen Jahren noch südlich des Äquators lag. Ein gutes Beispiel, das verdeutlicht, wie Grenzen willkürlich sind und dass sie von Menschen gezogen werden.
Darauf aufbauend wurde die Bedeutung dieses Wissens für die interkulturelle Arbeit diskutiert und welche Unterschiede der Begriff „Heimat“ bei Menschen mit Fluchterfahrung mit sich bringt. Anhand solcher Leitfragen wurden unterschiedliche Perspektiven gedacht und Erfahrungen in der eigenen Biographie ausgetauscht. Dies führte in Verbindung mit strahlendem Sonnenschein zu einer anderen Art von Fortbildung, die nach den Rückmeldungen der Teilnehmer/innen gerne wiederholt werden kann.


Runter vom Sofa, rauf auf die Bahn

Kooperationsprojekt „Sportabzeichen to go“ will Menschen mit Behinderung mit Treffs, Online-Trainings und Challenges für das Sportabzeichen begeistern

Mit einem Kooperationsprojekt soll das Deutsche Sportabzeichen in Hessen noch stärker als inklusives Sportangebot positioniert werden. Dabei setzen die Initiatoren auf Online-Trainings und Sportabzeichen-Treffs, die speziell auf Menschen mit Behinderung zugeschnitten sind, ergänzende Challenges – und auf eine breite Öffentlichkeitsarbeit!

Zu den Initiatoren des „Sportabzeichens to go“ gehören neben dem Landessportbund Hessen e.V. und dem Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband e.V. (HBRS) auch die Projektverantwortlichen der Inklusions-Projekte  „Wir gehören dazu“ (Special Olympics Hessen), „RinkA“ (Hochschule Fulda), „ViiAS“ (Sportkreis Darmstadt-Dieburg) und „Mit Dir inklusiv im Sport“ (Landesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte Hessen e.V. und Sportjugend Hessen).

„Im besten Fall kann das Projekt gleich drei Ziele erreichen: Menschen mit und ohne Behinderung werden für gemeinsame Bewegung motiviert, der Mehrwert des gemeinsamen Sporttreibens wird aufgezeigt und Vereine erhalten einen Anstoß, um ein regelmäßiges inklusives Bewegungsangebot zu schaffen“, sagt Christina Haack, Referentin für das Sportabzeichen beim Landessportbund Hessen.

Warum das gelingen könnte, erklärt Ines Prokein, Mit-Initiatorin und Referentin für Nachwuchsgewinnung beim Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband e.V. (HBRS): „Das Sportabzeichen ermöglicht einen niedrigschwelligen Einstieg in den Sport, da eine Vereinszugehörigkeit kein Muss ist. Dennoch ist es gerade als Angebot für Menschen mit Behinderung noch wenig verbreitet, da die Prüferin bzw. der Prüfer zur Abnahme eine Zusatzqualifikation braucht und viele Menschen mit Behinderung gar nicht wissen, dass auch sie das Abzeichen ablegen können. Das lässt sich aber ändern!“

Und zwar mithilfe des „Sportabzeichens to go“. Getreu dem Motto „Runter vom Sofa, rauf auf die Bahn“ wollen die Initiatoren hessenweit Trainingsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung schaffen, mit denen sie sich gezielt auf das Sportabzeichen vorbereiten können. Ergänzt werden diese Angebote durch ein monatliches Online-Training – das nächste findet am Mittwoch, dem 7. Juli, statt – sowie wechselnde Challenges.

„So kann beispielsweise die Aufgabe gestellt werden, bis zum nächsten Training gemeinsam 100 Kilometer zu erlaufen oder ein bestimmtes Schrittziel zu erreichen“, erklärt Anne Effe vom Projekt „Wir gehören dazu“. Neben der Vermittlung wohnortnaher Sportabzeichen-Treffs sei es außerdem geplant, einen „rotierenden Sportabzeichen-Treff“ zu installieren, der an wechselnden Standorten in ganz Hessen explizit Menschen mit Behinderung ansprechen und zur Teilnahme ermutigen soll.

„Zudem können wir durch die vorbereitenden Online-Trainings die Wintermonate überbrücken, in denen es oftmals an alternativen Bewegungsangeboten fehlt“, ergänzt Christina Haack.

 

Weitere Informationen zum Projekt sowie eine Anmeldung zum Online-Training unter www.sportabzeichentogo.de


Kultureller Wandel

Jugendhauptausschuss im digitalen Konferenzraum

Die hohe Zahl der Teilnehmenden der Sportkreisjugenden und -Fachverbänden setzte sich beim digitalen Jugendhauptausschuss der Sportjugend Hessen Mitte Juni fort. Zeitweise waren 90 Personen dem Konferenzraum zugeschaltet. Besonders erfreulich war die große Beteiligung der Sportfachverbände und der vielen neugewählten Funktionäre und Funktionärinnen der Sportkreise.

Online-Spiele stärken das Miteinander
Die „Neuen“ trafen sich bereits am Abend vor der Versammlung. Mit einem Mix aus Informationen zur Jugendarbeit in der Sportjugend Hessen und Online-Gesellschaftsspielen fand ein erstes lockeres Kennenlernen bis kurz vor Mitternacht statt.  
„Das war wirklich ein toller Abend, der viele Möglichkeiten aufgezeigt hat, wie auch in den Sportkreisen die neu entstanden Kontakte intensiviert werden können. Es gibt einige Spiele, die die Gemeinsamkeit stärken, unabhängig von Räumlichkeiten sind und kostenfrei genutzt werden können“, stellt Hauke Jürgens, Vorstandsmitglied der Sportjugend, fest.

Neue Perspektiven
Der intensive Austausch wurde am nächsten Tag fortgesetzt. Die letzten Monate mit ihren Herausforderungen und Chancen sowie die Entwicklung neuer Perspektiven standen im Fokus der Diskussionsrunden.
„Das letzte Jahr hat gezeigt, dass sowohl online als auch in Präsenz viele Veranstaltungen möglich sind. Bei beiden Formaten gibt es Aspekte, die Berücksichtigt werden müssen und zu denen verschiedene Erfahrungen gemacht wurden“, kann Ronny Schulz, Referent für Junges Engagement und Kindeswohl im Sport, resümieren. „Wir haben den Jugendhauptausschuss genutzt, um mit unseren Mitgliedern ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam haben wir uns für die nächsten Monate Strategien überlegt, die die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Sport weiter voranbringt.“

Gewinnbringende Kooperation
Besonders gewinnbringend zeigt sich die Kooperation mit dem Team von politik-digital e.V. Es war eine hervorragende Unterstützung in der Vorbereitung und auch der Durchführung des Jugendhauptausschusses. Auf ihre Expertise hin wurde eine Software gefunden, mit der alle Abstimmungen rechtskonform digital durchgeführt werden konnten. Die Ergebnisse aus dem Austausch werden in eine weitere Seminarreihe zum Einsatz von digitalen Mitteln in der Jugendarbeit münden, die gemeinsam mit politik-digital e.V. konzipiert und umgesetzt wird.  

„Der kulturelle Wandel ist in der Sportjugend Hessen angekommen und wird sehr gut angenommen. Die digitalen Angebote finden großen Zuspruch. Das zeigt uns, dass wir mit unserem Projekt „digital, demokratisch, dabei“ genau zur richtigen Zeit begonnen haben. Gerade in diesen Zeiten spielt die Beteiligung von jungen Menschen eine besondere Rolle. Es ist uns ein Anliegen, dies über digitale Wege weiter auszubauen und zu unterstützen,“ erläutert Marina Weisband, Beteiligungspädagogin bei Politik-digital e.V.

Der nächste Jugendhauptausschuss ist trotz der gelungenen Online-Veranstaltung in Präsenz geplant. Der Vorstand und die Delegierten aus den Sportkreisen und Sportverbänden treffen sich am 2. Oktober in der Bildungsstätte Wetzlar, um dort unter anderem einen Blick in das kommende Jahr zu werfen.


Landessportbund-Kampagne #sportVEREINtuns unterstützt Hessens 7.600 Sportvereine

Gemeinsam mit Innen- und Sportministerium und dem Hessischen Turnverband

(24.06.2021) Mit einer groß angelegten Kampagne unter der Überschrift #sportVEREINtuns will der Landessportbund Hessen e.V. (lsb h) ab sofort seine insgesamt 7.600 Mitgliedsvereine unterstützen. Dabei können die Vereine mit einem einfach zu bedienenden „Online-Werkzeugkasten“ professionell Plakate, Postkarten und Motive für die sozialen Medien gestalten und damit Werbung für ihre Angebote betreiben. Die Kampagne als solche soll den Vereinen helfen, sich sympathisch, offen, sozial kompetent und vor allem als funktionierende (Sport-)Gemeinschaft in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Unter www.lieblingsverein.de können der Werkzeugkasten und die darin hinterlegten professionellen Fotos und Vorlagen mit typischen Szenen aus dem Sportvereinsleben kostenlos verwendet werden. Kosten entstehen nur, wenn die Vereine die selbst gestalteten Plakate und Postkarten drucken lassen.

„Hinter unseren Vereinen liegen schwere Zeiten. Das meiste dessen, was den Sport im Verein ausmacht, war in den letzten eineinhalb Jahren nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Umso wichtiger ist es, dass sich die Vereine mit ihren Angeboten jetzt eindrucksvoll zurückmelden und einmal mehr die vielen positiven Seiten des Vereinssports aufzeigen“, erläuterte Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen e.V., den Hintergrund. Dabei stehen drei Botschaften im Mittelpunkt. Müller: „Wir wollen der Öffentlichkeit und potenziellen Mitgliedern zeigen, dass unsere Sportvereine Hessens Sportanbieter Nr. 1 sind. Den insgesamt zwei Millionen Vereinsmitgliedern und den über 190.000 ehrenamtlich tätigen Menschen wollen wir vermitteln: Ihr seid uns wichtig, macht weiter mit. Und allen Sportinteressierten und den vielen Partnern des Sports rufen wir zu: Im Verein macht Sport Spaß und Sportvereine sind ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft. Über all dem steht das Motto der Kampagne, nämlich #sportVEREINtuns, als verbindendes Element.“

Eine Auffassung, die Hessens Minister des Innern und für Sport, Peter Beuth, unterstreicht: „Dank steigender Impfungen und sinkender Infektionen kann das Sportland Hessen endlich wieder durchstarten. Millionen Sportbegeisterte haben jetzt die Möglichkeit, ihr geliebtes Hobby zu reaktivieren. Ob für die Gesundheit, aus Spaß an der Bewegung oder leistungsorientiert – unsere mehr als 7.600 hessischen Vereine bieten beste Bedingungen, um die Faszination Sport wieder mitzuerleben und zu genießen. #sportVEREINtuns lädt alle Hessinnen und Hessen zum Mitmachen ein: Werden Sie Mitglied und profitieren Sie von dem vielfältigen Sport- und Bewegungsangebot der Vereine. Für die vielen Ehrenamtlichen soll #sportVEREINtuns auch Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit in herausfordernden Zeiten sein.“

Neben dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport sind der Hessische Turnverband (HTV) sowie die weiteren hessischen Sportverbände und Sportkreise Partner der Kampagne. Ulrich Müller, HTV-Vizepräsident Finanzen und Wirtschaft: „Wir haben in den vergangenen Monaten erlebt, dass Turn- und Sportvereine und ihre Mitglieder in der Corona-Pandemie ausgesprochen solidarisch waren. Mit der Kampagne #sportVEREINtuns unterstützen wir die Vereine bei dieser Neustartphase und ermöglichen es ihnen, sich in der Öffentlichkeit gut zu präsentieren.“

An der Kampagne als solche beteiligen sich mehrere Landessportbünde. Alle Beiträge und Aktionen, die damit im Zusammenhang stehen, sind im Internet unter www.sportvereintuns.de zusammengeführt.

Wer mehr über spezifisch hessische Aktionen, also über das „Hessen-Special“, erfahren möchte, und was der lsb h darüber hinaus für seine Mitgliedsvereine an Informationen und Hilfestellungen bietet, kann sich unter www.landessportbund-hessen.de/sportvereintuns informieren.

Zum Auftakt der Kampagne veranstaltet der Landessportbund ein Gewinnspiel, an dem sich Hessens Sportvereine vom 1. bis 31. Juli beteiligen können. Dafür können sie über die Internetseite www.lieblingsverein.de (Reiter #SPORTVEREINTUNS, Rubrik “HESSEN”) individualisierte Social-Media-Posts mit Kampagnen-Logo erstellen. Über ihre eigenen Kanäle können sie damit auf tolle, innovative Outdoor-Aktivitäten hinweisen, die sie planen oder bereits umsetzen. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, muss der Hashtag #sportVEREINtuns verwendet sowie der @lsb_hessen (Instagram) bzw. @lsbh.de (Facebook) verlinkt werden. Zusätzlich kann der jeweilige Sportverband verlinkt werden, im Falle des Hessischen Turnverbandes wäre dies @hessischer.turnverband (Instagram) und @HTV/HTJ (Facebook). Zu gewinnen gibt es fünf Outdoor-Boxen im Wert von mindestens 500 Euro! Zusätzlich werden 20 Gutscheine im Wert von je 30 Euro für lieblingsverein.de verlost! Die Teilnahmebedingungen finden Vereine unter www.landessportbund-hessen.de/sportvereintuns.

Elena Möller, HTV-Vizepräsidentin Organisation und Vereinsentwicklung: „Wir freuen uns sehr über alle Vereine, die beim Kampagnenstart in Hessen dabei sind und ihre ersten Outdoor-Motive in ihrem Verein mit uns teilen. Macht mit und zeigt uns und allen Sportbegeisterten in Hessen, wie toll Sport im Freien sein kann.“


Der Sport und die Kinderrechte während der Pandemie

Die Situation von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie verdeutlicht, wie Sport, Beteiligung, demokratische Kultur und deren Einschränkung zusammenhängen. Wie Kinderrechte im Sport gelebt und vermittelt werden können, zeigen Praxisbeispiele der Sportjugend Hessen.

Für die Zeitschrift Forum Kinder- und Jugendsport haben Alexandra Faulhaber und Angelika Ribler einen ausführlichen Beitrag verfaßt. Der vollständige Artikel kann hier nachgelesen werden.


Sportjugend Hessen hat ihre Fachbereiche neu geordnet

(07.06.2021) Wer auf die Internetseite der Sportjugend Hessen geht, wird feststellen, dass es dort einige Veränderungen bei der Bezeichnung der Referate und den Themen gibt.

So finden sich in dem neu geschaffenen Referat „Jugendbildung und Qualifizierung“ jetzt die Themenfelder Ausbildung, Freiwilligendienste und außerschulische Jugendbildung wieder. Bewegungsförderung und Gesundheit, Schule und Sport, Freizeitsport, Jugendreisen und Internationale Jugendarbeit gehören zum neuen Referat „Sport, Bewegung und Erlebnis für junge Menschen“. Die früheren Referate „Vereinsservice Kinder und Jugendliche, Sportkreis- und Verbandsbetreuung“ und „Soziale Kompetenzen und Erziehung im Sport“ gehen in dem neuen Referat „Junges Engagement und Kindeswohl im Sport“ auf. Unverändert bleibt das Referat „Sport- und Jugendpolitik“, zu dem auch die Projekte „DemoS! – Sport stärkt Demokratie“ und „MotuS! – Demokratie braucht Bewegung“ gehören.

Neben einer logischen Neuordnung nach Arbeitsschwerpunkten und Themen war es auch Ziel der Sportjugend Hessen, gesellschaftliche Veränderungen mit zu berücksichtigen. So ist das frühere Referat Integration um den Themenbereich Inklusion erweitert worden und nennt sich nun „Vielfalt im Sport“. Hier finden z. B. die Betreuung des inklusiven Juniorteams oder auch queere Jugendarbeit ihren Platz.

„Bei allem geht es auch um eine bessere Orientierung für unsere Zielgruppen, wenn sie nach einem Angebot oder Thema suchen“, so Andreas Roll, einer der Bildungsverantwortlichen bei der Sportjugend Hessen.

Auf der Internetseite sind die neuen Referatsbezeichnungen und die veränderten Zuständigkeiten unter „Referate und Ansprechpartner*innen“ zu finden. Es ändern sich zwar einige Ansprechpartner*innen, aber alle Angebote und Serviceleistungen der Sportjugend Hessen bleiben erhalten.






In Sichtweite zum Camp Edersee - Endlich wieder Zelten

Sportjugend Hessen übernimmt den Betrieb des neuen Kinder- und Jugendzeltplatzes im Nationalpark Kellerwald-Edersee bei Herzhausen

(18.05.2021) Seit nunmehr 15 Jahren gibt es am Edersee die Jugendbildungsstätte „Sport-, Natur- und Erlebniscamp“ der Sportjugend Hessen. Davor befand sich auf dem Areal ein Zeltlager, dass seit 1958 von der Sportjugend Hessen in den Sommermonaten betrieben wurde. Die positiv besetzten Erinnerungen an das Zeltlager sind bei langjährigen Stammgästen immer noch präsent und viele haben es vermisst. Jetzt endlich ist es wieder soweit und das Zelten mit Blick auf den See ist für Kinder und Jugendgruppen wieder möglich.

Der neue Kinder- und Jugendzeltplatz bei Herzhausen, der auch noch einen Namen erhalten soll, liegt 1,5 km Luftlinie vom Camp entfernt, auf der anderen Seite des Edertals. Der Platz und das Betriebsgebäude wurden vom Landkreis Waldeck-Frankenberg grundlegend saniert und kürzlich an die Sportjugend Hessen verpachtet. „Wir sind sehr froh, dass wir mit der Sportjugend Hessen einen verlässlichen Partner für den Betrieb des Jugendzeltplatzes gewinnen konnten“, so der 1. Kreisabgeordnete Karl-Friedrich Frese bei der „Schlüsselübergabe“ Ende April (2021).
„Für mich bedeutet die Betriebsübernahme in zweifacher Hinsicht ein „zurück zu den Wurzeln““, freut sich Holger Gertel, Leiter des Camp Edersee, „Ich kenne das alte Zeltlager der Sportjugend noch aus meiner Zeit als Zivildienstleistender und Zelten, das ist die einfachste Form der menschlichen Behausung, die einen direkten Kontakt zur Natur herstellt. Besonders Kinder und Jugendliche können d dabei so viel erleben und nachhaltige Erfahrungen machen.“

Zeltplatz auf drei Plateaus mit Erlebnisgarantie
Der Kinder- und Jugendzeltplatz hat eine Kapazität für ca. 45 Personen. Er liegt auf der nördlichen Seite der Eder und befindet sich in einer traumhaften Lage mitten im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Gezeltet werden kann auf drei Plateaus. Um den Einstieg ins „Zeltleben“ zu erleichtern, haben die Gäste die Möglichkeit, sich Zelte, Schlafsäcke und Isomatten auszuleihen. Der Aufbau der Kleinzelte für vier oder sechs Personen erfolgt dann natürlich in Eigenregie. Es können aber auch eigene Zelte mitgebracht werden. Zum Zeltplatz gehören ein großer überdachter Unterstand, sanitäre Anlagen, ein Grill sowie eine Lagerfeuerstelle. Die Selbstversorgerküche ist u. a. mit Kühlschrank, Herd, Kaffeemaschine und Wasserkocher ausgestattet. Ebenfalls gibt es eine Grundausstattung an Töpfen, Geschirr und Besteck. Das Team vom Camp Edersee bietet aber auch Vollverpflegung an, so dass sich die Gruppen voll auf ihr eigenes Programm konzentrieren können.
Der Zeltplatz kann prinzipiell von allen Kindern- und Jugendgruppen mit einer pädagogischen Begleitung, etwa Jugend- und Übungsleiter*innen oder Lehrer/-innen und Programm gebucht werden. „Für mich ist dies ein Ort, der hervorragend geeignet ist für außerschulische Bildungsarbeit. Bei gemeinsamem Kochen, der Organisation des Lagerlebens und zahlreichen Aktivitäten, wie Wasseruntersuchungen an der Eder, Fahrradfahren oder Bogenschießen können sich junge Menschen wunderbar weiterentwickeln“, so Gertel. „So üben sie sich etwa in Empathie, Toleranz und einfachen demokratischen Abläufen.“

Das Team vom Camp Edersee hat unter der Federführung der pädagogischen Leitung Romy Backhaus, neue und zeltplatzspezifische Bildungsprogramme und Aktivbausteine entworfen wie etwa „NaturRaumErlebnis“ und „Sport und Erlebnis“. „Selbstverständlich sind dabei Bewegung und Sport weiterhin zentral, aber auch die Natur spielt eine wichtige Rolle. Es geht um Wahrnehmung und Naturschutz, Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte oder auch Ernährung“, erklärt Romy Backhaus. Dem Team liegt es außerdem am Herzen, dass alle Besucher möglichst wenig Müll produzieren und - wie schon in den Bergen üblich – ihren Müll wieder mitnehmen und sachgerecht entsorgen.

Wegen Corona zunächst nur an eine Gruppe auf dem Zeltplatz
Sobald die aktuelle pandemische Lage es zulässt, können regelmäßig Bildungsveranstaltungen und Freizeiten mit Zeltübernachtung über die Sportjugend Hessen gebucht werden. Doch zunächst wird der Zeltplatz immer nur an eine Gruppe vermietet. „Das hat vor allem mit Corona zu tun“, erläutert Holger Gertel. „Es gibt uns aber auch die Möglichkeit auszuloten, was an diesem Standort möglich und vor allem tragfähig ist. Die ersten Gäste werden hoffentlich bereits im Juli kommen. Wir erwarten eine inklusive Gruppe.“  

Auf jeden Fall freut sich das Team vom Camp Edersee darauf, Kinder und Jugendliche an dem neuen Standort der Sportjugend Hessen willkommen zu heißen.

Mehr Informationen, Preise, Programme und Aktivbausteine finden sich im hier: https://www.sportjugend-hessen.de/camp-edersee/


Gewinn für mich – Gewinn für andere

Jetzt für die Freiwilligendienste im Sport (in Hessen) bewerben

Auf dem Weg in den Freiwilligendienst.

(14.05.2021) Jahr für Jahr entscheiden sich junge Menschen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Sportverein. Die Sportjugend Hessen als Trägerin des Sport-Freiwilligendienstes begleitet seit bald 20 Jahren junge Frauen und Männer auf ihrem Weg, mehr Verantwortung für sich und für andere zu übernehmen.

Viele junge Menschen wünschen sich eine Auszeit nach der Schule. Sie wollen neue Erfahrungen sammeln und sich gesellschaftlich engagieren oder einmal was ganz anders machen, bevor es mit Ausbildung oder Studium losgeht. Aus dem aktuellen Jahrgang mit 170 Freiwilligen erzählt Lara: „Nach der Schule war ich mir unsicher, was ich machen soll. Ich habe schon immer gerne Kinder trainiert, wollte die Vereinsarbeit kennenlernen und damit war das FSJ für mich die optimale Lösung.“ Lara ist im Einsatz beim TV Königstädten im Kreis Groß-Gerau. „Die Zeit ist für mich bereichernd, weil ich mich in verschiedener Hinsicht neu kennenlerne. Ich durfte frischen Wind in den Verein bringen und auch meine eigenen Ideen umsetzen. Vor allem aber lernte ich die Kinder an der Förderschule kennen und schätzen, was für meine Zukunft wichtig sein wird. Ohne mein FSJ hätte ich diese Chance nicht bekommen.“

Auszeit für neue Erfahrungen
In diesen Pandemiezeiten ist auch die Vereinswelt nicht mehr die, die sie mal war. Der aktive Sport wurde fast komplett ausgebremst, viele der ursprünglichen Aufgabenstellungen der Freiwilligen fielen weg, neue mussten geschaffen werden. Doch der Sportjugend Hessen ist es gemeinsam mit den Einsatzstellen gelungen, trotz Einschränkungen den Dienst der Freiwilligen aufrecht zu erhalten und weiterhin mit interessanten Aufgaben zu füllen.
Und wie sich herausstellte, oft sehr zum Nutzen aller Beteiligten. „Klar war die ein oder der andere zunächst enttäuscht über etwas mehr Büroarbeit“, weiß Sadia Biladama, die im Vorstand der Sportjugend Hessen für die Freiwilligen zuständig ist. „Doch dann konnten viele Freiwillige gerade wegen der Pandemie mit ihren digitalen Kompetenzen glänzen. Sie haben Challenges kreiert, Online-Meetings und -Sportkurse auf den Weg gebracht, Trainingseinheiten und Bewegungspausen als Videoclip in Netz gestellt und für die Vereine die Homepage aktualisiert.“

Corona hat mich gelehrt, wie wichtig Vereinssport für Kinder und Jugendliche ist
Referatsleiter Rainer Seel ist erstaunt, welche positiven Effekte die Coronazeit dann doch hat: „Was die jungen Leute an Online-Formaten mit geschaffen haben, das bleibt, denn schließlich sind wir ja mitten drin in der Digitalisierung. So ist eine spannende Kombi aus Online- und Präsenzangeboten auch für die Zukunft entstanden. Und die Freiwilligen konnten dazu beigetragen, dass durch die neuen Online-Formate auch Menschen, die immobil sind, wieder mehr teilhaben können. Auch das Thema Nachhaltigkeit haben sie mit nach vorne gebracht, denn so mancher Weg wurde ja durch das umfangreiche Digitalangebot überflüssig gemacht.“

Auch Lara vom TV Königstädten kann der Pandemie Positives abgewinnen: „Corona hat mich inspiriert, noch kreativere Lösungen für bevorstehende Herausforderungen zu suchen. Außerdem hat es mich gelehrt, was für eine große Rolle der Vereinssport für Kinder und Jugendliche spielt und welchen großen Beitrag wir als Freiwillige täglich dazu leisten können.“

25 Bildungstage besucht jede*r Freiwillige und erlebt diese hoffentlich auch bald wieder in Präsenz, wünscht sich Rainer Seel. „Ich hoffe, wir können im Sommer wieder in einen halbwegs „normalen“ Jahrgang starten und der wird dann bereichert sein durch viele Erfahrungswerte, die wir aus der Krise gewonnen haben. Und auch die digitalen Errungenschaften bleiben uns ja erhalten.“
Eine Basis für ein gesellschaftliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft
Um die Entscheidung für ein FSJ und den BFD im Sport noch zu erleichtern, können junge Menschen wahlweise am 1. September oder schon ab dem 1. August ihren zwölfmonatigen Dienst beginnen. Und neben den Bildungstagen können alle Teilnehmenden im FSJ, ggf. auch im BFD eine kostenlose Übungsleiterausbildung „Breitensport, Profil Kinder und Jugendliche“ absolvieren und mit Lizenz abschließen.
Ab sofort können sich Interessierte hier www.sportjugend-hessen.de/freiwilligendienste/ informieren und sich bewerben.


Demokratiebildung ist genauso wichtig wie Mathe und Deutsch

Demokratie lernen und gestalten (Foto: amgrafik)

(11.05.2021) Welche Konsequenzen ziehen wir aus der Pandemie? Auf diese Fragestellung möchte das hessische Bündnis „Demokratiebildung nachhaltig gestalten“, zu denen die Sportjugend Hessen als Gründungsmitglied zählt, verstärkt die Aufmerksamkeit lenken. In einem (digitalen) Pressegespräch haben Kinder- und Jugendexpert/-innen des Bündnisses eine Stellungnahme zur Wichtigkeit von Demokratiebildung in Pandemiezeiten vorgestellt. Sie appellieren an Vereine, Schulen und Jugendeinrichtungen, aber auch an die Politik und die zuständigen Ministerien regelrecht einen Neustart für eine Zeitenwende zu inszenieren – einen Neustart, der die Erfahrungen aus der Pandemie als Chance begreift.

Restart ritualisieren
„Die junge Generation muss wieder neu gewonnen werden,“ brachte es der Erziehungswissenschaftler Prof. Benno Hafeneger auf den Punkt. „Und wir müssen sie mitreden lassen.“ Die Aussage zahlreicher Wissenschaftler/-innen, dass eine ganze Generation drohe, verloren zu gehen, halten er und die anderen Expert/-innen nicht für übertrieben.
„Warum kann es nicht zeitnah Demokratie-Workshops in Schulen und anderen Jugendeinrichtungen geben? Warum sollen Kinder nicht in ihrer Einrichtung ihr Ferienprogramm für den Sommer mitgestalten?“ Benno Hafeneger rät außerdem: „Schulen sollten klug sein und einen ‚Restart‘ ritualisieren, für Aufbruchstimmung sorgen, z. B. mit einem Schulfest.“ „Und in den Sportvereinen könnten nicht nur die Mitglieder und ihr engagiertes Umfeld ein großes Sportfest planen, sondern der ganze Ort könnte mit einbezogen werden“, schlägt Angelika Ribler vor, die bei der Sportjugend Hessen das Referat Jugend- und Sportpolitik leitet. „So könnte den Vereinen als Ort für alle wieder neues Leben eingehaucht werden.“ Dies erweitere, so Ribler weiter, „den Blick bei der Wiederbelebung des Sports, bei dem es nicht nur um Schnuppermitgliedschaften oder finanzielle Unterstützung von Sportvereinen gehen sollte.“

Sport ist mehr als Bewegung
Wie andere Jugendeinrichtungen, hat auch der Sport viele junge Menschen verloren. Bisher sind mehr als 44.000 Kinder bis 14 Jahren aus den hessischen Sportvereinen ausgetreten bzw. von ihren Eltern abgemeldet worden. „Dabei ist Sport doch so viel mehr als nur Bewegung. Sportvereine sind vor allem auch Orte des Treffens und vieler demokratischer Prozesse“, gibt Ribler zu bedenken.
„Wenn wir uns nicht anstrengen, bekommen wir die jungen Menschen nicht wieder“, stellt die Expertenrunde fest. „Schon vor der Pandemie ging den Organisationen des Bündnisses die Demokratiebildung nicht weit genug. „Jedes Kind sollte (Alltags-)Demokratie erleben und in der Schule unter fachlicher Anleitung reflektieren, um seine Persönlichkeit zu stärken. Das ist so wichtig wie die Kernfächer Mathe und Deutsch“, findet Helmolt Rademacher von der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe), Landesvertretung Hessen. „Auch sollte Demokratiebildung verbindlicher Teil der Lehrerausbildung sein. Denn wie sich in der Pandemie schnell herausstellte, waren viele Lehrkräfte nicht vorbereitet und Kinder mussten irgendwie mit den Veränderungen umgehen, konnten selbst aber gar nicht mitreden.“

Zauberwort Beteiligung
Beteiligung ist für alle Jugendexpert/-innen das Zauberwort. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Kinder und Jugendliche in dieser Pandemiekrise nicht gefragt wurden, wie es ihnen geht und was sie sich wünschen. Das bestätigt auch Angelika Ribler nach einer von der Sportjugend Hessen initiierten Umfrage von Kinder- und Jugendsportgruppen aus hessischen Vereinen. Jugendforscher Benno Hafeneger betont nachdrücklich: „Alle jungen Menschen haben es verdient, Demokratie zu lernen und die Generationenfolge mit zu gestalten.“
„Auch außerschulisch ist es wichtig, dafür Raum zu bieten“, weiß Christa Kalesch vom Verein Makista, der sich für die Verwirklichung der Kinderrechte in Bildungseinrichtungen engagiert. „Demokratie ist etwas Lebendiges und braucht konstruktives Mitdenken, auch von Kindern und Jugendlichen. Wir im Bündnis stehen als Ansprechpartner mit unserer Expertise zur Verfügung, auch der Politik.“


Erfolgsmodell Präventionsprojekt Kindeswohl

Alle freien Vereinsplätze an dem bundesweit einmaligen Modellprojekt sind belegt.

(11.05.2021) Mit dem Projekt „Kindeswohl im Sport – Schützen/Fördern/Beteiligen in Sportkreisen und Vereinen“ soll eine Kultur des Hinschauens entwickelt werden. Das sensible Thema der Kindeswohlgefährdung soll noch mehr ins Bewusstsein ihrer Mitglieder rücken. Die Sportjugend Hessen leistet hier Starthilfe und unterstützt dabei, individuelle Schutzkonzepte auf den Weg zu bringen. Schulungen und Seminare geben zusätzlichen Input. Das Modellprojekt startete Mitte 2019 und wird vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport gefördert.

„Das Thema Kindeswohl soll eine gewisse Normalität bekommen“, wünscht sich Heiko Heger, einer der Projektberater und Kindeswohlexperte der Sportjugend Hessen seit vielen Jahren. „Der Sport ist nun mal keine Insel der Glückseligen“, so Heger, „auch nicht bei uns in Hessen. In vielen Vereinen gibt es zunächst ein ungutes Gefühl bei dem Thema sexualisierte Gewalt. Viele denken: Bei uns doch nicht! Dann braucht es im Verein eine Person, die das Thema angehen mag und zunächst den Vorstand überzeugt. Denn Kindeswohlgefährdung geht uns alle.“

Kindeswohl geht alle an – der Sport ist keine Insel der Glückseligen, auch nicht in Hessen
Diese Aufgabe hat zum Beispiel Thomas Rosa in seinem Heimatverein TG Camberg im Landkreis Limburg-Weilburg übernommen. Hier gibt es sogar die Besonderheit, dass sich mit Maria Stillger eine zweite Ansprechpartnerin engagiert. Der Verein hat 2.000 Mitglieder, fast jedes dritte Mitglied ist unter 18 Jahren. „Ich fand es wichtig etwas Konkretes zu tun, denn das Thema schlummert in den Menschen, erst recht nach den Skandalen bei den Kirchen oder nach den Untersuchungen im Leistungssportbereich. Das Thema hat jetzt bei uns im Verein mehr Aufmerksamkeit.“

Die beiden Kindeswohlbeauftragten haben zwei Online-Schulungen für die Übungsleiter/-innen der TG Camberg organisiert, die sehr gut besucht waren. „Auch war es erfreulich, dass die Teilnehmenden sehr leicht für das Thema zu sensibilisieren waren“, so Stillger und Rosa. „Wir sehen uns als Vermittler, und es fühlt sich gut an, für den Fall, dass es zu unangenehmen Fragen oder gar Verdachtsmomenten kommt, die professionelle Begleitung seitens der Sportjugend Hessen im Rücken zu haben.“ Die Beiden versuchen, für das Kinderschutzthema auch Partner in ihrer Stadt zu gewinnen, und sobald es die Coronaauflagen zulassen, planen sie einen Elternabend in Präsenz zu veranstalten.

Hinsehen, Handeln und nicht verharmlosen
Bei dem Projekt geht es vor allem darum, genauer zu beobachten, Kindern zuzuhören, ihre Gefühle besser zu verstehen. Aber auch darum den Mut zu haben, zu handeln, wenn etwas verdächtig erscheint. „Doch es muss auch möglich sein, authentisch zu bleiben und nicht Angst vor jeder Berührung zu haben“, erklärt die bei der Sportjugend Hessen zuständige Referentin Ann-Kristin Pieper. „Z. B. wenn ein Kind Trost braucht. Man kann das Kind fragen, ob es in den Arm genommen werden möchte.“ Den Vereinen rät sie: „Stellt klare Verhaltensregeln und Leitlinien auf, die allen geläufig sind und zu denen sich alle bekennen müssen: Vorstand, Eltern, Sportler und Trainer. Das gibt Sicherheit und Vertrauen, und die Kinder werden selbstbewusster, wenn sie wissen, dass ihre Anliegen respektiert werden.“

Die Sportjugend Hessen unterstützt mit Handlungsleitfäden, Mustervorlagen für ein Kindeswohlkonzept und empfiehlt, die Ansprechpartner im Verein bekannt zu machen, ihre Kontaktdaten auszuhängen und sie auf der Vereins-Homepage vorzustellen.
„Wir entwickeln das Thema Kindeswohl immer weiter “, erzählt Projektberater Heiko Heger, „denn es geht nicht nur um sexualisierte Gewalt. Auch Beleidigungen und Mobbing in der Gruppe können eine große seelische Belastung sein und in Zeiten von Smartphones schnell ausarten.“ Die Begleitung und Beratung für die Vereine und Sportkreise dauert durchschnittlich ein Jahr. „Es kommt immer darauf an, wie weit die Vereine schon sind. Wir geben quasi „Starthilfe“ und dann sollen die Vereine eine Basis haben, um alleine weitermachen.“

Am Modellprojekt „Kindeswohl im Sport – Schützen/Fördern/Beteiligen“ nehmen die Sportkreise Hochtaunus, Groß-Gerau, Lahn-Dill, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg teil sowie mehr als 20 Vereine über ganz Hessen verteilt.

Mehr zum Thema und zu den beteiligten Projektvereinen: www.kindeswohl-im-sport.de


Digitaler Jugendhauptausschuss statt Jugendvollversammlung in Präsenz

(07.05.2021) Der Vorstand der Sportjugend Hessen hat wegen der weiterhin akuten Infektionslage die für den 12. Juni 2021 vorgesehene Jugendvollversammlung abgesagt. Die aktuellen massiven Einschränkungen und Regeln bei Zusammenkünften größerer Gruppen machen die Planung der Vollversammlung zu unsicher.
Bei dieser Entscheidung spielte auch eine Rolle, dass sich im Landessportbund Hessen die Zeichen mehren, dass der am 18. September 2021 geplante Sportbundtag ebenfalls nicht stattfinden kann und verschoben werden muss. Da es zahlreiche intern aufeinander abgestimmte Abläufe zwischen Jugendvollversammlung und Sportbundtag gibt, hält die Sportjugend Hessen auch deshalb die Verschiebung für sinnvoll.

12. Juni 2021 bleibt als Termin bestehen
Um aber den für viele lange geblockten Termin zu nutzen, findet stattdessen am gleichen Datum ein Jugendhauptausschuss in digitaler Form statt. Dieser startet mit einem Infotreffen für neu gewählte Delegierte. Danach erfolgt ein Erfahrungsaustausch über die Herausforderungen und Chancen der digitalen Jugendvollversammlungen der Sportkreis- und Verbandsjugenden. Hieraus erhofft sich die Sportjugend Hessen viele Anknüpfungspunkte und Ideen für die weitere Arbeit und für eine neue Auflage der Online-Seminarreihe „Digitalisierung im Ehrenamt“. Diese Reihe, unterstützt von Politik-digital e.V., hat in diesem Frühjahr begonnen und fand großen Anklang. Deshalb soll sie im Herbst 2021 fortgeführt werden, um in diesen schwierigen Zeiten die Arbeit im Ehrenamt besonders zu unterstützen und die Jugendarbeit im Sport zu fördern.

Nach dem inhaltlichen Block des Jugendhauptausschusses, folgt dann der Regularienteil. Hier wird der Vorstand über die aktuelle Lage informieren und mit den Delegierten verschiedene Themen aus der gemeinsamen Arbeit besprechen.

Da für die Planung ein größerer Aufwand besteht, ist eine Anmeldung nur in direktem Kontakt möglich und sollte bis spätestens zum 04.06.2021 eingegangen sein bei:
Kerstin Hoffmann-Wagner, E-Mail



Onlineumfrage unter Sportler*innen gestartet

Studie zur sexualisierten Gewalt im Breiten- und Amateursport

Sportjugend Hessen und Landessportbund Hessen beteiligen sich zusammen mit neun weiteren Landessportbünden an einer breit angelegten Studie mit dem Titel „SicherImSport – Sexualisierte Grenzverletzungen, Belästigung und Gewalt im organisierten Sport“. Wissenschaftler/innen der Bergischen Universität Wuppertal und des Universitätsklinikums Ulm wollen mit der Untersuchung bundesweit ermitteln, wo und wie Breitensportler/innen ab 16 Jahren mit sexualisierter Gewalt konfrontiert waren.

Nachdem die Studie „Safe Sport“ 2016 das Thema sexualisierte Gewalt im Leistungssport beleuchtet hat, wird mit dem neuen Forschungsprojekt jetzt der vereinsorganisierte Breitensport in den Blick genommen. Bei der „Safe Sport“-Untersuchung wurden erstmalig überhaupt im Sport Daten zum Thema gesammelt. Das zentrale Ergebnis der Online-Befragung von rund 1.800 Kaderathlet/innen war, dass sexualisierte Gewalt auch im Leistungssport vorkommt und zwar genauso häufig wie in der Gesamtbevölkerung. Etwa ein Drittel der befragten Kadersportler/innen berichteten über Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Somit bildet der Leistungssport ein Abbild der Gesellschaft.
Um die Situation im Amateur- und Breitensport wissenschaftlich einschätzen zu können, sei es jetzt wichtig, über die Online-Befragung der Sportler/innen ab 16 Jahren, den Vereinssport in den Blick zu nehmen, betonen die Fachleute. Hierfür sollen Verantwortliche wie Abteilungsleiter/innen oder Trainer/innen die digitalen Fragebögen möglichst breit unter ihren Sportler/innen streuen. Die anonymisierten Forschungsergebnisse sollen helfen, die künftige Präventionsarbeit im organisierten Sport gemeinsam sinnvoll weiter zu entwickeln.

Die Fragen zu „SicherImSport“ orientieren sich an der Studie von 2016. Sie sind sehr umfangreich und detailliert, die Beantwortung aller Fragen dauert ca. 30 Minuten. Aber auch Teilergebnisse können abgespeichert werden und sind für die Bewertung relevant. Neben Fragen zur Vereinsstruktur gibt es auch sehr persönliche Fragestellungen. So wird auch abgefragt, inwiefern sexualisierte Gewalt mit anderen Gewaltformen, z.B. emotionaler und körperlicher Gewalt verbunden ist und in welchen Zusammenhängen Gewalt auftritt.

Bereits seit einiger Zeit läuft eine Befragung von Vorsitzenden bzw. Geschäftsführungen der Fachverbände, und Sportkreise sowie von Ansprechpersonen rund um die Themen Kinderschutz und Prävention. Dort zeichnet sich eine gute Beteiligung in Hessen ab.
Die Sportjugend und der Landessportbund Hessen engagieren sich schon seit mehr als zehn Jahren für das Thema „Kindeswohl im Sport“. Erst im vergangenen Dezember sind der Verhaltenskodex und die Verhaltensregeln zum Umgang mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen überarbeitet worden. Er muss von allen Übungsleiter/innen im Rahmen der Lizenzausstellung oder -verlängerung unterzeichnet werden. Auch das Präsidium des lsb h und der Vorstand der Sportjugend Hessen haben den Kodex unterzeichnet um mit gutem Beispiel voran zu gehen.

„Für die Stärkung eine Kultur des Hinsehens sind wir alle gefragt“, so Juliane Kuhlmann, Vorsitzende der Sportjugend Hessen und Beauftragte für Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt des Landessportbundes Hessen. „Bei der Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport dürfen wir nicht beim Spitzensport haltmachen, sondern müssen auch den Breitensport mit ins Visier nehmen. Für viele junge Menschen ist der Verein ein zweites Zuhause, ein geschützter Raum, hier sollen sie sich sicher fühlen. Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass sich Täter hier niederlassen können und die uns anvertrauten Sportler/innen belästigen, sei es mit Anzüglichkeiten oder körperlichen Übergriffen“. Landessportbund und Sportjugend Hessen bitten die Vereine um rege Teilnahme bei der Befragung. Sie haben noch bis zum Sommer Zeit, die anonymisierten Online-Fragebögen auszufüllen. Erste Zwischenergebnisse der bundesweiten Studie „SicherImSport“ sollen dann im Herbst vorliegen.

Link zum Fragebogen: https://ww2.unipark.de/uc/Vereinsmitgliederbefragung_SicherImSport/



"Sport und Flüchtlinge" bleibt Erfolgsmodell

Auch in diesem Jahr bringt das Landesprogramm „Sport und Flüchtlinge“ Sportvereine und geflüchtete Menschen in ganz Hessen zusammen. Das seit 2016 in Zusammenarbeit mit der Sportjugend Hessen bestehende Programm hat nichts an Wichtigkeit verloren. „Im Gegenteil!“, findet der bei der Sportjugend Hessen zuständige Programmkoordinator Volker Rehm, „Schließlich sind Geflüchtete durch ihre Sprachschwierigkeiten, die beengte Wohnsituation und oft prekären Arbeitsbedingungen auch besonders von der Pandemie betroffen.“
Unentbehrlich für das Projekt sind die lokalen Sport-Coaches. Sie beraten vor Ort, bilden Netzwerke und vermitteln direkt zwischen Sportvereinen und Geflüchteten. Mehr als 250 Sport-Coaches haben sich in diesem Jahr zu einer eintägigen Schulung bei der Sportjugend Hessen angemeldet. Diese Schulungen sind Voraussetzung für die Tätigkeit und stellen die Qualität des Programms sicher. Außerdem sind sie eine gute Gelegenheit für die Sport-Coaches, sich untereinander auszutauschen.
„Erfreulich ist, dass auch weiterhin viele Tandems aktiv sind“, findet Rehm. In diesen Tandems aus Geflüchteten und alteingesessenen Bürgern können unterschiedliche Sichtweisen und Ideen aufgegriffen werden und das Zusammenleben verbessern.  

Alltagsbegegnungen über Bewegung
Noch bis zum 30.04.2021 können hessische Städte und Gemeinden Anträge stellen. Mit den Fördermitteln können vielfältige Maßnahmen unterstützt werden, die Geflüchteten einen Einstieg in Sportangebote vor Ort erleichtern. Auch Initiativen für Feriensportaktivitäten oder Familienfeste gehören dazu. Das Geld kann für Aufwandsentschädigungen für Übungsleiter*innen verwendet werden, für Anschaffungen für die Teilnehmer*innen in den Vereinen oder für Fahrtkosten.
Finanziert wird das Programm „Sport und Flüchtlinge“ vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport.
„Wir hoffen, dass bald noch mehr Sport in den Vereinen möglich sein wird“, so Rehm. „Dann können alle Kinder und Jugendlichen ihren Bewegungsdrang ausleben, und es gibt wieder neue Kontaktmöglichkeiten für junge Geflüchtete. So kann der Sport seiner Rolle als Integrationsbeschleuniger wieder mehr gerecht werden.“

https://innen.hessen.de/sport/sport-und-fluechtlinge


Gemeinsame Werte und gesellschaftliche Verantwortung des Sports

Mehrere Monate intensiver Arbeit haben die Organisator/innen der Bildungskonferenz von Landessportbund Hessen, Bildungsakademie Hessen und der Sportjugend Hessen investiert, um die Online-Veranstaltung inhaltlich und strukturell vorzubereiten. Anfang März war es dann so weit: Moderiert von Behzad Borhani, wurde online im Plenum und in verschiedenen virtuellen Räumen über die Werte des Sports, seine gesellschaftliche Verantwortung und die Rolle der Bildung in diesem Zusammenhang diskutiert.

Zu Beginn steckten lsb h-Vizepräsident Prof. Dr. Heinz Zielinski und lsb h-Hauptgeschäftsführer Andreas Klages im Gespräch mit Behzad Borhani den inhaltlichen Rahmen des Themas aus ihrer Sicht ab. Beide betonten, dass die Werte des Sports, wie sie auch in den Satzungen der Sportorganisationen festgeschrieben sind, zwangsläufig dazu führen, dass sich der Sport zu gesellschaftlichen Fragen positionieren müsse. Hinzu komme, dass unter den bestehenden Pandemie-Einschränkungen der organisierte Sport ganz konkret mit der Politik um eine Öffnung für den Breitensport kämpfen müsse. Beide äußerten auch die Befürchtung, dass sich Breiten- und Spitzensport wegen ihrer unterschiedlichen Behandlung durch die Politik voneinander entfernen und die Vorbildfunktion des Leistungssports, vor allem an der Basis, in Gefahr zu geraten drohe.

Abwechslungsreich und anregend

Mit Impulsbeiträgen von Nina Reip (Netzwerk Sport und Politik für Fairness, Respekt und Menschenwürde, dsj), Dr. Reiner Becker (Leiter des Demokratiezentrums Hessen, Philipps-Universität Marburg), Jens-Uwe Münker (Hessisches Ministerium des Innern und für Sport) und Max Hartung (Athleten Deutschland e.V.) bekamen die Teilnehmenden weiteren inhaltlichen Input. Die Präsentation einer im Vorfeld der Konferenz erfolgten Umfrage zum Thema sowie zwei unterhaltsame und anregende Spielszenen der BüchnerBühne Riedstadt gaben der Konferenz weitere wichtige Impulse. Diskutiert wurde in Kleingruppen in sogenannten „Breakout-Rooms“ und die Ergebnisse wurden auf digitalen Pinnwänden „Padlets“ für alle sichtbar zusammengetragen. Zwischen den einzelnen „Breakout-Sessions“ trafen sich alle Teilnehmenden wieder im gemeinsamen „Raum“, um die Ergebnisse auszutauschen.

Im Vorfeld waren die Teilnehmenden zu den Werten des Sports, seiner Verantwortung für die Gesellschaft und seiner politischen Rolle befragt worden. Auch die konkrete Umsetzung dieser Werte, welche Handlungsoptionen sich daraus ergeben könnten und welche Rolle dabei Diskriminierung spielt, wurde abgefragt. 78 Personen hatten den Fragebogen komplett ausgefüllt.

Interessant dabei: knapp die Hälfte der Antwortenden waren der Auffassung, dass sich der Sport politisch neutral verhalten sollte. In der Diskussion, die sich der Präsentation anschloss, wurde dann deutlich, dass für die Mehrheit der Teilnehmenden damit parteipolitische Neutralität gemeint war. So erklärt sich dann auch die Tatsache, dass sich rund zwei Drittel der Antwortenden wünschten, dass Sportler/innen ihre Bekanntheit nutzen sollten, um sich zu gesellschaftspolitischen Themen zu positionieren.

Verantwortung im Alltag übernehmen

Wenn der Sport seine Satzungen und Leitbilder ernst nimmt, muss er zu gesellschaftlichen Fragen Stellung nehmen. Insbesondere wenn es um Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus oder Angriffe auf die Menschenrechte geht. Das betrifft nicht nur den öffentlichen medialen Diskurs. Auch Vereine, Sportkreise, Fachverbände und Verbände mit besonderer Aufgabenstellung müssen in ihrer täglichen Arbeit diese Themen aufgreifen.

Auch die Umfrageergebnisse bestätigen das. Auf die Frage nach der Wahrnehmung von Vorfällen von Diskriminierungen im Sport lagen die Antworten zwischen „nie“ (1) und „ständig“ (5) fast durchweg im mittleren Bereich. Diskriminierungen werden demnach eher „gelegentlich“ wahrgenommen. Dabei wurden Körpergewicht, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus etwas häufiger beobachtet, als Sexismus, sexuelle Orientierung oder Antisemitismus. Insgesamt zeigt sich, dass diskriminierendes Verhalten durchaus auch im Verein, Sportkreis oder Verband wahrgenommen wird und demzufolge Handlungsstrategien dagegen entwickelt werden müssen.

Werte leben – Werte vermitteln

Wie diese Handlungsstrategien aussehen könnten, darüber tauschten sich die Teilnehmer/innen zunächst wieder in Kleingruppen aus und berichteten anschließend im Plenum. Dabei wurde deutlich, dass den Bildungseinrichtungen des Sports eine wichtige Rolle zukommt. Das betrifft ganz konkret die Ausbildung von Übungsleiter/innen und Trainer/innen. Zu deren Aufgaben gehört es, ihren Sportlerinnen und Sportlern die von den Befragten als „TOP 5“ genannten Werte des Sports wie Fair Play, Gemeinschaft, Respekt, Toleranz und Vielfalt zu vermitteln. Es gilt diese Werte im täglichen Sportbetrieb sowie in den Sportstrukturen dauerhaft zu verankern.

Dass Werte, insbesondere das Fair Play in zugespitzten Wettbewerbssituationen nicht immer berücksichtigt werden, wurde auch deutlich. Wie man dagegen angehen kann, zeigt das Beispiel des Fußballkreises Offenbach, von dem Jürgen Uhlein berichtete. Hier wurde im vergangenen Jahr ein Trainerpass auch für nicht-lizensierte Trainer/innen eingeführt und mit einer Schulung zum Thema Fair Play gekoppelt. (Siehe Interview mit dem Kreisfußballwart Jörg Wagner, Seite XX).

Strukturelle Hilfe geben

Gleichzeitig wurde in den Diskussionen deutlich, dass auch auf der strukturellen Ebene Unterstützung notwendig ist. Vereine brauchen Hilfe, wenn sie die Werte des Sports in ihrer Arbeit stärken wollen. Darauf zu vertrauen, dass die Mitgliedschaft sich am „gelebten Vorbild“ orientiert und diese Werte von selbst übernimmt, greift zu kurz. An dieser Stelle sind gemeinsam entwickelte Leitbilder, angepasste Satzungen und Ordnungen, aber auch konkrete Ansprechpersonen und die entsprechende Öffentlichkeitsarbeit Mittel, die genannt wurden, um die Vereine zu stärken.

Genau in diese Richtung agiert auch das Projekt „DemoS! – Sport stärkt Demokratie“ der Sportjugend Hessen. Das Projekt unterstützt Vereine in ihren Bemühungen, die Werte des Sports und der Demokratie in den Vereinen zu stärken. Dass es im Bildungsbereich dafür einen Bedarf gibt, belegte wieder die Vorfeld-Umfrage. Zwar gaben mehr als 40 Prozent der Befragten an, dass ihre Organisation Fortbildungen zum Thema „Werte des Sports“ anbietet, aber nur rund ein Viertel führen danach in ihren Organisationen Fortbildungen zum Thema „Demokratische Beteiligung im Verein“ oder „Diskriminierung im Sport“ durch.

Die Feedbackrunde zeigte, dass der Kongress sowohl inhaltlich-thematisch, als auch organisatorisch von den meisten Teilnehmer/innen positiv bewertet wurde. Das Konferenzformat mit Einspielfilmen, Live-Diskussionen, Plenum und Kleingruppendiskussion hat sich als guter Weg erwiesen, solche Veranstaltungen auch künftig digital zu organisieren. Zudem hat die gut gelungene technische Abwicklung über die Bildungsstätte Wetzlar gezeigt, dass sich die „digitale“ Ertüchtigung der Sportjugend- und lsb h-Standorte bereits jetzt schon auszahlt.

Einen wichtigen Anteil an der fachlichen Vorbereitung hatte das Projekt „DemoS! – Sport stärkt Demokratie“ der Sportjugend Hessen, das auch die Finanzierung der Bildungskonferenz sicherstellte. Das Projekt wird über das Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat sowie durch das Landesprogramm „Hessen aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport gefördert.

Interesse am Thema?

Die Vertreter/innen der Bildungsakademie, des lsbh und der Sportjugend Hessen äußerten sich einstimmig, dass man mit den Ergebnissen weiterarbeiten und konkrete (Bildungs-)Maßnahmen auf den Weg bringen werde. Zudem bietet die KOST (Koordinationsstelle Bildung im Sport in Hessen) den Mitgliedsorganisationen Unterstützung für eigene Projekte und/oder Maßnahmen an. Kontakt: Dr. Frank Obst (lsb h), FObst@remove-this.lsbh.de; Karen Zacharides (Bildungsakademie), kzacharides@remove-this.sport-erlebnisse.de und Andreas Roll (Sportjugend Hessen), ARoll@remove-this.sportjugend-hessen.de


Schule und Sportverein – ein wichtiger Baustein für den Wiedereinstieg

Bewerbungsfrist bis zum 31 Mai 2021 verlängert! – Infotreffen am 21. April

Bewegter Alltag in Schule und Verein– jetzt erst recht (Foto: Jürgen Lecher)

Bewegung und Sport
Seit fast einem Jahr ist der Sport für Kinder und Jugendliche stark eingeschränkt oder ganz zum Erliegen gekommen. In einigen Schulen fand der Sportunterricht in Präsenz weiterhin statt, in anderen wurde er teils durch digitale Formate ersetzt, in wieder anderen ersatzlos gestrichen. Ähnlich unterschiedlich erging es auch den Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen. Die Gründe waren vielfältig. Mal untersagte es der Kreis wegen hoher Inzidenzzahlen, dann waren Schulen im Umgang mit Bewegungsangeboten eher defensiv eingestellt oder auch die eingesetzten Übungsleiter*innen waren unsicher und verzichteten auf die weitere Durchführung. Etliche Kooperationen setzten allerdings die Kurse bis kurz vor Weihnachten fort.

Gleichzeitig steht der Vereinssport seit November komplett still. Es ist noch nicht zu überblicken, welche Folgen das für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen am Vereinssport zukünftig haben wird. Das trifft umso mehr die Heranwachsenden, die nicht in festen Trainings- und Wettkampfgruppen integriert waren, sondern Interesse an allgemeinen Sportangeboten haben.
Die Schule-Vereins-Angebote sind oft auf diese Klientel ausgerichtet und versuchen, mit sportartübergreifende Angeboten Ergänzungen und Alternativen zum Sportunterricht zu bieten.

Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, Kindern und Jugendlichen weiterhin diese Gelegenheiten zu geben, ihrem grundsätzlichen Bedürfnis und ihrer Freude nach Bewegung im sozialen Miteinander nachzugehen. Selbstverständlich müssen dafür bis auf weiteres die jeweiligen Hygienevorgaben berücksichtigt werden. Mittlerweile sind allerdings diverse Wege entwickelt worden, Sport und Bewegung sowie den Schutz vor Ansteckung zu verbinden.

Landesprogramm „Schule und Verein“
Die Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen bleiben dafür ein wichtiger Baustein. Denn damit werden alle Schüler*innen erreicht und können für den Vereinssport sensibilisiert werden.
Über das „Landesprogramm zur Förderung der Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen“ werden die Kooperationen durch eine dreijährige Anschubfinanzierung gefördert. Die Bewerbung ist denkbar einfach.
In vielen hessischen Regionen sind noch etliche Förderplätze frei. Damit für die notwendigen Absprachen zwischen den Kooperationspartnern während des Trubels des Wiedereinstiegs in den Sportbetrieb genügend Zeit ist, wurde die Anmeldefrist bis zum 31.05.2021 verlängert.

Wie wird ein Antrag gestellt?
Vertreter*innen von Schule und Sportverein, die die Förderung einer Kooperation anstreben, treffen sich zu einem Planungsgespräch. In einem vorgefertigten Gesprächsprotokoll werden Eckpunkte der geplanten Zusammenarbeit festgehalten. Dieses Protokoll kann unmittelbar als Antrag genutzt werden und muss von der Schule an das jeweilige Staatliche Schulamt geschickt werden. Das Gesprächsprotokoll ist auf der Homepage des Landessportbundes Hessen, der Sportjugend Hessen oder des Hessischen Kultusministeriums als Word-Datei zu finden und kann direkt am PC ausgefüllt werden.

Was passiert mit dem Antrag?
Die örtliche Programmgruppe in dem jeweiligen Schulamtsbereich, bestehend aus Vertreter/innen der Schulbehörden und des organisierten Sports, sichtet alle eingegangenen Kooperationsanträge und trifft eine Auswahl. Die ausgewählten Kooperationen erhalten dann rechtzeitig vor den Sommerferien einen Kooperationsvertrag zugesandt. Schule und Sportverein unterschreiben den Vertrag und senden ihn ans Schulamt zurück. (Ein Muster-Kooperationsvertrag zur Orientierung ist als pdf-Dokument auf den Internetseiten zu finden).

Wie sieht die Förderung aus?
Alle geförderten Kooperationen erhalten drei Jahre lang eine Anschubfinanzierung. Ziel dieser Förderung ist es, organisatorische und inhaltliche Aufgaben zu verfestigen und gemeinsam Wege für eine anschließende Zusammenarbeit zu finden. Die Förderbeträge werden jährlich in zwei Raten – einmal im Herbst und einmal im Frühjahr – an die Vereine überwiesen. Die Unterstützung beträgt pro Förderjahr 700,- Euro. Nach den drei Jahren müssen die Schule und der Verein eigene Wege der Finanzierung für die weitere Zusammenarbeit gefunden haben. Deshalb sollte schon mit Beginn der Kooperation geklärt werden, wie eine langfristige Finanzierung gestaltet werden kann. Dazu können z. B. Mittel aus der Ganztagsschulfinanzierung, der kommunalen Förderung, Elternbeiträge oder kreative Mitgliedschaftsmodelle herangezogen werden.

Informationsveranstaltung am 21. April
Da in diesem Jahr durch die Corona-Einschränkungen besondere Bedingungen bestehen, veranstalten die Sportjugend und der Landessportbund Hessen eine gemeinsame Informations- und Austauschrunde für Interessierte am Landesprogramm am Mittwoch, dem 21.04. 2021, von 17.00 -19.00 Uhr über die Online-Plattform Zoom. Hier werden nochmals kurz die aktuellen Bedingungen zu Programm und den Möglichkeiten während der Corona-Zeit vorgestellt, Fragen besprochen und es wird ein Erfahrungsaustausch, auch in Kleingruppen, möglich sein. Interessierte melden sich bitte formlos per E-Mail bei Stephan Schulz-Algie an. Im Anschluss erhalten sie dann die Zugangsdaten für die Veranstaltung.






„Damit wir die Kinder nicht verlieren!“

Juliane Kuhlmann berichtet bei Sportkreis-Sitzung über dramatische Lage von Kindern und Jugendlichen

Der Sportkreis Frankfurt begrüßt die Lockerungen im Sport seit dem 8. März. Vor allem für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre, denen Sport im Freien nun unabhängig von der Personenzahl gestattet ist. Die enorm wichtige Breitenwirkung des Sports bleibe aber auch mit diesem Beschluss ausgebremst, so der Sportkreisvorsitzende Roland Frischkorn: „Der Wille von Bund und Ländern ist in den Beschlüssen erkennbar. Sport ist aber auch für Altersgruppen über 15 Jahre wichtig. Wir haben daher in unserem Öffnungskonzept im Februar vorgeschlagen, Sport grundsätzlich auch bis zu einer Inzidenz von 150 in Gruppen von zehn Personen zu gestatten, unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen und zunächst ohne Kontakt. Wir werden uns weiter für die Öffnung des Sports einsetzen.“


Auch Juliane Kuhlmann, Vorsitzende der Sportjugend Hessen, plädiert eindringlich für nachhaltige Öffnungen im Kinder- und Jugendsport: „Die seit dieser Woche geltenden Lockerungen können nur ein erster Schritt sein, denn die Vereine brauchen dringend eine Perspektive – im Sinne der Kinder, aber auch um ihre Existenz nicht zu gefährden“. Mit einem Impulsvortrag bei der gestrigen digitalen Sitzung von Frankfurter Fachverbands- und Vereinsvertreter*innen auf Einladung des Sportkreises zeichnete Kuhlmann ein dramatisches Bild der Situation und blickte auch auf die Ergebnisse diverser aktueller Studien. „Die Lage von Kindern und Jugendlichen in diesen Zeiten von Corona ist dramatisch. Durch den dauerhaften Stillstand des Sportbetriebs leiden die jungen Menschen zusehends unter dem Bewegungsmangel und der sozialen Isolation – physisch, aber auch psychisch.“


Die Vorsitzende, selbst Mutter zweier Söhne im Alter von fünf und sieben Jahren, kennt die negativen Veränderungen für die Kinder auch persönlich: „Meine Jungs wollen sich mit ihresgleichen messen, ihre Freunde fehlen ihnen und sie sind immer unausgeglichener und trauriger.“
Um genauer hinzuschauen und um Ansatzpunkte für eine Verbesserung zu finden, erläuterte sie, habe die Sportjugend Hessen eine Befragung und Gruppengespräche mit Kindern und Jugendlichen aus Vereinen gestartet. Es gehe hierbei darum, so Kuhlmann, Kindern und Jugendlichen genau zuzuhören und sie zu fragen: „Wie geht es euch?“ und „Was wünscht ihr euch, wie soll es weitergehen?“ Die Beteiligung von Kindern, auch in Zeiten von Corona, sei eine grundsätzliche Aufgabe, die zudem in den Kinderrechten festgeschrieben sei. Zusätzlich gesehen durch die Brille auch von Freiwilligendienstleistenden und Vereinsverantwortlichen, zeichnen sich in der noch laufenden Umfrage erste Tendenzen ab, die wissenschaftliche Ergebnisse bestätigen. Gerade den Kleineren bis zwölf Jahre geht es schlecht, sie vermissen das Sporttreiben mit ihren Vereinskamerad*innen und die vielen sozialen Kontakte, die ihnen ihre Vereine bieten – über den Sport hinaus.


Dazu passt auch, was unter anderem Sportwissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untersucht haben. Ihr Fazit: das Spielen im Freien ersetzt kein echtes Training. Der Sport mit gezielter Anleitung ist nicht nur deutlich intensiver, sondern Kinder bewegen sich schlichtweg länger und lieber, angespornt durch ihr Zusammensein und vom Wettkampfgeist.
Juliane Kuhlmann, die im kommenden Sommer für das Präsidentenamt des Landessportbundes Hessen (lsb h) kandidiert, leitete in der Sitzung dann auch einen regen digitalen Austausch an. Unter dem Motto: „Damit sie uns nicht verloren gehen! – weder als gesunde Menschen, noch als Mitglieder“ konnten Ideen, Wünsche und auch Forderungen in Richtung Politik gesammelt werden. So stieß auf großes Unverständnis, dass Schwimmunterricht in Gruppen zwar für den Schulsport, nicht aber im Rahmen von Vereinsangeboten gestattet ist. Einig waren sich die Vertreter*innen, dass vor allem Trainer*innen und Übungsleiter*innen entscheidende Bindeglieder zu den Mitgliedern seien und dabei unterstützt werden müssten, den Kontakt zu ihren Trainingsgruppen auch während Phasen des Lockdowns zu halten. Sobald es wieder möglich sei, sollten zudem verstärkt Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen ausgebaut werden, um Kinder und Jugendliche wieder für den Sport im Verein zu gewinnen.


Einig waren sich alle Beteiligten auch darin, dass ab dem 22. März weitere Lockerung für den Sportbetrieb notwendig seien, damit auch die über 14jährigen wieder in Mannschaftsstärke trainieren und spielen können. Voraussetzung ist dafür derzeit, dass die Inzidenz unter die Marke von 50 fällt. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 wäre dies nur mit einem negativen Test aller Beteiligten möglich.
Sportkreisvorsitzender Roland Frischkorn erneuerte seine Forderung aus dem Mai vergangenen Jahres, den Sport ernstzunehmen als Lebenselixier für soziales, gesellschaftliches und gesundes Miteinander: „Sport ist auch Gesundheitspolitik. Der organisierte Sport kann wie auch die Gastronomie und Kultur Räume anbieten, die für Bewegung und die Stärkung von Widerstandskräften dringend notwendig sind.“ Die bisherige Verbotspolitik dränge Menschen in beengte Verhältnisse, was, wie sich im Verlauf der Pandemie zunehmend zeige, massiv zu psychischen und physischen gesundheitlichen Schäden führe.


Integration und Zusammenhalt

Hessischer Schützenverband kooperiert mit DemoS!

„Dafür stehen wir - wofür steht ihr?“ Mit dieser kurzen Frage startete die inhaltliche Arbeit in der gemeinsamen Projektgruppe von Hessischem Schützenverband (HSV) und Sportjugend Hessen. Vertreter*innen aus Schützenvereinen, -bezirken und der Landesebene des Verbands kamen im Januar zu einem zweiten digitalen Arbeitstreffen mit dem Projektteam „DemoS! – Sport stärkt Demokratie!“ der Sportjugend Hessen zusammen. Die Kooperation ist auf Initiative der Hessischen Schützenjugend (HSJ) entstanden, die schon in den vergangenen Jahren u. a. zu den Themen Beteiligung, Kindeswohl und gegen Rechtsextremismus mit der Sportjugend Hessen zusammengearbeitet hat. Sie läuft seit Jahresbeginn 2020. Bis zum Projektende in 2024 wurden ambitionierte Ziele gesetzt.

Die Schütz*innen in Hessen befinden sich in einer besonderen Situation. Die Täter bzw. Tatverdächtigen, die bei den rechtsextremistischen und rassistischen Anschlägen der vergangenen Monate in Hanau, Wächtersbach und Wolfhagen elf Menschen töteten und mehrere Menschen schwer verletzten, waren Mitglieder in hessischen Schützenvereinen. In der Gesellschaft und der Medienberichterstattung gibt es Ängste gegenüber Menschen, die im Besitz von Waffen sind bzw. über diese verfügen. Oft herrscht Unkenntnis hinsichtlich der Voraussetzungen, die zur Erteilung der Waffenbesitzkarte erfüllt sein müssen sowie die gesetzlichen Regeln, an die sich Schützinnen und Schützen halten müssen, um ihre Berechtigung nicht zu verlieren.

Eine transparente Werteklärung unterstützt die Arbeit der Vereine
In den vergangenen Jahren hat sich in der Arbeit von DemoS! gezeigt, dass es für Sportvereine einen enormen Effekt hat, wenn geteilte Werte nicht nur vorausgesetzt, sondern in einem transparenten Prozess besprochen und vereinbart werden. Die an diesem Prozess Beteiligten sich außerdem Gedanken machen, wie sie die Werte leben und sichtbar machen können, wofür sie stehen. Innerhalb der Gruppe des HSV bestand schnell Einigkeit darüber, dass Werte wie Gleichberechtigung, Vielfalt und Toleranz ganz selbstverständlich im täglichen Miteinander gelebt werden. Vor allem im ländlichen Raum engagieren sich Schützenvereine besonders in Bereichen der sozialen Integration und Zusammenarbeit über die Vereinsstrukturen hinaus.

Konstruktive Auseinandersetzung
Die Teilnehmenden aus den Hessischen Schützenvereinen haben ein besonderes Interesse daran, der Gesellschaft zu zeigen, für welche Werte sie stehen. Dabei möchte sie das DemoS!-Projektteam unterstützen und gemeinsame Werte stärker herausarbeiten. Gleichzeitig wird eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Mitgliedern erfolgen, die diese Werte nicht teilen. Mit diesem gemeinsamen Ziel starten der hessische Schützenverband und die Sportjugend Hessen in das Jahr 2021.

Das Projektteam DemoS! der Sportjugend Hessen ist bereits seit 2017 aktiv. In dieser Zeit hat es mit Sportvereinen in ganz Hessen vor allem an den Themen wie (Jugend-)Beteiligung, Werteklärung, Leitbildentwicklung, Umgang mit diskriminierenden und demokratiefeindlichen Verhaltensweisen sowie zu Kinder- und Menschenrechten gearbeitet. Das Projekt DemoS! ist Teil des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“, das die Förderung demokratischer Teilhabe in ländlichen Gegenden zum Ziel hat.


Kindeswohlbeauftragte wichtige Vertrauensperson

SG Weiterstadt beschließt Konzept zum Schutz von Kindern

Die SG Weiterstadt ist Modellverein im Projekt „Kindeswohl-schützen/fördern/beteiligen“ der Sportjugend Hessen. Im Sommer 2020 hat sich der Verein auf den Weg gemacht, ein umfassendes Kindeswohlkonzept für den Verein zu entwickeln. Auslöser für die Entscheidung war die Teilnahme an einer Fortbildung. Damals wurde klar, dass es innerhalb des Vereins an elementaren Kenntnissen fehlt. Danica Paepcke, Beauftragte Kindeswohl, Übungsleiterin und Mitglied des Gesamtvorstandes, und Christiane Greifenstein, stellv. Beauftragte Kindeswohl, 2. Vorsitzende der SG Weiterstadt und Leiterin des Sportkindergartens, geben einen Einblick in die Arbeit des Vereins.

Was sagen Eure Trainer/-innen, Kinder und Eltern der Kinder zur Teilnahme am Projekt?
(Paepcke) Das Projekt trifft auf breite Zustimmung. Überraschenderweise gab es keine Widerstände oder Beschwerden. Insbesondere weil die Beschäftigung mit dem Thema, vor allem aber auch die aktive Auseinandersetzung damit z. B. in verpflichtenden Weiterbildungen zu einem Mehraufwand bei den mehrheitlich ehrenamtlichen Übungsleiter/innen und Funktionsträger/-innen führt. Die Reaktion der Kinder können wir noch nicht richtig beurteilen, da sich deren Einbindung, z. B. über Beteiligungskonzepte, erst in der Anfangshase befindet.

Welche Aufgaben übernimmt Eure Ansprechperson Kindeswohl?
(Greifenstein) Die Ansprechperson Kindeswohl ist bei uns zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle. Das betrifft die präventiven Anteile wie z. B. Konzepterstellung und -einführung, Kommunikation, Weiterbildungsplanung u.a. Sie ist aber auch erste Ansprechperson bei Verdachtsfällen, bei Beobachtungen oder akuten Gefährdungen. Sie hilft bei einer Einschätzung nächster Schritte und vermittelt weiter.

Welchen Rat würdet Ihr Kindern, Eltern oder Trainer/-innen geben, wenn ein Verdacht oder Vorfall von Kindeswohlgefährdung besteht?
(Paepcke) Nicht wegschauen, aber auch nicht überreagieren. Beim Umgang mit dem Thema, besonders dem Verdacht auf Kindeswohlgefährdungen, gilt es, sensibel zu agieren. Nicht nur um falsche Beschuldigungen zu vermeiden, sondern auch um die Betroffenen zu schützen. Das darf aber nicht dazu führen, dass vermeintliche Beobachtungen oder Bedenken ignoriert und Reaktionen auf die lange Bank geschoben werden. Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, gibt es Vertrauenspersonen in und außerhalb des Vereins, in erster Linie die Kindeswohlbeauftragten.

Was konntet Iihr an Präventionsmaßnahmen schon auf den Weg bringen?
(Paepcke) Es gab schon vor Projektbeginn einige Maßnahmen im Verein, so z. B. die Selbstverpflichtungserklärung und den Ehrenkodex für Übungsleiter/-innen. Mittlerweile gibt es ein komplettes Kindeswohlkonzept, das vom Vorstand beschlossen und bestätigt wurde. Dies deckt zusätzlich viele Voraussetzungen ab, um Kindeswohl ins Bewusstsein zu bringen und Gefährdungen zu vermeiden, wie beispielweise die Verankerung in der Vereinssatzung, verpflichtende Fortbildungen oder Vertragsbestandteile für Übungsleiter/-innen. Im Präventionskonzept enthalten sind zudem inhaltliche Hilfestellungen, so z. B. Verhaltensregeln, Interventionsleitfaden.

Was würdet Ihr anderen Vereinen raten, wenn sie Kindeswohlkonzepte in ihrem Verein auf den Weg bringen möchten?
(Greifenstein) Wichtig ist die breite Zustimmung und Unterstützung des Vereins, ohne diese wird es bei möglicherweise guten, aber theoretischen und nicht täglich gelebten Konzepten bleiben. Für ein gelebtes Konzept bedarf es einer umfangreichen und regelmäßigen Kommunikation. Zunächst um die Akzeptanz sicherzustellen, aber auch um das präventiv notwendige Bewusstsein und die Maßnahmenkataloge präsent zu halten.  
Ebenfalls wichtig ist eine Ansprechperson als Projektleiter/-in oder ein Projektteam zu benennen und klare Aufgaben abzustecken. Ideal ist, wenn die Projektverantwortung, so wie in unserem Fall, von Beginn an bei der Person liegt, die später auch die Rolle des/der Kindeswohlbeauftragten übernimmt.


(Die Fragen stellte Sabine Bertram.)

Hinweis: Es gibt noch Projektplätze. Interessierte Vereine erhalten mehr Informationen unter www.kindeswohl-im-sport oder bei Sabine Bertram, Tel.: 069/6789-344
Auch Betroffene haben bei der Sportjugend Hessen die Möglichkeit, Beratung einzuholen. Ansprechperson ist Angelika Ribler, E-Mail: ARibler@sportjugend-hessen.de, Tel.: 069/6789-401.