Ganztagsschulentwicklung

Die Schulentwicklung wirkt zunehmend auf das Bildungs- und Sportsystem. Soll die Ganztagsschulentwicklung langfristig zu einer Entschleunigung von Lernen führen, setzte hingegen die G8-Reform auf die Beschleunigung von Schule. G8 ist mittlerweile auch Dank der massiven Intervention des organisierten Sports fast abgeschafft, eine abnehmende Zahl an Schulen (aktuell weniger als 20 in ganz Hessen) bieten es noch an und die eingeführten G8-Jahrgänge laufen aus. Beiden Systemen gemeinsam ist die Verlängerung der täglichen Schulzeit, verbunden mit erheblichen Auswirkungen auf den organisierten Sport sowie auf das Sport- und Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen sowie ihrer Teilhabe am Sportvereinsbetrieb. Eine Antwort darauf ist die verstärkte Kooperationsarbeit zwischen Sportvereinen und Schulen.

Ganztagsschulentwicklung in Hessen
Von 2003 bis 2019 gibt es eine stetige Zunahme von Ganztagsschulen bzw. ganztägig arbeitenden Schulen. Im Schuljahr 2018/19 sind über 1200 Schulen der 200 hessischen Schulen im „Ganztagsprogramm nach Maß“ aufgenommen und erhalten dadurch personelle und finanzielle Unterstützung. Allerdings haben davon ca. 80 % nur den Status als „Schule mit Ganztagsangeboten“ (Profil 1), was häufig salopp auch als „Ganztagsschule light“ bezeichnet wird. Generell sind die Unterschiede bei der Quantität und Qualität der Ganztagsangebote der einzelnen Schulen erheblich. Mehr dazu unter „Ganztagsschulentwicklung in Hessen“.
In 2018 wurden die Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen in Hessen sowie der dazugehörige Qualitätsrahmen abermals überarbeitet.
Bereits 2005 hat der organisierte Sport gemeinsam mit der Landesregierung in einer landesweiten „Rahmenvereinbarung zur Ganztagsbetreuung“,  die besondere Bedeutung der Sportvereine hervorgehoben. Diese wurde in 2017 überarbeitet und erneut verabschiedet.
Viele Sportvereine kooperieren bereits mit den Schulen, die im „Ganztagsprogramm nach Maß“ dabei sind. Das findet sich auch in der Gesamtliste der ganztägig arbeitenden Schulen 2018-2019.


G8-G9 in Hessen
Die landesweite Einführung der gymnasialen Schulzeitverkürzung (G8) für alle hessischen Gymnasien und Kooperativen Gesamtschulen in den Jahren 2003 und 2004 und die damit verbundenen Auswirkungen haben zu einem breiten öffentlichen Diskurs geführt. Der organisierte Sport hatte sich frühzeitig intensiv daran beteiligt und Veränderungen der übereilt eingeführten Reform gefordert. Hintergrund waren die vielen Klagen von Eltern, Schüler/innen und Sportvereinen über die starke Zunahme schulischer und zeitlicher Anforderungen, auch verbunden mit einem Rückgang an sportlicher Betätigung der betroffenen Jugendlichen.
In der Folge wurde die Reform bereits zweimal zurückgefahren. So können seit 2008 alle Kooperativen Gesamtschulen und seit 2013 alle Gymnasien selbst entscheiden, ob sie bei G8 bleiben oder zu G9 zurückkehren. Gerade letzterer Prozess ist gegenwärtig noch voll im Gange und verläuft regional äußerst heterogen. So ist eine Bewertung noch nicht möglich. Mehr dazu unter gymnasiale Schulzeitverkürzung in Hessen.