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Fit und verbunden gegen Einsamkeit

Pilotprojekt "Sport gegen Einsamkeit gestartet" in der Region Lahn-Dill gestartet

Sportkreisjugend Angebote

Wetzlar. 30. Januar 2026 – Einsamkeit ist längst kein Randphänomen mehr, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung – insbesondere für junge Menschen. Mit dem Projekt „Fit und verbunden gegen Einsamkeit“ (FIVE) startet nun ein neues Modellvorhaben, das gezielt auf die präventive und stärkende Wirkung von gemeinschaftlichem Sport setzt. Beim Kick-off in Wetzlar kamen Vertreter*innen aus Sport, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um das Projekt offiziell vorzustellen.

Sport und Partizipation als sozialer Kitt 

Ziel von FIVE ist es, Einsamkeit frühzeitig zu begegnen und soziale Teilhabe zu stärken. Dabei steht nicht allein Bewegung im Fokus, sondern vor allem das gemeinsame Erleben von Sport als sozialem Raum: Sportvereine und Sportgruppen sollen als Orte der Begegnung, Zugehörigkeit und Verlässlichkeit gestärkt werden – insbesondere für Jugendliche mit erhöhtem Einsamkeitsrisiko.

Einsamkeit bedeutet dabei mehr als Alleinsein. Sie beschreibt das schmerzhafte Gefühl fehlender sozialer Eingebundenheit und wirkt sich nachweislich auf psychische und körperliche Gesundheit aus. Gerade im Jugendalter, einer Phase tiefgreifender sozialer und emotionaler Entwicklung, können fehlende stabile Beziehungen langfristige Folgen haben.

Einen wissenschaftlichen Blick auf das Thema warf beim Kick-off Prof. Dr. Jan Häuser, Professor für Sozialpsychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er betonte die zentrale Bedeutung sozialer Beziehungen für Gesundheit und Wohlbefinden: 

„Der Mensch ist ein extrem soziales Tier und daher stellen soziale Eingebundenheit und die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen zentrale Faktoren für Gesundheit und Wohlbefinden dar. Diese Wirkung geht weit über reine Bewegung hinaus und ist oft stärker als der Einfluss klassischer Gesundheitsverhalten wie Ernährung oder körperliche Aktivität – wird aber von Laien wie Experten häufig unterschätzt."

Diese Erkenntnisse unterstreichen die besondere Rolle des Sports – vor allem dort, wo er gemeinschaftlich organisiert ist. Darauf ging auch Marie‑Theres Hellenkamp, die bei der Veranstaltung das Grußwort für FIVE hielt, ein. Sie betonte die Verantwortung und zugleich das große Potenzial des Kinder- und Jugendsports:

„Sportvereine sind für viele Kinder und Jugendliche weit mehr als ein Ort der Bewegung. Sie sind soziale Lernräume, in denen Freundschaften entstehen, Vertrauen wächst und junge Menschen erleben, dass sie dazugehören. Gerade im Kinder- und Jugendsport können wir Einsamkeit frühzeitig begegnen, indem wir Gemeinschaft erlebbar machen.“

Gerade hier setzt FIVE an: Sport wirkt nicht nur durch körperliche Aktivität, sondern vor allem durch das Miteinander. Regelmäßige Trainingszeiten, gemeinsame Erlebnisse und verlässliche Gruppenstrukturen schaffen soziale Nähe, Vertrauen und ein Gefühl von Zugehörigkeit – Schutzfaktoren, die Einsamkeit nachhaltig entgegenwirken können.

Das Projekt unterstützt Sportvereine dabei, diese soziale Rolle bewusst wahrzunehmen und weiterzuentwickeln. Neben Bewegungsangeboten umfasst FIVE Informations- und Fortbildungsformate sowie gezielte Fördermöglichkeiten. Ziel ist es, Vereine zu befähigen, Einsamkeit sensibel zu erkennen und niedrigschwellige, offene Angebote zu schaffen.

Mit dem Start von FIVE in der Region Lahn-Dill wird ein wichtiger Schritt getan, um Sport als verbindendes Element in der Prävention von Einsamkeit zu nutzen. Denn wo Menschen sich verbunden fühlen, entsteht Gemeinschaft – und Einsamkeit verliert ihren Raum.

Interessierte Organisationen oder Sportvereine in der Region Lahn-Dill können sich bei Interesse und Mitwirkung gerne an Projektkoordinatorin, Désirée Heß von der Sportjugend Hessen wenden.

Désirée Heß

Referentin Inklusion, Integration

Regionalbüro Mittelhessen