MINT Girls Camps

Mit Diversität und Soft Skills zum Erfolg

MINT Girls Camps
Elektrotechnik bei der Firma Thermo Fisher Scientific in Langenselbold

Gleich zu Beginn der Sommerferien nutzten nahezu 120 Schülerinnen aus Hessen ihre freie Zeit, um neue praxisorientierte Einblicke in den Arbeitsalltag z.B. einer Chemielaborantin, Mechanikerin oder Elektronikerin zu erhalten und am Nachmittag bei Sport- und Freizeitaktivitäten zu entspannen. Möglich wurde dies durch die Teilnahme an einem MINT Girls Camp.
MINT steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Berufe in diesem Bereich bieten dank fortwährender Entwicklung gute Beschäftigungschancen und zahlreiche Studien prognostizieren einen steigenden Bedarf an Fachkräften. Nach wie vor werden MINT-Berufe jedoch mit dem männlichen Geschlecht konnotiert und Frauen sind in diesem Bereich unterrepräsentiert. Von daher ist es wichtig Mädchen und junge Frauen dieses Berufsbild näher zu bringen und sie in ihrer Berufsfindung zu unterstützen.
Seit Projektbeginn haben in 55 Camps mehr als 1000 Mädchen teilgenommen, ihren Blick auf neue Berufe geworfen und ihr Berufswahlspektrum  erweitert. Obwohl MINT u.a. durch die Digitalisierung, den erneuerbaren Energien sowie dem verbesserten medizinischen Fortschritt immer weiter Einzug in unseren Alltag erhält, ist MINT als berufliche Perspektive noch nicht ganz in den Köpfen angekommen. Viele Mädchen kommen ohne jede Vorstellung von dem Tätigkeitsfeldern in ein Camp und sind am Ende oftmals überrascht, welche Möglichkeiten und Chancen der MINT-Bereich bietet. Der überwiegende Anteil gibt sogar nach einem Camp an, sich vorstellen zu können, in einem MINT-Beruf zu arbeiten. Und tatsächlich berichten kooperierende Firmen von Schulabsolventinnen, die sich nun für ein Praktikum oder eine Berufsausbildung bewerben.

Soft Skills
Veränderungen in der Arbeitswelt von der digitalen Transformation bis hin zu veränderten Arbeitsplätzen und –strukturen erfordern eine stetige Neuanpassung und Flexibilisierung von Arbeitsabläufen. Das führt zu neuen beruflichen Anforderungsprofilen. Soft Skills sowie die Ausschöpfung von unterschiedlichen Potenzialen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Einzelkämpfer haben ausgedient. Vielmehr stehen Kollaboration und Teamwork, sowie vielfältige Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Talenten im Vordergrund erfolgreicher Arbeitsweisen der Zukunft.
Hier setzt der Sport als Medium in der Bildungsarbeit an. Diesen Teil übernimmt die Sportjugend Hessen, als Dachorganisation für die Belange und die Weiterentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das angeleitete, zielgerichtete Sport- und Freizeitprogramm der Sportjugend Hessen fördert die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Frauen. Die Soft Skills, die dabei im Vordergrund stehen sind die Entwicklung von Teamfähigkeit, dem Aufbau des nötigen Selbstvertrauens sowie die Stärkung der Kommunikationsfähigkeit.

Diversität
Die berufliche Integration von Migranteninnen und der leichtere Zugang derer zum Arbeitsmarkt stellen ebenfalls eine zentrale arbeitsmarktpolitische Bedeutung dar. Primär um dem steigenden Bedarf an Fachkräften entgegenzuwirken. Darüber hinaus birgt die damit einhergehende Diversität im Hinblick auf die sich stetig ändernden Arbeitsbedingungen zusätzliches Potenzial. Die unterschiedlichen Nationalitäten und Sichtweisen sind es, die ein Team ergänzen, agil machen und kreativ zusammenarbeiten lassen.
Die positiven Ergebnisse der Aufnahme von geflüchteten Mädchen im Projekt aus dem vergangen Jahr haben dazu beigetragen, dass die Zusammenarbeit mit den regionalen Jugendmigrationsdiensten weitergeführt wurde, sodass in diesem Jahr noch mehr geflüchtete Mädchen vom Angebot der MINT Girls Camps profitierten konnten. Insbesondere durch das gemeinsame Wohnen mit den anderen Teilnehmerinnen in der Jugendherberge, dem Arbeiten an Projekten und Werkstücken im Team sowie der Anerkennung durch ein Zertifikat können die Mädchen wertvolle Erfahrungen mit nach Hause nehmen.
Dabei beschränken sich die positiven Erfahrungen jedoch keineswegs nur auf die Migrantinnen. Gerade der direkte Kontakt, die Diskussionen und Reflexionen sowie der informelle Austausch unter den Teilnehmerinnen tragen beidseitig dazu bei, eventuelle Hemmschwellen und Barrieren zu überwinden und gemeinsam das Erlebte zu vertiefen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil des zugrunde gelegten Gesamtkonzepts außerschulischer Jugendbildung.
Letzte freie Plätze in den Herbstcamps sichern

Der praktischen Berufsorientierung kommt eine zentrale Bedeutung zu, wofür Provadis die Verantwortung trägt und dafür mit zahlreichen regionalen Schulen, Unternehmen und Firmen kooperiert. Diese öffnen in den hessischen Sommer- und Herbstferien an neun unterschiedlichen Standorten für jeweils 20 Schülerinnen ihre Werkstätten und Labore, um Themen wie Metallverarbeitung, Informatik, Naturwissenschaft und Technik praktisch erfahrbar zu machen.
Am Ende einer Camp-Woche ist auch die Agentur für Arbeit vor Ort, zeigt den Mädchen die Vorteile der MINT-Ausbildungsberufe auf und bietet sich als Vermittler für die nächsten Schritte an.
Für die letzten freien Plätze in den Herbstcamps können sich interessierte Mädchen  ab 14 Jahre der Jahrgangsstufen 8 bis 10 aus Hessen unter www.mint-girls-camps.de infomieren und anmelden.

Zusammenarbeit mit Partnern macht es möglich
Die MINT Girls Camps stellen ein positives Beispiel dafür dar, wie die berufliche Perspektiven und Bedürfnisse junger Frauen geschlechtersensibel und gezielt in den Fokus genommen werden können. Auf Initiative des Hessischen Ministeriums für Energie, Verkehr und Landesentwicklung (HMWELV) und der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit von der Sportjugend Hessen und ihrem Kooperationspartner Provadis, dem Fachkräfteentwickler der Industrie wird dieses Projekt seit 2011 gemeinsam umgesetzt.
Der Eigenbetrag pro Teilnehmerin liegt bei 50 Euro inklusive Übernachtung und Verpflegung.
Dies kann dank der Förderung durch Mittel des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds sowie der Bundesagentur für Arbeit sichergestellt werden.