Mehr als ein Verein: Integration durch Sport in Frankfurt

Andrea Schumacher, neue Vizepräsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, hat gemeinsam mit den Partnern vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Sportjugend Hessen das Familienzentrum des Fußballclubs SG Grün-Weiß Bornheim besucht.

Der berühmte Fußballverein FC Barcelona schmückt sich mit dem Slogan „Més que un club“ (katalanisch für: „Mehr als ein Verein“), weil sich die Mitglieder und Anhängerinnen und Anhänger als eine Familie verstehen. Gleiches kann man auch über die SG Bornheim Grün-Weiß aus Frankfurt sagen. „Wir sind ein Fußballverein, eine große Familiengemeinschaft mit über 750 Mitgliedern mit vielen Kindern aus 53 Nationen. Bei uns wird nicht nur Fußball gespielt, sondern auch getanzt und gegessen. Und wir holen die Menschen aus der Großstadt hier zusammen“, erklärt Dr. Harald Seehausen, Vorstandssprecher der SG Bornheim Grün-Weiß e.V. Die große internationale Familie des Fußballvereins hat in den vergangenen Jahren ein Kinder- und Familienzentrum auf ihrem Trainingsgelände mitten im Stadtteil Bornheim aufgebaut und etabliert; das Zentrum engagiert sich zusätzlich mit einer Vielzahl an Projekten in der Flüchtlingshilfe und ist Stützpunktverein für Integration durch Sport des DOSB.

In dem Zentrum bietet der Verein beispielsweise einen pädagogischen Mittagstisch, bei dem Schulkinder eine warme Mahlzeit bekommen und Hilfe bei den Hausaufgaben erhalten. Eine Betreuerin der Kinder ist Najlae Benlahssen. Ihre beiden Kinder „kicken“ beide im Verein, so kam auch sie zu ihrem Ehrenamt. Sie ist nicht die einzige, die über das Hobby der Kinder Anschluss an die deutsche Gesellschaft bekommt. Semiha Küpelikilinc, mittlerweile Köchin im Familienzentrum, lebt seit 24 Jahren in Deutschland. Über ihr Engagement im Verein hat sie neue Kontakte gewinnen und auch ihr Deutsch verbessern können. Was sie kocht? Frankfurter Grüne Soß und türkische Linsensuppe beispielsweise. Ihr Sohn spielt inzwischen erfolgreich bei der U16 Nationalmannschaft Fußball. Nicht nur Barcelona, auch Bornheim ist eine Kaderschmiede.

Andrea Schumacher, seit Juli Vizepräsidentin des Bundesamts und zuständig für den Bereich, stattete dem Verein und seinem Trainingsgelände einen ihrer ersten Besuche im Amt ab: „Ich bin beeindruckt von der Arbeit, die hier geleistet wird. Ein wirklich vorbildlicher Verein mit großartigen ehrenamtlichen Helfern, die großes Engagement an den Tag legen. Die Menschen lernen hier gemeinsam durch den Sport auch die deutsche Sprache.“ Schumacher ging es bei dem Besuch vor allem um den direkten Kontakt mit den Menschen und ihren Anliegen, die sich vor Ort für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Dass nicht immer alles reibungslos im Zusammenleben der „internationalen Familiengemeinschaft“ läuft, darüber bestehen auch bei den Verantwortlichen im Verein keine Illusionen: „Die soziale Mischung von Zugewanderten und Einheimischen ist eine Herausforderung“, so Harald Seehausen. „Man muss auch lernen, Spannungen auszuhalten. Der Fußballer sagt: ‚Wir bleiben am Ball.‘“ Eine der daraus resultierenden Erfolgsgeschichten schreibt Danijel Pajic, Flüchtlingskoordinator und lizenzierter Jugendtrainer der SG. Der Sport hat bei seiner Integration eine bedeutende Rolle gespielt: „Für mich war Fußball immer etwas wo ich mich frei gefühlt habe und wo ich die Anerkennung von anderen bekommen habe.“

Mit der Bundesamts-Vizepräsidentin waren auch Heike Kübler vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und Frank Eser, Programmleiter „Integration durch Sport“ der Sportjugend Hessen, Gast bei der SG Bornheim Grün-Weiß. Der Dachverband DOSB ist ein langjähriger Partner des Bundesamtes bei der Förderung von Integration durch Sport. Das Bundesamt und der DOSB unterstützen Sportvereine in ganz Deutschland dabei, integrative Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund zu schaffen.

Bereits 1989 hat der DOSB das Programm  „Integration durch Sport" auf Initiative der Bundesregierung ins Leben gerufen. Ziel ist es, Menschen mit Migrationshintergrund für eine aktive Beteiligung auf allen Ebenen des Vereinslebens zu gewinnen – als aktive Mitglieder ebenso wie als ehrenamtlich Engagierte. Die gemeinsame sportliche Betätigung soll gesellschaftliche Integration und gegenseitige Akzeptanz fördern. In den Vereinen soll das Bewusstsein für einen offenen Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen gepflegt werden.

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge