Landesprogramm "Schule und Verein"


Umfangreiche Evaluation über die ersten drei Jahre veröffentlicht

Bereits seit 1992 gibt es das Landesprogramm „Schule und Verein“ des Hessischen Kultusministeriums. 2012 wurde es jedoch grundlegend verändert. Drei Jahre danach hat die Sportjugend Hessen mit einer Online-Befragung bei den beteiligten Akteuren nachgeforscht. Dabei interessierte sie vor allem die Akzeptanz der Veränderungen und die aktuellen Entwicklungen der Kooperationsarbeit. Der umfangreiche Evaluationsbericht ist veröffentlicht.

Zur Erinnerung: Die wesentliche Änderung beim Landesprogramm war die Umstellung des Förderprogramms für die Schule-Vereins-Kooperationsarbeit von der Regel- auf die Anschubfinanzierung. Mit der vom Kultusministerium in Abstimmung mit dem Landessportbund und der Sportjugend vorgenommen Neuausrichtung sollte der vergrößerten Nachfrage bei unverändertem Gesamtbudget Rechnung getragen werden.

Sport-Kooperation als Herzstück
Der stetige Zuwachs ist das Resultat des Ausbaus von ganztägig arbeitenden Schulen, in denen bewegungsorientierte Kooperationen meist das Herzstück der Nachmittagsbetreuung sind.
Deshalb wurden nach Ende des Schuljahres 2015/16 alle Kooperationen, die ab 2012 eine dreijährige Anschubfinanzierung erhalten hatte, mittels eines Online-Fragebogens befragt. Von den knapp 350 angeschriebenen Kooperationen haben 210 Schulen und nur 110 Sportvereine teilgenommen. Die Diskrepanz erklärt sich vermutlich aus der häufig ehrenamtlichen Vereinsstruktur. Gleichzeitig deutet die geringe Beteiligung auf ein Verbesserungspotential beim Kontakt der Sportkreise zu den Vereinen und den handelnden Personen hin.
Im Folgenden sind ausgewählte Ergebnisse der Evaluation zusammengefasst.

Wenig Probleme mit Kooperationspartnern
Die Ziele von Schulen und Sportvereine sind weit gefächert, die vier Aspekte „Gesundheitsförderung“, „Sportarten kennenlernen und vertiefen“, „Soziale Ziele“ und „Kooperation Schule/Verein stärken und nutzen“ liegen jedoch vorne. Außerdem wurde deutlich, dass die überwiegende Anzahl der Nachmittagsangebote sportartspezifisch sind. Die Befragten berichten von einer hohen Zielerreichung und wenigen Problemen mit dem jeweiligen Kooperationspartner. Die größten genannten Hürden bei der Zusammenarbeit sind erwartungsgemäß  „personelle“, „finanzielle“ und „organisatorische Probleme“. Die Kommunikation zwischen den Kooperations¬partnern ist noch zu verbessern, außerdem besteht bei der Einbindung der Sportvereine in die Organisationsstruktur der Schulen Entwicklungsbedarf.
Bei der eigentlichen Durchführung der Angebote stehen spielerische Methoden und abwechslungsreiche Inhalte im Vordergrund, um der Heterogenität der Schülergruppen gerecht zu werden. Fast die Hälfte aller Sportvereine sieht sich mit der Herausforderung von „mange¬lndem Sozialverhalten im Ganztag“, „Aufmerksamkeitsproblemen“ und „Problemen mit der Anwesenheit“ konfrontiert. Trotz häufigem Übungsleiterwechsel bei knapp der Hälfte aller Kooperationen wird dennoch von einer hohen Durchführungssicherheit berichtet.
Es zeigt sich eine außerordentlich hohe Zustimmung in den Bewertungen zur „Schülerzufriedenheit mit den Angeboten des organisierten Sports“. Hier ist allerdings anzumerken, dass dies die Einschät-zungen der Erwachsenen sind. Eine Schülerbefragung wäre zukünftig sicherlich sinnvoll.

Ergebnisse bezogen aus das Landesprogramm
Insgesamt ergibt die Befragung eine hohe Akzeptanz der Neuausrichtung des Landesprogramms, mit Einschränkungen bezüglich des „notwendigen Arbeitsaufwand“. Die Anschubfinanzierung wird als wichtiger Startimpuls bewertet. Fast drei Viertel aller Kooperationen wollen über die Anschubfinanzierung hinaus das Angebot weiterführen – rund ein Viertel jedoch nicht. Aus Sicht der Schulen liegt es vor allem an der ungelösten „Finanzierung“, bei den Vereinen ist es neben der „Finanzierung“ zusätzlich das Problem der „fehlenden Übungsleiter/innen“.
Obwohl eine insgesamt hohe allgemeine Zufriedenheit bezüglich des Landesprogrammes existiert, ist ein Optimierungsbedarf insbesondere bei der Beratungsleistung der Schulämter und Sportkreise sowie bei der Finanzierung zu identifizieren. Zusätzlich scheint der Bedarf nach einer Vereinfachung des Antragsverfahrens zu bestehen.

Handlungsempfehlungen und Perspektiven
Bilanzierend kann festgestellt werden, dass die Neuregelung des „Landesprogramms zur Förderung der Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen“ in Hessen sehr gut angenommen wird. Die Neuerungen unterstützen die massiv ausgebauten Kooperationen und liefern ihnen eine wertvolle Anschubfinanzierung.
Darüber hinaus lassen sich etliche Handlungsempfehlungen ableiten. Diese beziehen sich unter anderem auf die Weiterentwicklung der Arbeit der örtlichen Programmgruppen, die Ausweitung der Qualifizierung des Lehrpersonals und die Vertiefung der Evaluation unter Einbezug einer Schülerbefragung. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass kurz- bis mittelfristig eine Erhöhung des Finanzvolumen wichtig wäre, damit noch mehr Kooperationen hessenweit die Unterstützung zur Implementierung von Sport- und Bewegungsangeboten an Schulen erhalten. Der organisierte Sport die Signale seitens des Hessischen Kultusministers deutlich gehört. Diese lauten: Das Programm auf jeden Fall zu erhalten und bei einer insgesamt positiven Resonanz zeitnah finanziell auszubauen.


Anmeldungen 2017/2018

Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Sportvereinen steht weiter hoch im Kurs. Die weiterhin größte Herausforderung  ist dabei die Finanzierung der notwendigen Kooperationsangebote. Eine Hilfe für den Einstieg in die Kooperationsarbeit bietet die dreijährige Anschubfinanzierung durch das  „Landesprogramm zur Förderung der Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen“. Nach der Umstellung in 2012 laufen jedes Jahr Kooperationen aus und neue Plätze werden frei. Folglich empfiehlt sich die Bewerbung immer! Das gilt insbesondere für Kooperationen, deren Anträge in den letzten Jahren keine Berücksichtigung fanden. Und der Aufwand der Bewerbung ist wirklich nicht groß. Nutzen Sie die Chance. Hier die wesentlichen Informationen dazu:

Antragsverfahren
Das Antragsverfahren ist im Prinzip recht einfach. Die Vertreter/innen von Schule und Sportverein, die eine Kooperation gefördert haben wollen, treffen sich zu einem Planungsgespräch. Bei diesem werden die Rahmendaten besprochen und in einem vorgefertigten Formular als Gesprächsprotokoll festgehalten. Das ausgefüllte Protokoll ist dann gleichzeitig der Antrag, der von der Schule bis zum 15. April 2017 an das jeweilige Staatliche Schulamt geschickt werden muss. Das Gesprächsprotokoll kann anbei  als doc-Datei heruntergeladen werden, um es direkt am PC auszufüllen.

Wie geht’s dann weiter?
Die örtliche Programmgruppe in dem jeweiligen Schulamtsbereich, bestehend aus Vertreter/innen der Schulbehörden und des organisierten Sports, wird sich nach den Osterferien treffen und eine Auswahl vornehmen. Die ausgewählten Kooperationen erhalten dann noch rechtzeitig vor den Sommerferien einen Kooperationsvertrag zugesandt. Der wird von Schule und Sportverein unterschrieben und wieder ans Schulamt zurückgesendet. (Der Kooperationsvertrag ist nur zur Orientierung anbei zu finden, wird aber jetzt noch nicht benötigt!!!). Später wird dann für jeden Monat ein Formblatt zum Stundennachweis ausgefüllt, dass allerdings zunächst nur vereinsintern aufbewahrt wird. Am Ende eines jeden Schulhalbjahres werden die Formblätter an das Schulamt geschickt.

Was gibt es an Förderung?

Bei der Förderung handelt es sich um eine Anschubfinanzierung. So werden die ausgewählten Kooperationen für drei Jahre unterstützt. In diesem Förderzeitraum sollen die organisatorische und inhaltliche Zusammenarbeit installiert und Wege für eine weiterführende Finanzierung gefunden werden. Die Förderungssummen werden jährlich in zwei Raten im Herbst und Frühjahr an die Schule überwiesen. Die Unterstützung beträgt im ersten Jahr 800,- Euro, im zweiten 600,- Euro und im dritten Jahr 400,- Euro. Danach muss das Angebot komplett aus anderen Finanzquellen versorgt werden. Deshalb sollte schon frühzeitig geklärt werden, wie die Finanzierung des Kooperationsangebots langfristig sichergestellt wird. Dazu können z. B. Mittel aus der Ganztagsschulfinanzierung, der kommunalen Förderung, Elternbeiträge oder kreative Mitgliedschaftsmodelle herangezogen werden.