Ganztagsschulentwicklung

Die Schulentwicklung wirkt zunehmend auf das Bildungs- und Sportsystem. Soll die Ganz-tagsschulentwicklung langfristig zu einer Entschleunigung von Lernen führen, setzt hingegen die G8-Reform auf die Beschleunigung von Schule. Beiden gemeinsam ist die Verlängerung der täglichen Schulzeit, verbunden mit erheblichen Auswirkungen auf den organisierten Sport sowie auf das Sport- und Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen sowie ihrer Teilhabe am Sportvereinsbetrieb. Eine Antwort darauf ist die verstärkte Kooperationsarbeit zwischen Sportvereinen und Schulen.

Ganztagsschulentwicklung in Hessen
Von 2003 bis 2016 gibt es eine stetige Zunahme von Ganztagsschulen bzw. ganztägig arbeitenden Schulen. Im Schuljahr 2015/16 ist mit 1008 Schulen fast die Hälfte aller Schulen im „Ganztagsprogramm nach Maß“ aufgenommen und erhält dadurch personelle und finanzielle Unterstützung. Allerdings haben davon 802 nur den Status als „Schule mit Ganztagsangeboten“ (Profil 1), was häufig salopp auch als „Ganztagsschule light“ bezeichnet wird. Generell sind die Unterschiede bei der Quantität und Qualität der Ganztagsangebote der einzelnen Schulen erheblich. Mehr dazu unter „Ganztagsschulentwicklung in Hessen“.
In 2011 wurde die Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen in Hessen sowie der dazugehörige Qualitätsrahmen und die Honorartipps überarbeitet. Diese werden aktuell überarbeitet. Eine neue Version für Ende 2016 erwartet.
Bereits 2005 hat der organisierte Sport gemeinsam mit der Landesregierung in einer landesweiten „Rahmenvereinbarung zur Ganztagsbetreuung“,  die besondere Bedeutung der Sportvereine hervorgehoben. Gegenwärtig wird an einer Fortschreibung gearbeitet.
Viele Sportvereine kooperieren bereits mit den Schulen, die im „Ganztagsprogramm nach Maß“ dabei sind. Das findet sich auch in der Gesamtliste der ganztägig arbeitenden Schulen 2015-2016.

G8-G9 in Hessen
Die landesweite Einführung der gymnasialen Schulzeitverkürzung (G8) für alle hessischen Gymnasien und Kooperativen Gesamtschulen in den Jahren 2003 und 2004 und die damit verbundenen Auswirkungen haben zu einem breiten öffentlichen Diskurs geführt. Der organisierte Sport hatte sich frühzeitig intensiv daran beteiligt und Veränderungen der übereilt eingeführten Reform gefordert. Hintergrund waren die vielen Klagen von Eltern, Schüler/innen und Sportvereinen über die starke Zunahme schulischer und zeitlicher Anforderungen, auch verbunden mit einem Rückgang an sportlicher Betätigung der betroffenen Jugendlichen.
In der Folge wurde die Reform bereits zweimal zurückgefahren. So können seit 2008 alle Kooperativen Gesamtschulen und seit 2013 alle Gymnasien selbst entscheiden, ob sie bei G8 bleiben oder zu G9 zurückkehren. Gerade letzterer Prozess ist gegenwärtig noch voll im Gange und verläuft regional äußerst heterogen. So ist eine Bewertung noch nicht möglich. Mehr dazu unter gymnasiale Schulzeitverkürzung in Hessen.