Übungsleiterausbildungen für Migrant/innen

Nur ein Teil der Menschen mit Migrationshintergrund nutzt die Angebote von Sportvereinen in ihrer Freizeitgestaltung. Besonders Mädchen und Frauen mit Zuwanderungsgeschichte blieben bislang diese Möglichkeiten und die Chancen der aktiven Teilhabe im Sport verborgen.

Um die soziale Integration von Migrant/innen im organisierten Sport zu stärken und ihre Teilhabe am Vereinsleben zu fördern, führt das Programm „Integration durch Sport“ in Zusammenarbeit mit engagierten Sportkreisen und weiteren Partnern Übungsleiterausbildungen im Breitensport für Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte dezentral durch. Gefördert werden die Lehrgänge vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport.



Wer kann teilnehmen?

Engagierte, sportinteressierte Personen ab 17 Jahre, die bereits eine Gruppe im Sportverein leiten, aktiv an der Leitung einer Vereinsgruppe beteiligt sind oder bereit sind, eine zu übernehmen. Die Teilnahme muss durch den/die Jugendwart/in bzw. dem Vereinsvorstand befürwortet werden.
Des Weiteren erforderlich sind: Verhaltenskodex zum Kindeswohl, sportärztliches Attest (nicht älter als vier Wochen), Erste-Hilfe-Kurs (9 LE, nicht älter als zwei Jahre), ein Passbild.

Hinweis:
Diese Ausbildung ist Sportvereinsmitarbeiter/innen vorbehalten und qualifiziert nicht für die Erteilung von offiziellem Sportunterricht im Rahmen von Schule. Sie richtet sich demnach nicht an Lehrer/innen und sonstige Sportlehrkräfte, die ihre Übungsleiter/innen-Qualifikation in erster Linie für ihre Arbeit an der Schule benötigen.

Wie ist die Ausbildung organisiert?

Die interkulturelle Übungsleiterausbildung besteht aus mehreren Bausteinen, die aufeinander aufbauen:

1. Sportorientiertes Sprachtraining (50 LE)

Eventuell bestehende Sprachdefizite sollen ausgeglichen und die Teilnehmer/innen auf die sprachlichen Anforderungen der nachfolgenden Ausbildung vorbereitet werden.

2. Vorbereitungskurs (30 LE)
Der Vorbereitungskurs führt die Teilnehmer/innen an die Aufgaben als Übungsleitung heran und zeigt ihnen verschiedene Tätigkeitsbereiche im Sportverein auf.

3. Mentoringprogramm
    
Erfahrene, in Vereinen tätige Übungsleiter/innen geben ihre Kenntnisse an die Teilnehmer/innen weiter und unterstützen sie bei ihren ersten Schritten als Übungsleitung im Verein.

4. Übungsleiterausbildung (150 LE)

Die Übungsleiterausbildung des lsb h, lizensiert vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), befähigt die Teilnehmer/innen als Übungsleitung im Verein tätig zu werden.  

Die Lehrgänge finden in unterschiedlichen hessischen Städten statt.
Die Lehrgangszeiten richten sich nach den Gegebenheiten vor Ort und können variieren. Die Lehrgangszeiten bei Wochenendlehrgängen sind i.d.R. Samstag 9.00 – 17.00 Uhr, Sonntag 9.00 - 15.00 Uhr. Lehrgänge, die werktags stattfinden, finden i.d.R. von 9.00 – 16.00 Uhr statt.
Bei erfolgreicher Teilnahme kann die DOSB-Lizenz „Übungsleiterin / Übungsleiter C sportartübergreifender Breitensport“ erworben werden.

Welche Ziele hat die Ausbildung?

Die Ausbildung
- gibt Anregungen für eine zielgruppenspezifische Sport- und Bewegungspraxis
- vermittelt Fachwissen in den Bereichen Sport- und Bewegungspraxis und Pädagogik
- entwickelt pädagogische, didaktisch-methodische und organisatorische Fähigkeiten
- entwickelt soziale Kompetenzen im Umgang mit Gruppenteilnehmern
- gibt konkrete Hilfestellung bei der Umsetzung neuer Ideen in die Vereinspraxis

Welche Inhalte hat die Ausbildung?

- Entwicklung, Belastbarkeit, Lebensalltag, Bewegungswelt und Sportverständnis von Kindern und Jugendlichen bzw. Erwachsenen und Älteren
- Sport- und Bewegungspraxis: z. B. Aufwärmen, Kleine und Große Spiele, traditionelle Sportarten, alternative Bewegungsformen, Spiel- und Sportgeräte, Tanzen, Körpererfahrung und Entspannung u.s.w.
- Unterrichtskonzepte, Planung, Durchführung und Auswertung von Sport- und Bewegungsstunden, eigene Unterrichtstätigkeit
- Rolle, Verantwortung und Vorbildfunktion der Übungsleiterin/des Übungsleiters
- Gruppen leiten, soziale Kompetenzen, Umgang mit Konflikten
- Funktionelle Anatomie und Physiologie, Funktionsgymnastik, Grundbegriffe der Trainingslehre, sportmotorische Tests
- Aufsichtspflicht, Jugendschutz, Kindeswohl, Sportversicherung
- Strukturen des organisierten Sports u.s.w.

Was kostet die Ausbildung?

Die Teilnahmegebühr beträgt zwischen 50,- Euro und 120,- Euro.

Verlängerung der ÜL-Lizenz

Die Übungsleiter/innen-Lizenz ist vier Jahre gültig. Zu ihrer Verlängerung um weitere vier Jahre ist innerhalb dieser Zeit der Nachweis von 16 LE Fortbildung erforderlich. Die Fortbildungsangebote des lsb h und der Sportjugend Hessen sind überwiegend zur Lizenzverlängerung anerkannt und mit dem Kürzel „ÜL" entsprechend gekennzeichnet. Auch Fortbildungsangebote anderer Anbieter können nach Absprache anerkannt werden.

Weitere Informationen zum Lehrgang

- Der Lehrgang ist in seinen Inhalten für Übungsleiter/Innen im Breitensport konzipiert. Einzelne Fachsportarten (Leichtathletik, Schwimmen, Fußball, Judo, ....) werden nicht oder nur insoweit es für den Lehrgang erforderlich ist bearbeitet. Dasselbe gilt für Inhalte, die aus dem Leistungssport kommen.

- Der Lehrgang qualifiziert und stärkt die Teilnehmer/innen in der Tätigkeit mit eigenen Vereinsgruppen. Dazu ist es notwendig, dass Teilnehmer/innen des Lehrgangs entweder schon eine Gruppe leiten, in einer Gruppe mitarbeiten oder sich im Verein die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit verschaffen. Viele Dinge, die im Lehrgang bearbeitet und erlebt werden, sollen im Verein „umgesetzt und ausprobiert werden.

-Im Rahmen der sinnvollen Mitarbeit im Lehrgang werden von Abschnitt zu Abschnitt schriftliche Ausarbeitungen von den Teilnehmer/innen angefertigt werden. Hierbei handelt es sich in der Regel um Gruppenausarbeitungen, die durch ein Mitglied der ausarbeitenden Gruppe präsentiert wird. Den Teilnehmer/innen werden Arbeitshilfen zur Verfügung gestellt.

- Engagement, viel Freude und klare „Spielregeln" sind Aspekte, die den gemeinsamen Sport im Verein prägen. Diese Aspekte bestimmen auch das Lernen im Lehrgang. Die Anwesenheit an allen Lehrgangstagen ist zwingend erforderlich. Im Falle eines durch Krankheit verpassten Lehrgangstages benötigen wir ein ärztliches Attest. Eine Lizenzvergabe kann trotzdem erfolgen, wenn in Absprache mit der Lehrgangsleitung adäquate Ersatzleistungen vereinbart werden (z. B. Nachholen der verpassten Lehrinhalte in einem der Ausbildungslehrgänge des lsb h o. ä.)

Gerne berät das Lehrteam des Programms „Integration durch Sport“ zur dieser Übungsleiterausbildung.

Checkliste: Voraussetzungen für den Lizenzerwerb

1. Vor dem Lehrgang sind vorzulegen:
- Nachweis, über die Mitgliedschaft in einem Verein
- Passbild
- Ärztliches Attest zur Bescheinigung der Sporttauglichkeit

2.    Die Bescheinigung über die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs (9 Stunden) und der Verhaltenskodex müssen spätestens zum Prüfungsantritt vorliegen.

3.    Regelmäßige Teilnahme an den Ausbildungsterminen ist verpflichtend. Nur in begründeten Ausnahmefällen (mit Attest und in Absprache mit den Ausbildern) kann eine Freistellung erfolgen. Anderenfalls ist eine Lizenzvergabe nicht möglich.

4.    Eine aktive Teilnahme an den Lehreinheiten wird erwartet.

5.    Es gelten ganz allgemein die Regeln, wie beispielsweise Pünktlichkeit und das Einhalten von Abgabeterminen sowie von Pausenzeiten.

6.    Handys dürfen nur in Notfällen benutzt werden. Ansonsten sind Telefonate während der Pausenzeiten zu führen.

7.    Für jeden Lehrgangsabschnitt ist Sportkleidung (insbesondere hallentaugliches Schuhwerk) mit zu bringen.

8.    Jede/r Teilnehmer/in wird im Laufe der Ausbildung zu Übungszwecken eine Lehrprobe halten.

9.    Pro Lehrgangswochenende werden jeweils immer zwei Teilnehmer/innen ein Protokoll über die praktischen Einheiten anfertigen, so dass die anderen Teilnehmer/innen die praktischen Einheiten nicht zusätzlich mitprotokollieren müssen.

10.    Während der Ausbildung sind zwei Hospitationen zu absolvieren. Wünschenswert ist die regelmäßige Teilnahme (einmal wöchentlich) an einem Vereinssportangebot. Im optimalen Fall in dem Sportverein, in dem Ihr Mitglied seid.

11.    Im Anschluss an die Übungsleiterausbildung wird über mindestens zwei Jahre eine aktive Mitarbeit im Sportverein erwartet.

Das Lehrteam

Bahar Akcayer Schütte
Ich bin 1971 in der Türkei geboren und hauptamtlich bei der Turngemeinde Budenheim e.V. als Sportwartin tätig. Ich bin Dipl. Sportwissenschaftlerin und habe in Köln Interkulturelle Pädagogik und Deutsch als Fremdsprache studiert. Außerdem bin ich ausgebildete Sport-Physiotherapeutin. Ich besitze ein DOSB „Train the Trainer“-Zertifikat, eine A- Lizenz in Vereinsmanagement,  eine Trainer B-Lizenz im Bereich Rehabilitation und Prävention sowie den Aqua Instruktor. Mein Motto Lautet: Die Welt gehört dir, mach was draus!

Cengiz Dogan
Ich bin 1984 geboren und habe Sportwissenschaften, Psychologie und Pädagogik an der Goethe Universität in Frankfurt studiert. Darüber hinaus bin ich A-Lizenz Fitnesstrainer und habe eine B-Lizenz im Leistungsfussball. Meine gewonnen Erfahrungen und mein Wissen möchte ich gerne erfolgreich weitervermitteln. Sport ist für mich eine Lebenseinstellung und ich bin der Überzeugung, dass Sport in jedem Alter Spaß machen und erfolgreich betrieben werden kann. Die gemeinsame körperliche Aktivität sollte als Chance gesehen werden, um kulturelle Barrieren zu durchbrechen und neue Menschen kennen zu lernen.

Kerstin Dudichum-Kiene

Ich bin als Sportwissenschaftlerin (M.A.) selbständig. Ich komme aus der Sportart Volleyball und besitze dort die Trainer A-Lizenz. In den letzten Jahren war ich in verschiedenen Vereinen als Trainerin tätig und in die Vorstandsarbeit involviert. Ich leite verschiedene Kurse im Gesundheitsbereich und bin Personal Trainerin sowie Kinderyogalehrerin. Seit 2014 bin ich im Referententeam des lsb h für die Übungsleiterausbildungen für Frauen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte. Mein Motto lautet: Versuche nicht ein erfolgreicher, sondern ein wertvoller Mensch zu werden (Alberst Einstein).

René Kipper

Ich bin 1986 geboren und beim Sportverein MTV Kronberg angestellt. Neben Judo- und Fitnesstrainer bin ich dort auch für die Verwaltung zuständig. Außerdem bin ich selbständig und als Judo-, Sport- und Gesundheitstrainer tätig. Ich habe Sport studiert und bin Fitness- trainer mit einer Trainer A-Lizenz. Zwar komme ich aus dem Judo, habe jedoch auch Gefallen an der Sportart Triathlon gefunden. Ich finde, dass man durch Sport den Alltag entlasten kann, dem Geist und Körper Erholung gibt sowie etwas für seine Gesundheit tut. Außerdem habe ich durch den Sport viel bekommen, was ich gerne als Trainer weitergeben und vorleben möchte!

Birgit Rittershofer
Ich bin Dipl. Geographin, DaF-Lehrerin (Deutsch als Fremdsprache), Übungsleiterin, und habe das Projekt der Übungsleiterausbildung in Wiesbaden betreut. Als Übungsleiterin bin ich im Bereich Breitensport für Kinder tätig. Außerdem bin ich für Sprachkompetenzkurse für Migranten/innen zuständig. Weiterhin gebe ich sportfachliche Sprachkurse für den Landessportbund Hessen. Mein Motto lautet: Sport überspringt kulturelle Hürden, das Leben ist bunt und vielfältig.

Benjamin Sonsalla
Ich studiere Pädagogik an der „Frankfurt University of Applied Sciences“ und bin nebenbei in der Projektarbeit in den Bereichen Migration/Prävention/Inklusion, u.a. in der ambulanten Versorgung von AsylbewerberInnen tätig. Als Spotr-Coach der Stadt/des Sportkreises Frankfurt im Landesprogramm „Sport- und Flüchtlinge“ und Demokratietrainer für Konfliktmanagement im Sport (dsj), berate ich zudem Vereine in interkulturellen Fragestellungen. Meine Schwerpunkte liegen dabei in der Kooperation & Netzwerkarbeit. Im organisierten Sport war ich bereits in verschiedenen Verbänden im Themenfeld Engagemententwicklung sowie Vereinen als Übungsleiter (u.a. für Tischtennis, Leichtathletik, Functional Training) aktiv.Ich besitze eine Vereinsmanager C Lizenz, die B-Lizenzen „Sport in der Prävention“ und „Sport im Ganztag“ sowie den AfED Freiwilligenkoordinator.

Carlo Wiegand
Ich bin freiberuflich arbeitender Magister der Sportwissenschaften, habe das DOSB-Ausbilderzertifikat, die A-Lizenz als Vereinsmanager, bin Ju-Jutsu-Lehrer und war lange Jahre als Ju-Jutsu-Trainer im Verein tätig. Außerdem gebe ich Gesundheitskurse und Fortbildungen im Bereich Sicherheits- und Verhaltensschulung, Fitness und Gesundheit, Rückenschule, Walking/Nordic Walking. Des Weitern arbeite ich u.a. im Projekt „Sport verbindet Kulturen“ mit sowie in weiteren Projekten mit Menschen mit Zuwanderungs-hintergrund und Langzeitarbeitslosen. Seit 1990 bin ich in den Ausbildungsteams des Landessportbund Hessen und der Sportjugend Hessen.