Servet Yildirum, Flüchtlingskoordinatorin im Sportkreis Wetterau, im Gespräch

Servet Yildirim, Flüchtlingskoordinatorin Sportkreis Wetterau

Frau Yildirim, Sie sind Flüchtlingskoordinatorin und Integrationsbeauftrage für den Sportkreis Wetterau. Was hat Sie motiviert, diese Funktionen zu übernehmen?

Viele Geflüchtete haben aufgrund ungenügender Sprachkenntnisse und einem gewissen Fremdgefühl Hemmungen, Kontakte aufzubauen. Auch wenn sie hier schon seit einiger Zeit leben, haben sie wenige Möglichkeiten, mit der Gesellschaft in Verbindung zu treten. Die meisten sind daher unter sich. Ich finde es wichtig, sie in die Vereine und somit zur Teilnahme an unserer Gesellschaft einzuladen und sie zu integrieren. Durch gemeinsamen Sport ist es oft einfach, Hürden zu überwinden. Es sollte daher unser aller Ziel sein, Geflüchtete und auch Menschen mit Migrationshintergrund dabei zu unterstützen in unsere Vereine zu kommen und gemeinsam daran zu arbeiten, dass Integration erfolgreich gelingt.

Tauschen Sie sich mit den Flüchtlingskoordinatoren der anderen hessischen Sportkreise aus?

Ja, insbesondere die hessenweiten Regionalkonferenzen, die von der Sportjugend Hessen organisiert werden, sind ein wichtiger Bestandteil für den Austausch untereinander. Diese finden ein bis zweimal im Jahr statt. Daneben gibt es regelmäßige, projektbezogenen Gespräche mit den anderen Flüchtlingskoordinatoren aus den umliegenden Sportkreisen.

Wie sind Sie zu dieser Funktion gekommen?

Zunächst war ich Integrationsbeauftragte im Sportkreis Wetterau. Als vor zwei Jahren die ersten Modellprojekte „Sport und Flüchtlinge“ entstanden sind, war ich bereits in die Vermittlung von Sport-Coaches involviert. Nachdem sich das Projekt durchgesetzt hatte und die Flüchtlingskoordinatoren eingeführt wurden, habe ich auf Nachfrage, diese Funktion gerne noch hinzugenommen.

Sie sind schon lange im Sportkreis aktiv. Somit können Sie die Sport-Coaches sicherlich mit vielen Tipps unterstützen. Welche Ratschläge sind besonders gefragt?

Ich bin seit etwa fünf Jahren im Sportkreis engagiert. Besonders liegt mir am Herzen, dass die neuen Sport-Coaches einen guten Einstieg in ihren Aufgabenbereichen finden. Es ist wichtig, sie auf die Kultur der Geflüchteten einzustimmen und ihnen bewusst zu machen, dass Geduld eine Eigenschaft ist, die sie mitbringen sollten. Insbesondere in der Zusammenarbeit mit den Erwachsenen heißt es, manchmal Nerven behalten und dran bleiben.

Insgesamt betreuen Sie ein Team von 25 Sport-Coaches, das im Kreis Wetterau in den verschiedenen Gemeinden tätig ist. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Ich stehe mit den Sport-Coaches und den Kommunen regelmäßig in Kontakt. Entweder telefonisch oder durch persönliche Treffen vor Ort. Mit den Sport-Coaches tausche ich mich zu ihren Projekten und Ideen aus, frage nach wie die Kommunikation mit der Kommune funktioniert und ob sie Unterstützung brauchen.

Bei den Kommunen erkundige ich mich, ob die Fördermittel entsprechend abgerufen werden. Gleichzeitig motiviere ich neue Gemeinden, sich in dem Landesprogramm „Sport und Flüchtlinge“ zu engagieren und die Zusammenarbeit mit einem Sport Coach einzugehen.

Frau Yildirim, Sie koordinieren und unterstützen die Sport-Coaches nicht nur in ihren Aktivitäten vor Ort, sondern Sie sind auch selbst eine Macherin. Sie bieten Schwimmkurse für Frauen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete an. Wie viele Frauen konnten Sie schon begeistern?

Das Schwimmangebot findet seit zwei Jahren statt. Dafür habe ich über den Sportkreis ein Schwimmbad für zwei Stunden die Woche gemietet und das über einen Zeitraum von 20 Wochen pro Jahr. In dieser Zeit dürfen dann nur Frauen ins Schwimmbad. Das Angebot wird regelmäßig von 50 bis 80 Frauen pro Stunde genutzt. Eine Trainerin gibt in dieser Zeit einen Schwimmkurs. Inzwischen haben 90% der Nichtschwimmerinnen ihr Seepferdchen erlangt und einige sogar das Freischwimmer-Abzeichen abgelegt.

Im Oktober gibt es im Rahmen des Frankfurt-Marathons auch wieder die Interkulturelle Marathon Staffel der Sportjugend Hessen in Kooperation mit dem Sportkreis Frankfurt. Der Sportkreis Wetterau wird mit drei Teams dabei sein.

Wie läuft die Vorbereitung zu diesem Projekt ab?

Die Teilnehmer/innen sind hochmotiviert. Vereinzelt habe ich sogar während der Ferien regelmäßige Whats-app Nachrichten zum Trainingsstand erhalten und das morgens um 6 Uhr. Jetzt in der finalen Phase werden wir gemeinsam mit allen trainieren.

Aber ich habe noch ein weiteres Projekt. Bereits in diesem Jahr haben wir ein internationales Fußballturnier mit sechs Mannschaften organisiert. Das möchte ich gerne im nächsten Jahr, wenn auch in einer etwas anderen Form, wiederholen.

Die Sportjugend Hessen bietet eine interkulturelle Übungsleiter-Ausbildung an, zu der sie bereits in früheren Jahren Teilnehmer/innen motiviert haben. Haben Sie zu der Ausbildungsgruppe noch Kontakt? Hat die Ausbildung dazu beigetragen, dass sich die Absolvent/innen im Verein als Übungsleiter/in engagieren?

Einige der Absolvent/innen sind in einem Verein tätig und weiterhin mit Freude dabei. Aktuell bin ich dabei, eine weitere Ausbildung im Kreis Wetterau im nächsten Jahr zu organisieren. Die ersten Interessenten sind schon mit im Boot.

Liebe Frau Yildirim, ich danke Ihnen recht herzlich für das Gespräch.

 

(die Fragen stellte Kathrin Schneider)