Euro Camp 2017 am Edersee

Euro Camp im Sportcamp Ederesee
Ein Euro Camp ohne Kanutour geht gar nicht, das fand auch diese Gruppe und hatte viel Spaß auf dem Wasser

Welche Chancen bietet jungen Leuten ein freiwilliges Engagement in Europa? Welche Bedeutung hat freiwillige Arbeit für die Zivilgesellschaft? Welche Wirkungen haben „ehrenamtliche“ Tätigkeiten für die Persönlichkeitsentwicklung? Diese und andere Fragen bearbeiteten 100 Jugendliche zwischen 16 – 21 Jahre aus zehn europäischen Partnerregionen im diesjährigen Europa Camp der Sportjugend am Edersee.

Wenig überraschend zunächst, dass die hessischen Teilnehmer/innen vor allem ihre Erfahrungen aus dem Sport darstellten, ist doch dieser gesellschaftliche Teilbereich in Deutschland ganz wesentlich durch ehrenamtliches Engagement geprägt. Die Gästegruppen aus Mittel- und Osteuropa, also aus Russland,  Tschechien und Polen  kennen freiwilliges Engagement weniger aus dem Sport als aus anderen wohltätigen Zusammenhängen, etwa aus der Arbeit mit behinderten Menschen.  Die Angebote für freiwillige Dienste scheinen in diesen Ländern aber insgesamt in der Jugendszene weniger bekannt und beliebt zu sein. Die dortige „Ellenbogengesellschaft“ (Zitat eines Teilnehmers) fordert von den Jugendlichen mehr individuelle berufliche Durchsetzungsfähigkeit als soziales Engagement. Da bleibt – so ein Fazit dieser Teilnehmergruppen – die Entwicklung sozialer Kompetenzen hinter der Ausprägung von z.B. internationaler Sprachkompetenz zurück. Dies zeigte sich auch in den sehr guten Englischkenntnissen und der Fähigkeit Workshop Ergebnisse vor 100 Zuhörern eindrucksvoll zu präsentieren.

Mit dem Euro Camp Sprachkompetenzen steigern
Auf diesen Gebieten haben die südeuropäischen Gruppen aus Portugal und Spanien gegenüber den Vorjahren aufgeholt. Hohe Jugendarbeitslosigkeit und harte Konkurrenz stellen erhöhte Anforderungen. Vielleicht haben  zur Entwicklung von persönlichen Schlüsselkompetenzen  bei diesen Teilnehmer/innen auch die Erfahrungen im EU-Sportjugendcamp der letzten Jahre beigetragen. Die Begegnung mit den anderen Europäern motiviert zum Sprachlernen, ein wichtiges Ziel dieser außerschulischen Bildungsveranstaltung im Sport.

Erasmus+ - EU Programm für allgemeine und Berufliche Bildung, Jugend und Sport
Der neue französische Austauschpartner von „Eurocircle“ aus Marseille brachte seine Erfahrungen mit dem Erasmus+  Programm ein, das sicher den wirkungsvollsten Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und zur interkulturellen Kompetenz leistet. Ein Teil des Programms stellt unter anderem der Europäische Freiwilligendienst im Sport dar. Die Gäste aus Marseille motivierten die Teilnehmer/innen ein halbes Jahr oder ein Jahr soziale Freiwilligendienste im Ausland abzuleisten.  

Sportliches Rahmenprogramm
Das Camp, wie hier schon mehrfach dargestellt, möchte die regionalen Besonderheiten besonders auch im Sport hervorheben und sich daher auch von der üblichen Betonung des „Nationalen“ im Sport mit Hymnen, Fahnen und Nationalteams abgrenzen. Fußball, Volleyball, Tischtennisturniere etc. werden deshalb immer in gemischten, internationalen Teams mit Mädchen und Jungen  ausgetragen. Neue Sportangebote wie Headis (Kopfball über die Tischtennisplatte) Kinball (großer überdimensionaler Ball wird in drei Mannschaften gespielt) oder Jump Style vermitteln bewegte Alternativen.

Zivilgesellschaftliches Engagement über den Sport hinaus
Die Abgrenzung zum Wettkampf gelang besonders gut, als die Gäste aus Neapel und Verona ihr freiwilliges Engagement im Boccia für schwer Behinderte vorstellten. Auch die Berichte der jungen Sportler aus dem Alentejo  über ihre aktuelle freiwillige Tätigkeit im Sport- und Kulturverein zusammen mit der Feuerwehr zur Abwehr der großen Feuer dieses Sommers, die die Korkeichenwälder und damit ihre Existenzgrundlage bedrohten, zeigten die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements im Sport weit über den Wettkampfsport hinaus.

Besuch des Sommerfestes in Harbshausen
Für die Bewohner des kleinen, mit dem Jugendcamp seit jeher befreundeten Nachbarortes Harbshausen am Edersee, hatten die internationalen Gäste auch in diesem Jahr wieder ein kleines Gastgeschenk mitgebracht. Zum traditionellen Sommerfest lud der kleine Ort das gesamte Camp ein und die russischen Teilnehmer bedankten sich mit tänzerischen Auftritten in ihren regionaltypischen Kostümen. Die Neapolitaner sangen „a capella“ ein Volkslied und die Jugendlichen aus der Wielkopolska boten den bewegten Harbshäusern eine Polonaise zum Mitmachen.  So kann Europa auch gehen!

Griechenland erneut nicht dabei
Neben diesen vielen positiven Eindrücken vom jugendlichen Engagement in der Vielfalt Europas wurde das Camp aber auch von der aktuellen Wirklichkeit in Europa eingeholt. Zum zweiten Male sagten die griechischen Austauschpartner ihre Teilnahme aus wirtschaftlichen Gründen ab. Der Wortlaut der Absage hinterlässt  aus deutscher Sicht mit Blick auf Europa aber auch einiges an Bitterkeit: „Zur Zeit ist bei uns kein Jugendlicher bereit für ein Lager in Deutschland Geld auszugeben“.