Stützpunktbesuch der besonderen Art

IdS-Bundeskoordinatorin besucht den Reitverein Sindlingen

Integration durch Sport - Stützpunktverein
Markus Wehenkel, Beate Kempfert und Heike Kübler bei der Übergabe der Stützpunkt-Plakette

Der Reitverein Sindlingen (RVS) ist ein neuer Stützpunktverein im Programm „Integration durch Sport“ (IdS) – das Besondere daran: Es ist bundesweit der erste Reitsportverein, der sich im Programm engagiert. Das war Anlass genug für die Bundeskoordinatorin des Programms, Heike Kübler vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dem Verein einen Besuch abzustatten. Ein Besuch der bleibenden Eindruck hinterlassen sollte.

Ein Reitverein für alle
Das besondere des Reitvereins ist, dass die Reiter/innen für alles selbst verantwortlich sind. Von der Instandhaltung und Verwaltung der Anlage über die Pflege der Pferde, die Vorbereitung der Tiere auf das gemeinsame Reiten bis hin zur Organisation des Reitbetriebes und des sonstigen Vereinslebens. Damit möchte der Reitverein Sindlingen möglichst vielen Menschen das Reiten ermöglichen. Die enorme Eigenleistung der Mitglieder erlaubt es dem Verein, sowohl die Aufnahmegebühr als auch den Monatsbeitrag so zu gestalten, dass Reiten für viele Menschen erschwinglich ist und nicht zu der elitären Angelegenheit wird, als die der Reitsport häufig angesehen wird.
Das ist auch dem Standort geschuldet. Sindlingen ist ein alter, gewachsener Stadtteil. Hier haben sich viele Arbeiterfamilien der nahegelegen Höchst-Werke niedergelassen und sich mit Familien der Mittelschicht gemischt. Ein Luxusreitstall zur Unterbringung teurer Privatpferde wäre hier fehl am Platz. Stattdessen gibt es ausschließlich Vereinspferde, die von allen Mitgliedern geritten werden können.

Junges Engagement an vorderster Stelle
Neben dem obligatorischen Engagement der Mitglieder wird das freiwillige Engagement – besonders der Jugendlichen – zusätzlich gefördert. Interessierte Jugendliche haben die Möglichkeit, sich zu Übungsleitern und Trainern auszubilden oder im Juniorteam zu engagieren. Dieses wurde vor zwei Jahren gebildet und ist schwerpunktmäßig für die Organisation und Durchführung des  Vereinssommerfestes zu ständig. Aus diesem Team kam schließlich auch der entscheidende Impuls zur weiteren Öffnung des Vereins gegenüber sozial schwächer gestellten Mitbürger/innen und Geflüchteten.

Öffnung für die Integration
Beim Sommerfest 2016 konnten erstmalig alle Angebote, Speisen und Getränke kostenfrei angeboten werden. Dies führte dazu, dass viele Geflüchtete aus dem Stadtteil teilnahmen und an diesem Tag viele neue Kontakte entstanden. Besonders die im Reitsport unterrepräsentierten Jungen wurden Feuer und Flamme für den Reitsport und den Verein.
So z. B. Ahmad und Feredoun aus Afghanistan. Beide sind ohne ihre Familien nach Deutschland gekommen und haben im Reitverein eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und vor allem Anschluss gefunden. Der Kontakt zu den „alteingesessenen“ Vereinsmitgliedern hilft den beiden „Newcomern“ bei der Sprachschulung und die Akzeptanz im Verein stärkt ihr Selbstvertrauen.

Persönlichkeitsentwicklung ganz nebenbei
Der RVS bietet kein explizites therapeutisches Reiten an, jedoch ist der Einfluss des Umgangs mit den Tieren als solches schon „Therapie“ genug. Der Vereinsvorsitzenden Beate Kemfert wurde bereits mehrfach die positive Entwicklung von Ahmad und Feredoun auch über das Vereinsleben hinaus bescheinigt.
Feredoun und Ahmad freuten sich sichtlich auf ihre Reitstunde im Beisein der Gäste aus Frankfurt. Nach einer kurzen aber herzlichen Begrüßung widmen sich die Beiden schnell den Pferden, welche ihnen durch die Reitlehrerin zugeteilt wurden. Putzen, Hufe auskratzen, Trensen und Satteln gehen ihnen mittlerweile einfach von der Hand. Nach den beim RVS obligatorischen Logenreitstunden, welche in Einzelstunden abgehalten werden, sind sie seit Februar in einer vierköpfigen Reitgruppe integriert. Mit Heike und Marcel sowie ihrer Trainerin Melanie arbeiten sie weiter an ihren Reitkünsten, ihren Beziehungen zu den Pferden und den Vereinsmitgliedern.

Sport und Fasten
Das Reiten im Trab ist Feredoun und Ahmad mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen. Da schadete auch, die Trainingspause während des Ramadans von Ende Mai bis Ende Juni nicht, obwohl es ein ungünstiger Zeitpunkt war.
Durch die neuen Vereinsmitglieder, wurden auch andere im Verein auf den Ramadan aufmerksam. So beschäftigten sich einige der Jugendlichen erstmals intensiv mit den Bedingungen, die in dieser Zeit eingehalten werden müssen und spielen mit dem Gedanken sich im kommenden Jahr an der Fastenzeit zu beteiligen.    

Auszeichnung offizieller Stützpunktverein
Während sich die Reitstunde von Feredoun und Ahmad dem Ende näherte übergaben Heike Kübler und Markus Wehenkel das Stützpunktschild als Symbol für die großartige integrative Arbeit des Vereins an Beate Kemfert. Sie freut sich über die Unterstützung durch das Programm und die Sportjugend Hessen sowie auf die zukünftige Zusammenarbeit.