Angepasster Verhaltenskodex

Landessportbund und Sportjugend erweitern Richtlinien zum Kindeswohl / Ab dem 1. September muss bei Lizenzerwerb oder -verlängerung der neue Kodex vorgelegt werden

Auf seiner jüngsten Sitzung hat das Präsidium des Landessportbundes Hessen (lsb h) eine Anpassung und Aktualisierung des Verhaltenskodex‘ sowie der Verhaltensregeln zum Kindeswohl beschlossen. Der Kodex gilt als grundlegendes Regelwerk für den Umgang mit Kindern durch ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im hessischen Sport. Bei Lizenzerwerb oder -verlängerung muss ab dem 1. September 2017 die Einhaltung der aktualisierten Form des Kodex‘ per Unterschrift bestätigt werden.

„Der Verhaltenskodex und die Verhaltensregeln dienen dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Kindeswohlgefährdungen aller Art. Außerdem sollen sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gewisse Sicherheit im richtigen Umgang mit jungen Sportlerinnen und Sportlern zu vermitteln“, erklärt Maxi Behrendt, als Referentin für juristische Angelegenheiten für das Thema Kindeswohl zuständig.

Im Rahmen der Aktualisierung haben lsb h und Sportjugend Hessen weitere wichtige inhaltliche Punkte ergänzt. Einer dieser Punkte betrifft die Persönlichkeitsrechte (zum Beispiel das Recht am eigenen Bild) jedes Einzelnen. Mit der Unterzeichnung des aktualisierten Kodex‘ verpflichten sich die Übungsleiter dazu, beim Umgang mit personenbezogenen Daten die Datenschutzbestimmungen einzuhalten.

Mobbing unter Kindern verhindern

Ergänzt wurde auch der Satz: „Ich achte auf einen fairen und respektvollen Umgang der Kinder und Jugendlichen untereinander und toleriere Mobbing nicht.“ Darunter versteht man etwa die Verbreitung von Gerüchten, Drohungen oder Beschimpfungen.

„Uns war es sehr wichtig, diesen Punkt aufzunehmen. Schließlich zeigen Untersuchungen, dass sexualisierte Gewalt in einem Drittel der Fälle nicht von Erwachsenen, sondern von anderen Kindern und Jugendlichen ausgeübt wird“, erklärt Sabine Bertram die Hintergründe. Sie leitet bei der Sportjugend Hessen das Referat „Soziale Kompetenzen“ und berät Vereine zu Präventionsmaßnahmen im Bereich Kinderschutz.

Die Änderungen der Verhaltensregeln, die den Kodex seit seiner Einführung im Jahr 2013 ergänzen, tragen den technischen Entwicklungen Rechnung. So heißt es unter Punkt fünf, „Keine Geheimnisse mit Kindern“, dass diese „auch nicht in Chat, per E-Mail-Verkehr oder in andern Formen digitaler Kommunikation mit einzelnen Kindern“ geteilt werden.

Wichtig für Lizenzinhaber

Gemäß Paragraf 9 der Ausbildungsordnung des Landessportbundes sind alle Lizenzinhaber dazu verpflichtet, bei Ausstellung der Neulizenz bzw. Lizenzverlängerung den Verhaltenskodex unterzeichnet vorzulegen. Ab dem 1. September 2017 wird nur noch die aktualisierte Form des Kodex‘ akzeptiert. Sie kann über die Webseite der Sportjugend Hessen unter www.kindeswohl-im-sport.de heruntergeladen werden. „Alle bereits vor dem Stichtag unterzeichneten und gerade eingereichten Erklärungen haben aber Bestand und müssen nicht aktualisiert werden“, erklärt Juristin Maxi Behrendt.

Auch für die Mitgliedsorganisationen des lsb h ist die Neuerung interessant. Schließlich nutzten viele Fachverbände den Verhaltenskodex des lsb h und der Sportjugend als Grundlage für ihren spezifischen Kodex.  Auch zahlreiche Vereine lassen ihre Übungsleiter, Trainer und Helfer inzwischen den Verhaltenskodex unterzeichnen. „Eine Entwicklung, die wir sehr begrüßen, schließlich zeigt es, dass das Thema Kindeswohl auch von den Vereinsverantwortlichen als wichtig erkannt worden ist“, sagt Sabine Bertram.

Regelmäßige Seminare

Der Anteil der Sportjugend daran ist sicher nicht zu unterschätzen: Sie bietet regelmäßig Fortbildungen zum Thema an. Dabei wird standardmäßig auch der Verhaltenskodex verteilt – seit Ende Juni selbstverständlich in aktualisierter Fassung.

 

Isabell Boger