Arme Kinder machen weniger Sport

Der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung zeigt erneut, dass Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien weniger Sport treiben und seltener in Sportvereinen sind. Umso wichtiger ist es, dass Programm „Sport für alle Kinder“ gegen die Folgen von Kinderarmut der Sportjugend Hessen noch bekannter zu machen.

Die aktuelle Situation
Schon die KiGGS-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland 2014 stellte einen Zusammenhang zwischen sozialem Status und sportlicher Aktivität fest. Mit zunehmendem Sozialstatus steigt der Anteil der Jungen und Mädchen, die Sport treiben bzw. in einem Sportverein aktiv sind. So erklärt sich, dass in der Altersgruppe der 3- bis 17-Jährigen rund jedes fünfte Kind (20,2 %) mit niedrigem Sozialstatus übergewichtig ist, während von den Gleichaltrigen mit hohem Sozialstatus nur etwa jedes zehnte Kind von Übergewicht betroffen ist. Noch deutlicher zeichnen sich die sozialen Unterschiede bei der Verbreitung von Fettleibigkeit (Adipositas) ab. Kinder mit niedrigem Sozialstatus sind mit einem Anteil von 10,3 % deutlich häufiger adipös als Kinder aus hohen Statusgruppe (3,8 %). Dies gilt für beide Geschlechter und über alle Altersgruppen hinweg, wobei die sozialen Unterschiede bei Mädchen im Jugendalter stärker zutage treten als bei Jungen.

Auch andere Studien stützen dieses Bild. Laut Daten der Gesundheit in Deutschland (GEDA) – Studien (2009 – 2012) ist der Zusammenhang von Bildung und Sportaktivität bei Jugendlichen von 18 bis 29 Jahren besonders deutlich. Von den jungen Männern mit niedriger Schulbildung treiben 27,4 Prozent keinen Sport, von den gleichaltrigen Männern mit hoher Schulbildung trifft dies nur auf 10,4 Prozent zu. Bei Frauen sind es in den entsprechenden Bildungsgruppen 45,9 Prozent bzw. 13,5 Prozent. Weitere Studien belegen solche Unterschiede auch in den folgenden Altersgruppen, z. B. wenn es um Zusammenhänge von Berufstätigkeit und Sportaktivität geht. So ist statistisch gesehen das Risiko zu rauchen oder sportlich inaktiv zu sein bei Männern und Frauen mit längerer Arbeitslosigkeitserfahrung im Vergleich zu Personen im Beruf um ungefähr das Doppelte erhöht. Das Sozio-Ökonomisches Panel (SOEP) verlängert sogar den Zeitrahmen und fasst zusammen: Die sozialen Unterschiede in der Verbreitung von sportlicher Inaktivität, die im jungen und mittleren Erwachsenenalter festzustellen sind, bestehen im höheren Alter weiter fort. All diese Erkenntnisse hat der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung zusammengefasst und bestätigt.

Sportjugend Hessen seit 2011 aktiv
Unverzichtbar ist es, allen Kindern und Jugendlichen von Anfang an die Teilhabe im Sport zu ermöglichen. Seit 2011 widmet sich die Sportjugend Hessen mit dem Förderprogramm „Sport für alle Kinder“ den Folgen von Kinderarmut. In den Förderprogrammen 1 bis 7 konnten bereits über 130.000,- Euro an knapp 250 Sportvereine und Sportkreise verteilt werden. Parallel dazu konnten über das Soforthilfeprogramm über 100 Anträge schnell und unkompliziert mit bis zu 150,- Euro bewilligt werden. Finanziert wird das Programm mit Spendengeldern, Fördermitteln des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport sowie Eigenmitteln der Sportjugend Hessen und des Bundesprogramms „Integration durch Sport“.

Die diesjährige Antragsfrist ist bereits abgelaufen und es wurden so viele Anträge wie nie zuvor eingereicht. Im achten Jahr des Förderprogramms stellten 63 Sportvereine und -kreise einen Antrag, wobei eine Fördersumme von 33.000,- Euro bewilligt wurde. Zusätzlich gab es Zusagen über 11.000,- Euro für das kooperierende Programm „Hausaufgaben-Coaches“.
Ob diese hohe Antragszahl daran liegt, dass das Förderprogramm immer bekannter wird oder weil der Bedarf in Hessens Sportvereinen steigt, lässt sich nur schwer herausfinden.

Entscheidend ist, dass jedes Kind und jeder Jugendliche, unabhängig von Einkommen, Bildung und Herkunft, in Hessens Sportvereinen aktiv sein kann. Teilhabe darf nicht am Geld scheitern. Das Förderprogramm „Sport für alle Kinder“ stellt dabei einen Baustein in den sozialen Aktivitäten der Sportjugend Hessen dar, gemeinsam mit weiteren Programmen und Projekten wie „Integration durch Sport“ oder „Sport & Flüchtlinge“. Neben anderen Kultur- und Freizeitangeboten ist Sport im Verein eine Form von gesellschaftlichem Wohlstand. Und dabei sollen möglichst alle hessische Kinder und Jugendliche mitmachen können.